„Widersprechende Aussagen des Alten Testamentes“ – Was hat Johann Wolfgang von Goethe über Lilith gewusst?

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Wie ist die Bibel entstanden? Und warum gibt es innerhalb der Bibel so viele Widersprüche über sie? Die Figur Lilith taucht plötzlich auf, ohne dass der dazugehörige Kontext erklärt wird? Ist also Moses vom Berg herabgestiegen und hat die Bibel in der heutigen Form einfach mitgebracht? – Eigentlich sollen ihn nur die zehn Gebote zugeschrieben werden und die Bibel widerum ist teilweise als sehr weltliches Werk zu verstehen. Klingt vielleicht ein bisschen paradox, aber schon der berühmte Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe muss vermutlich viel mehr über religiöse Gewusst haben.

„Betrachte sie genau! Lilith ist das – Wer?“ – Hatte Johann Wolfgang von Goethe geheimes Wissen?

>>Literatur der Antike und Philologie der Neuzeit von Ernst Vogt (Buch) <<

„Lilith, als ein weiblicher Sturmdämon ursprünglich in der babylonischen Mythologie beheimatet, ist uns vor allem aus der Walpurgisnachtszene im ersten Teil von Goethes Faust vertraut: Wer ist denn das? – Betrachte sie genau! Lilith ist das – Wer? – Adams erste Frau. Nimm dich in acht vor ihren schönen Haaren, vor diesem Schmuck, mit dem sie einzig prangt! Wenn sie damit den jungen Mann erlangt, so läßt sie ihn so bald nicht wieder fahren. Im Anschluß an einander widersprechende Aussagen des Alten Testamentes über die Erschaffung der ersten Menschen (Genesis 1, 27 und Genesis 2, 21–23) sowie an den bei Jesaja (34, 14) erwähnten Nachtgeist hat sich im jüdischen Volksglauben und im Talmud die Vorstellung von einer ersten Frau Adams gebildet.“

„Lilith“ – „Adams erste Frau“ – „Widersprechende Aussagen des Alten Testamentes“

Johann Wolfgang von Goethe hat die Figur Lilith sehr ausführlich und äußerst genau in seinen Schriften verarbeitet. Dieses Wissen konnte mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nur aus der Bibel entnommen haben. Die paar Bruchstücke aus der Bibel geben zum Themenkomplex Lilith viel zu wenig her. Um all diese Merkwürdigkeiten zu erklären: Dazu muss man direkt im Jahre null anfangen. Nach das Gründung der ersten christlichen Gemeinden fand im gesamten damaligen Römischen Reich eine rasche Verbreitung statt.

„Im Jahr 100 gab es noch nicht einmal 10 000 Christen, ein Jahrhundert später jedoch bereits elfmal so viele“

>>Die alten Griechen: Eine Erfolgsgeschichte in zehn Auftritten von Edith Hall (Buch) <<

„Das Christentum wuchs rasant. Im Jahr 100 gab es noch nicht einmal 10 000 Christen, ein Jahrhundert später jedoch bereits elfmal so viele. Trotz der zeitweiligen Verfolgung, die unter Diokletian an der Schwelle zum 4. Jahrhundert einen Höhepunkt erreichte, wurden von Portugal bis Köln, von der Donau bis an den Nil und nahezu entlang der gesamten nordafrikanischen Küste christliche Gemeinden gegründet. Im Jahr 301 wurde der armenische König Tiridates der Große das erste nationale Oberhaupt, der das Christentum zur offiziellen Religion erklärte.“

Armenien: „Im Jahr 301“ – „Christentum zur offiziellen Religion“

Die ersten christlichen Gemeinden lassen sich nur teilweise mit heutigen vergleichen. Trotz Verfolgung hat es berühmte christliche Autoren gegeben und diese haben auch über sehr weltliche Dinge geschrieben. Vergleichbares spielte sich während der Gottesdienste oder losen Zusammenkünfte ab. Das Christentum hat nicht etwa im philosophisch-theologischen luftleeren Raum begonnen, sondern es knüpfte beispielsweise direkt bei antiken griechischen Philosophen an. Unter den sehr unterschiedlichen Gemeinden hat ein regelrechter Wettbewerb stattgefunden, was viele damalige Zeitgenossen sicherlich faszinierend fanden. Dagegen konnte der antike römische Götterkult kaum mithalten. Deshalb lassen sich die frühen christlichen Gemeinden nur sehr rudimentäre mit der heutigen Kirche vergleichen.

„Eine »christliche Kirche« in der uns heute geläufigen Form gibt es in den ersten Jahrhunderten nicht“

>>Karl der Große: Die Korrektur eines Mythos von Rolf Bergmeier (Buch) <<

„Eine »christliche Kirche« in der uns heute geläufigen Form gibt es in den ersten Jahrhunderten nicht. Sie ist ein Geschöpf des 4. Jahrhunderts. Bis dahin gibt es dreihundert Jahre lang Gemeinden mit unterschiedlichen Vorstellungen über die Rolle des Religionsgründers Jesus, aber keine geschlossene »Kirche«.

