Christentum: Gewalt im Namen Jesus?

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Mit der Bibel und christlichen Schriften lassen sich angeblich viele Gewalttaten rechtfertigen. Sogar Mord, Terror und Kriege sollen möglich sein. Nun das Gewalttaten mit Berufung auf die Bibel und andere christliche Schriften passiert sind. Diese Tatsache lässt sich wohl kaum Abstreiten. Doch die entscheidende Frage lautet: Kann das Christentum wirklich Gewalt legitimieren? Die Antwort darauf ist sehr Kompliziert und einzelne Bibelzitate erschweren es noch zusätzlich: „Doch meine Feinde, die nicht wollten, dass ich ihr König werde – bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder!

„Bringt sie her und macht sie vor meinen Augen nieder!“

An solchen und ähnlichen Gewaltverherrlichen „Aussagen“ herrscht in die Bibel beileibe kein Mangel. Mit kurzen Bibelfersen aus dem Zusammenhang gerissen, lässt sich beinahe alles Rechtfertigen oder wahlweise auch Widerlegen. Beim ausgewählten Zitat handelt es sich in Wirklichkeit um eine längere Passage: „Das Gleichnis vom anvertrauten Geld“ – Bei diesem „Gleichnis“ geht es weniger um einen echten König, sondern um eine fiktive Geschichte rund um einen ausgedachten König. Jesus versucht auf diese Weise einen komplexen Sachverhalt verständlich zu erklären. Viele Teile der Heilige Schrift sind auf diese Weise gehalten. Meistens handelt es sich dabei um längere Textpassagen, die eine ganz andere Kernaussage beinhalten. Doch die Kernaussage selbst, steht so meist nicht in der Bibel, sondern ergibt sich aus der längeren Erzählung. Auf diese Weise werden Antworten auf Fragen gegeben, die praktisch Zeitlos sind. Genau solche Dinge haben das Christentum erst popular gemacht. Die Geschichten von „Der Zöllner Zachäus in Jericho“ und „Das Gleichnis vom anvertrauten Geld“ handeln im eigentlichen Sinne nicht von Gewalt, sondern darum: Wie man mit Geld umgeht.

Längere Textpassagen vermitteln eine ganz andere Botschaft

Viele heutige Zeitgenossen halten sich krampfhaft an diverse Gewaltdarstellungen in der Bibel fest. Übersehen aber dabei, dass die eigentlich darin getroffene Aussagen, vielmehr christliche Nächstenliebe predigen. Die Geschichten in der Bibel spielen sich vor ungefähr 2.000 Jahren ab. Es war eine ganz andere Zeit, mit völlig anderen Sitten- und Moralvorstellungen. Alle Erzählungen laufen vor genau dem Hintergrund ab. Doch genau diese „versteckten“ Botschaften innerhalb der Bibel-Geschichten, machten das Christentum erst so richtig populär.

Durch Popularität wurde das Christentum zur Staatsreligion

Durch diese Popularität wurde es letztlich zur Staatsreligion. Trotz Verfolgung und Unterdrückung verbreitete sich das Christentum unaufhaltsam im damaligen Römischen Reich. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es so zu einen ernstzunehmenden Machtfaktor, an dem die Imperatoren und römischen Kaiser nicht mehr vorbei kamen. Am Ende sollte es der Kaiser Konstantin gewesen sein, der das Christentum zur Staatsreligion erklärte. Nicht aber ohne das Christentum zu „reformieren“ . Was ist damit gemeint? Vereinfacht ausgedrückt, weltliche Macht und das christliche Reich Gottes passen nicht so recht zusammen. Daher wurde das Christentum praktisch „neu“ erfunden.

Als das Christentum neu erfunden wurde

Schon damals wollten einige christliche Gemeinden diesen neuen „modernen“ Kurs nicht mitgehen. Hingegen das „offizielle“ Christentum wurde faktisch zu einem Bestandteil des Staates und der realen Machtausübung. Seit dem Tagen im Römischen Reich unter Kaiser Konstantin, hat sich an der Situation praktisch nicht viel geändert. Selbst heutige Politiker beklagen sich, dass die Amtskirchen viel zu nah an der politisch-realen Macht sind. Kirchliche Predigten und „Parteipositionen“ sind kaum noch voneinander zu unterscheiden.

