Lausitz: „Wir könnten hier noch 200 Jahre Kohle fördern“

Screenshot leag.de

18 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr, 8.000 Mitarbeiter, 3.300 Zulieferfirmen und eine jährliche Wertschöpfung von ungefähr 1,3 Milliarden Euro. So viel hängt an der Leag, respektive der Braunkohleförderung und -verstromung ab. Weite Teile des wirtschaftlichen Lebens in der Lausitz, drehen sich direkt oder indirekt um die Braunkohle. Sollte tatsächlich der Braunkohleausstieg kommen, würde die  Zukunft der Lausitz, im wahrsten Sinne des Wortes: Ganz finster aussehen.

>>Deutsche Handwerks Zeitung<<

„Andererseits fürchten viele Handwerker einen spürbaren Kaufkraftverlust, sollte es keine Ersatzarbeitsplätze in der Industrie geben. „Wir sind Dienstleister und brauchen solvente Kunden“, betont Roland Homola. Sein Geschäft für Augenoptik und Hörakustik in Wittichenau profitiert seit Jahrzehnten von der Nähe zu den Kohlezentren Boxberg und Schwarze Pumpe bei Hoyerswerda. Zu DDR-Zeiten mussten die Arbeiter, die das Land mit Strom und Wärme versorgten, trotz Materialmangel mit Sehhilfen versorgt werden. Heute bringen Bergleute und Knappschafts-Rentner dank ihres guten Einkommens Umsatz. Aber die Tagebaue sollen schließen und die Zahl der Rentner sinkt von selbst. Roland Homola, von 2002 bis 2017 im Vorstand der Handwerkskammer Dresden, kritisiert Versäumnisse der Politik. Während in Leipzig, Dresden und Chemnitz industrielle Leuchttürme gefördert wurden, sei das flache Land in Vergessenheit geraten. „Für eine wirtschaftlich nachhaltige Zukunft brauchen wir Ersatzarbeitsplätze“, sagt der Augenoptikermeister. Damit spricht er Steffen Söll aus der Seele. Der Unternehmer engagiert sich im Vorstand des Vereins „Pro Lausitzer Braunkohle“ und fordert wie die Handwerkskammer Dresden für die Lausitz eine Modellregion mit Steuererleichterungen und Investitionsanreizen. Sein Industrieunternehmen für Sondermaschinen- und Anlagenbau im Boxberger Ortsteil Kringelsdorf war zu 80 Prozent von der Leag abhängig, hat sich aber neue Geschäftsfelder gesucht. „Ein kleiner Handwerksbetrieb kann aber nicht so einfach sein Produktportfolio ändern“, sagt Söll und fürchtet: „Wenn es nicht gelingt, Ersatzstrukturen aufzubauen, dann wird das hier ein Jammertal.“ Dabei waren die Tagebaue Nochten und Reichwalde zusammen mit dem Kraftwerk für Boxberg mit seinen 18 Ortsteilen lange Zeit wie Goldgruben, bescherten dem Ort über Jahre hohe Steuereinnahmen. Der ehemalige Tagebau Bärwalde wurde geflutet und zieht als Sachsens größter See inzwischen ebenso Urlauber an wie der Findlingspark Nochten. Tourismus kann jedoch die Wertschöpfung aus der Kohleverstromung nicht annähernd ersetzen, gibt Roman Krautz zu bedenken, zuständig für Wirtschaftsförderung in Boxberg. Die Gemeinde hat in einem Strategiepapier ihre wirtschaftspolitischen Ziele unter dem Stichwort „2045+“ formuliert. „Aber was nützen uns die Pläne, wenn andere über uns bestimmen“, fragt sich Krautz und schiebt gleich die nächste Frage hinterher: „Was denkt ein 16-Jähriger, der wichtige Entscheidungen für sein weiteres Leben treffen muss?“

Ein kleiner Handwerksbetrieb kann aber nicht so einfach sein Produktportfolio ändern“ – genau das ist der Punkt. Selbst wenn die Produkte geändert werden können, fehlen am Ende die Kunde. Nicht wenige Unternehmen haben sich auf die Leag und ihre Bedürfnisse eingestellt. Der Bergbau, speziell der oberirdische Braunkohleabbau, ist ein sehr spezieller Wirtschaftszweig, demzufolge sind viele angebotene Unternehmensleistungen, auch genau darauf ausgerichtet. Zwar kann beispielsweise ein Elektriker, genauso gut Andernorts arbeiten, jedoch nirgendwo sonst, kommen soviele Aufträge her. Eine Wirtschaftsleistung von 1,3 Milliarden Euro – pro Jahr – lässt sich kaum ersetzen. Schon jetzt haben viele Unternehmen mit steigende Steuern, Gebühren und nicht zuletzt mit hohen Strompreisen zu kämpfen. Die „Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ ist sich praktisch nur in der Frage einig: Die Kohlekraftwerke und Tagebaue stillzulegen. Im Fokus stehen bestenfalls noch die 8.000 direkt beschäftigten Mitarbeiter der Leag. Für alles andere, sind keine wirklichen Lösungen erkennbar.

>>Berliner Morgenpost<<

„Zu DDR-Zeiten studierte er Bergbau-Ingenieurwesen in Senftenberg, lernte dann das Geschäft von der Pieke auf. Auch seine Eltern waren „in der Kohle“. „Große Maschinen, das war mein Traum“, sagt der Chef von 800 Kumpeln in Welzow. Wenn er von der riesigen Abraumförderbrücke F60 spricht, gerät auch der erfahrene Ingenieur ins Schwärmen. Die „größte bewegliche technische Anlage der Welt“ überspannt einen halben Kilometer weit das fast 100 Meter tiefe Loch, auf dessen Grund schwarz das Kohleflöz schimmert. Seine Leute verladen bis zu 90.000 Tonnen Braunkohle pro Tag in die Züge, die den Brennstoff in die Kraftwerke bringen. „Wir kommen unserem Versorgungsauftrag zu jeder Witterung nach“, sagt Redlich selbstbewusst. „Wir könnten hier noch 200 Jahre Kohle fördern“, weiß der Tagebau-Leiter. Viele würden das gern tun. … Noch immer liefert die Lausitz jede zehnte in Deutschland verbrauchte Kilowattstunde Strom.“

 

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