Heutiges Christentum: „Sie ist ein Geschöpf des 4. Jahrhunderts“ 

Trotz zeitweiser Verfolgung ist das Christentum im Römischen Reich zu einem ernstzunehmen Faktor erwachsen. Zwar wurde weiterhin der offizielle römische Götterkult praktiziert, aber so richtig ließ sich davon kaum noch jemand beeindrucken. Auch der spätere Kaiser Konstantin der Große musste darüber im Bilde sein. Also hat er diese damals neue Religion in sein Kalkül mit eingerechnet.

„In diesem Zeichen wirst du siegen!“ – Kaiser Konstantin & das Konzil von Nicäa

>>Die Christen: Expedition zu einem unbekannten Volk von Uwe Bork (Buch) <<

„Der Legende nach erschien ihm in der Nacht vor der entscheidenden Schlacht an der Milvischen Brücke im Norden Roms Christus und forderte ihn mit den unsterblich gewordenen Worten »In hoc signo vinces!« (»In diesem Zeichen wirst du siegen!«) dazu auf, die x-förmigen Zeichen auf den Schilden seiner Soldaten in Kreuzzeichen zu verändern. Konstantins Traum wurde Realität, er gewann die Schlacht. Der Kaiser – trotz seiner nächtlichen Erscheinung kein religiöser Träumer, sondern ein kühl kalkulierender Machtmensch – gewährte zunächst für sein gesamtes Reich Religionsfreiheit, begann aber schon bald das Christentum zu bevorzugen und es Zug um Zug zur neuen Staatsreligion zu machen. Ihm verdankt die Kirche unter anderem die Einführung des Sonntags als allgemeinem Feiertag. Außerdem war er es, der ausgerechnet als Nichtgeistlicher und wahrscheinlich auch als Nichtchrist im Jahr 325 das 1. Konzil von Nicäa einberief, auf dem rund 300 Bischöfe kraft ihrer Lehrautorität mit bestimmten Irrlehren aufräumten und ein gemeinsames Glaubensbekenntnis verabschiedeten.“

Christentum: „Zug um Zug zur neuen Staatsreligion zu machen“

Das Konzil von Nicäa stellte in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt des Christentums dar. Zuvor hat es in den drei Jahrhunderten keine vergleichbare Versammlung gegeben. Schon alleine das Konzept „der einen wahren Lehre des Christentums“ war vorher vollkommen unbekannt. Vereinfacht: Das Christentum wurde als Staatsreligion zurechtgestutzt. Zugleich wurde der Grundstein der heutigen Bibel gelegt, indem bestimmte Lehren halt offiziell aufgenommen oder ausgeschlossen wurden. Sicherlich mögen es alles christliche Schriften sein, allerdings die Auswahl wurde nach eher weltlichen Gesichtspunkten getroffen. Zeitgleich wurde der erste Schritt zur Radikalisierung getan.

Wie das Christentum als Staatsreligion zurechtgestutzt wurde

Schon damals wollte nicht jeder Christ und mitunter sogar Bischof diesem neuen Kurs mitgehen. Hilarius von Poitiers hat Konstantin als „Antichristbezeichnet. Doch es sollte erst der Anfang sein. Abweichler sollten lieber ihren Mund halten, andernfalls wurden sie gewaltsam zum Schweigen gebracht. Eines der berühmten Opfer ist wohl die Mathematikerin Hypatia von Alexandria gewesen. Sie wurde durch einem christlichen Mob umgebracht. Zuvor waren solche gewaltsamen Auseinandersetzungen kaum vorstellbar. Das Konzil von Nicäa sollte also in eine verhängnisvolle Zukunft weisen.

„Ersten Grundpfeiler für die Frage“ – „Was denn nun und künftig als rechtmäßige Lehre gelten solle“

>>Im Feuer des Glaubens von Kay Peter Jankrift (Buch) <<

„Den ersten Grundpfeiler für die Frage, was denn nun und künftig als rechtmäßige Lehre gelten solle, setzte das Konzil von Nicäa im Jahre 325 n. Chr. Weitere richtungsweisende Beschlüsse traf später, im Jahre 451, das Konzil von Chalcedon. Zu dieser Zeit hatte sich das Christentum bereits zur alleinigen Staatsreligion im Römischen Reich aufgeschwungen, das im Westen bereits seinem Untergang entgegen dämmerte. Abweichler hatten zuvor keine Gefahr für Leib und Leben fürchten müssen. … Je weiter sich Kirche und weltliche Macht jedoch annäherten, desto mehr Anteil nahm der Herrscher an der Bekämpfung vermeintlicher Häresien und ihrer Vertreter.“

„Konzil von Nicäa“ – Als die Jagd auf vermeintlicher Ketzer begann

Dieses Grundmuster ist bis in die heutige Zeit – in unterschiedlichen Ausprägungen – erhalten geblieben. Dennoch haben verschiedene Schriften – als Apokryphen – außerhalb der Bibel überlebt und diese werden mitunter auch ausführlich studiert. Beispielsweise hat der berühmte Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe die Figur Lilith in seinen Werken mit eingebunden, so konnten ebenfalls andere „Kundige“ über Goethes Wissenshorizont erhellende Rückschlüsse ziehen.