Die große Flucht nach vorn: Warum Unternehmen und kluge Köpfe über Abwanderung nachdenken

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Sicherlich haben sich schon viele Menschen gewünscht: Einen Blick in die Zukunft zu tätigen. Besonders bei wirtschaftlichen Fragestellungen wird zumeist mit verschiedenen zukünftigen Szenarien gearbeitet. Schon das gesparte Taschengeld von Kindern fällt mitunter darunter.

Abwanderung: Warum sind zukünftige Szenarien für die eigene Entscheidungsfindung wichtig?

Es geht dabei hauptsächlich um Wahrscheinlichkeiten von denkbaren Zukunftsszenarien. Nicht selten werden daran wichtige Investitionsentscheidungen oder gar Existenzen von Unternehmen festgemacht. Für Privatpersonen trifft es in vielfältiger Weise ebenfalls zu. Deshalb hat sich ein ganze Armada an Zukunftsinstituten breit gemacht.

„Willkommen in der Welt von morgen!“ – „Es gibt viele Zukunftsinstitute“ 

>>Nächste Ausfahrt Zukunft von Ranga Yogeshwar (Buch) <<

„Es gibt viele Zukunftsinstitute, Vordenker, Futurologen und Experten für das Übermorgen. In bunten Vorträgen erzählen sie uns von dem, was auf uns zukommt. Hierbei hört man neue Modewörter wie z.B. »Over-novation«, »Medien-Exodus«, »Response Shift« oder »Digital Shapers« , und so mancher im Publikum fühlt sich anschließend wie ein stehen gebliebener Ignorant, dem gerade dämmert, dass er die Zukunft verschläft. Kein Tag vergeht, ohne dass Innovationsworkshops, Transformationsseminare oder Changekonferenzen zur Teilnahme einladen unter dem Motto »Willkommen in der Welt von morgen!« Natürlich vergessen wir irgendwann, was die Apologeten des Neuen uns prophezeit hatten. Doch wäre es nicht eine reizvolle Idee zu prüfen, ob ihre Thesen tatsächlich zutreffen?“

„Was die Apologeten des Neuen uns prophezeit hatten“

Über die Genauigkeit über deren Vorhersagen lässt sich sicherlich geteilter Meinung sein. Dennoch ist die Abwanderung von Unternehmen unübersehbar und die Bundesregierung hat darauf bereits reagiert.

„Bundesregierung will Abwanderung von Firmen verhindern“

>>Zeitung für kommunale Wirtschaft<<

„CO2-Preis: Bundesregierung will Abwanderung von Firmen verhindern – Firmen, die dem Brennstoffemissionshandel unterliegen, sollen künftig eine finanzielle Kompensation erhalten, wenn die CO2-Bepreisung zu einer Benachteiligung im grenzüberschreitenden Wettbewerb führt. Das teilte das Umweltministerium mit. Der Großteil dieser Mittel müsse in den Klimaschutz investiert werden.“

„Wenn die CO2-Bepreisung zu einer Benachteiligung im grenzüberschreitenden Wettbewerb führt“

Allerdings drängt sich die Frage auf: Ob die Unternehmen mit solchen Ankündigungen langfristig gehalten werden können? Immerhin sind solche CO2-Abhaben in vielen Ländern völlig unbekannt und auch der Strom ist viel billiger.

„Bayer klagt über zu hohen Strompreis – Chemiekonzern droht mit Verlagerung ins Ausland“

>>Der Tagesspiegel<<

„Bayer klagt über zu hohen Strompreis – Chemiekonzern droht mit Verlagerung ins Ausland – „Es ist wichtig, dass wir im Vergleich mit anderen Ländern wettbewerbsfähig bleiben. Ansonsten kann sich ein globales Unternehmen wie Bayer überlegen, seine Produktion in Länder mit niedrigeren Energiekosten zu verlagern“, sagte Unternehmenschef … der „Wirtschaftswoche“. Deutschland werde als Produktionsstandort für die energieintensive Chemieindustrie unattraktiver, fügte er hinzu.“

„Deutschland werde als Produktionsstandort für die energieintensive Chemieindustrie unattraktiver“

Gerade für die energieintensive Industrie oder das produzierende Gewerbe stellen die hohen Stromkosten einem entscheidenden Standortfaktor dar. Aber damit nicht genug: Auch die regelrecht ausufernde Steuerlast macht vielen Unternehmen zu schaffen. Und wer über das Auswandern nachdenkt: Derjenige wird schnell fündig.

„Unternehmen, die den Schritt ins Ausland wagen“

>>PricewaterhouseCoopers<<

„Unternehmen, die den Schritt ins Ausland wagen, tun sich in der Krise leichter: Sie erweitern ihren Radius und sparen Kosten. Das gilt für Mittelständler wie für Großunternehmen. … Bei der Entscheidung für die Verlagerung von Funktionen ins Ausland spielt auch die geringere Steuerbelastung eine wichtige Rolle.“

„Entscheidung für die Verlagerung von Funktionen ins Ausland spielt auch die geringere Steuerbelastung eine wichtige Rolle“

Abwanderung: Mit vergleichbaren Gedanken sind auch viele Leistungsträger der Gesellschaft ohne eigenes Unternehmen beschäftigt. Die Karrieren von manchen öffentlichen „Würdenträgern“ sind – zwischen den Zeilen – auch irgendwie selbsterklärend. Es braucht also nicht viel Phantasie, um sich die eigenen Aufstiegschancen ausrechnen zu können. Mehr noch: Selbst die internationale Pisa-Studie kommt zum Schluss: Das Elternhaus ist entscheidend. Im Grund sind es Phänomene, die zu früheren Zeiten eher Entwicklungsländern zugeschrieben wurden.

„Gesellschaftliche Korruption ehrliche und gut qualifizierte Personen entmutigt“

>>Korruption von Leslie Holmes (Buch) <<

„Ein Faktor mit potenziell ernsthaften negativen ökonomischen Konsequenzen für die Entwicklung und den Wohlstand eines Landes ist, dass gesellschaftliche Korruption (Nepotismus, Vetternwirtschaft etc.) ehrliche und gut qualifizierte Personen entmutigt, die enttäuscht darüber sind, dass sie keine guten Anstellungen erhielten oder nicht befördert wurden. Einige hören einfach auf, hart zu arbeiten und die Initiative zu ergreifen, während andere in ein weniger korruptes und leistungsorientierteres Land auswandern. Korruption kann somit einen Braindrain begünstigen und der Gesellschaft jene Menschen entziehen, die am besten zur Führung des Landes und seiner Wirtschaft befähigt wären.“

„Korruption kann somit einen Braindrain begünstigen“ – „Die am besten zur Führung des Landes und seiner Wirtschaft befähigt wären“

Manchmal wird es auch als Flucht von Humankapital bezeichnet, wobei die Grenzen zwischen Fachkraft und Selbstständiger mit eignen Unternehmen sich nicht immer leicht ziehen lässt. Tatasche ist aber: Je mehr kluge Köpfe gehen, desto schneller wird sich die Abwärtsspirale drehen und dieses zukünftige Szenario dürfte unausweichlich sein.