Unheilige Allianz: Staat und Kirche

Somit konnte das Christentum an der Politik im Römischen Reich auch nicht viel bewirken. Statt unter den Banner des römischen Kriegsgott Jupiters, wurden nun Schlachten und Kriege im Namen Petrus geführt. Gegen die äußeren und inneren Feinde von Rom, war häufig Gewalt das erste Mittel der Wahl. Am Ende ging es mehr um reale Macht und weltlichen Mammon, und weniger um die christliche Nächstenliebe. Aber die Gräueltaten mussten schließlich irgendwie Gerechtfertigt werden, und genau hierzu bediente man sich mit ausgesprochener Spitzfindigkeit aus der Heiligen Schrift.

Gewaltrechtfertigung: Aus dem Zusammenhang gerissene Bibelzitate

Auch dieses Phänomen hat bis in die heutige Zeit überdauert. Einzelne Bibelzitate werden aus dem Zusammenhang gerissen, um Taten mit weltlichen Hintergrund zu Legitimieren. Zwar meint die Heilige Schrift eigentlich etwas ganz Anderes, aber soviel Feingeist stehen schnöden Machtinteressen ohnehin nur im Wege. Allein das Fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten!“ Das sollte eigentlich Unmissverständlich sein.

Fünfte Gebot: „Du sollst nicht töten!“

Aber das antike Rom ging nicht nur gegen seine äußeren Feinde mit äußerster Brutalität vor, sondern auch gegen seine inneren Feinde. Oder diejenigen, die Rom dafür hielt. Besonders in moderner Zeit, wird gern die antike Wissenschaftlerin Hypatia gewissermaßen als „Kronzeugin“ für christliche Gräueltaten herangezogen. Hypatia war unter damaligen Gesichtspunkten „Heidin“ und zudem äußerst Gebildet. Hinzu kam, dass sie zu damaligen Zeit eine Autoritätsperson war. Über die genauen Hintergründe kann man zwar nur Spekulieren, als verhältnismäßig gesichert gilt, dass sie von Christen ermordet wurde. Als „offizieller“ Grund wird kolportiert, dass sie als „Nicht-Christin“ heidnische „Lehren“ verbreitet haben soll.

Hypatia: Von „wütende Christen“ ermordet?

Viel wahrscheinlicher dürfte jedoch sein, dass sie den römischen Amtsträgern sozusagen auf die Füße getreten ist. Als Autoritätsperson hatte sie zwar keinen herausragenden Titel, dennoch genoss sie großen Einfluss bei der Bevölkerung und alleine das wurde – damals wie heute – äußerst Kritisch gesehen. Hätte der römische Kaiser irgendeinen Schlägertrupp losgeschickt, hätte es sicherlich ganz „schlechte Presse“ gegeben. Daher drängten sich „wütende Christen“ als Attentäter regelrecht auf. Ein vielfach unterschlagenes Detail bei der Ermordung von Hypatia ist, dass die römische Verwaltung dem Mob gewähren ließ. Bedeutet, dass die römischen Offiziellen sich zu mindestens indirekt Mitbeteiligten.

Christentum lehnt Gewalt als legitimes Mittel ab

Das Christentum lehnt Gewalt als legitimes Mittel zwar ab, kann aber schlechthin verhindern, das christliche Lehren für schnöde Machtinteressen zweckentfremdet werden. Auch das sich christliche Glaubensgemeinschaften untereinander bekriegen, ist ein verhältnismäßig „neues“ Phänomen, was erst ab Kaiser Konstantin aufgetreten ist. Zuvor gab es bereits zahlreiche christliche Gemeinden, die jeweils ihre eigene Liturgie pflegten und friedlich miteinander Koexistierten.

 

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