„Geschaffen wurde ein Klima der Angst vor dem sozialen Abstieg und der tiefen Verunsicherung“

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Denn die Eltern seien oft nicht nur finanziell, sondern auch persönlich überfordert, sagt Wolfgang Büscher von der „Arche“. Die Mehrzahl der Familien sei nicht nur arm, sondern auch bildungsfern. „Ich selbst habe immer wieder erlebt, der Fernseher läuft von morgens 7 bis abends 23 Uhr, und es läuft nicht unbedingt das Bildungsfernsehen, um es mal salopp zu formulieren. Wenn man Hunger hat, kauft man auch schnell mal in der Tanke ne Pizza, und die kostet da nicht 2 Euro sondern 11 Euro. Und wir haben das hier sehr häufig, dass Eltern dann in der „Arche“ nachfragen: ‚Habt ihr Geld für mich, ich kann nichts mehr zu essen kaufen‘.“ Viele gut gemeinte Leistungen des Staates kämen deshalb bei den Kindern gar nicht an, so Büscher. Eltern seien häufig nicht in der Lage, die Anträge auszufüllen, andere hätten schlicht kein Interesse.“ So oder so ähnlich lautet das immer gleich gepflegte Mantra des Staatsfunks.

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„Fast jeder dritte Bundesbürger im Alter ab 16 Jahren ist nach einem Bericht der „Saarbrücker Zeitung“ von materieller Entbehrung betroffen. … Das waren 21,3 Millionen Menschen, schreibt das Blatt unter Berufung auf aktuelle Daten des Statistischen Bundesamtes. Der Geldbetrag entspricht dem seinerzeit statistisch maßgeblichen Schwellenwert bei der Armutsgefährdung in Deutschland. Er wird regelmäßig neu berechnet. Fast 4,9 Millionen Personen mussten darüber hinaus wegen ihrer bescheiden materiellen Lage beim Essen sparen. Sie konnten sich allenfalls nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten. 12,8 Millionen Bundesbürger sahen sich nicht in der Lage, einen einwöchigen Urlaub außerhalb ihres Zuhauses zu finanzieren. Das war fast jede fünfte Person im Alter ab 16 Jahren. Kommen mehrere Probleme dieser Art in einem Haushalt zusammen, sprechen die Statistiker von „erheblichen materiellen Entbehrungen“. „Armut ist in Deutschland kein Randphänomen, sondern zieht sich quer durch die Bevölkerung“, zitiert die Zeitung die Linken-Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Sie hatte die Daten angefordert. Die Bundesregierung müsse endlich ein umfassendes Konzept zur Armutsbekämpfung vorlegen, forderte die Sozialexpertin.“

 

>>Welt<<

„Vor allem jüngere Menschen könnten oder wollten sich offenbar keine eigene Immobilie mehr leisten. Der Anteil der 30- bis unter 40-Jährigen mit einer selbst bewohnten eigenen Wohnung oder einem Haus sei von 2002 bis 2014 um zehn Prozentpunkte gesunken. Obwohl die jüngeren Haushalte immer mehr Immobilienvermögen erben, sinke die Eigentumsquote unter dem Strich immer weiter. „Steigende Ausbildungszeiten und der immer häufiger unter unsicheren Bedingungen erfolgende Einstieg in die Erwerbstätigkeit“, so erklären die Experten vom Pestel-Institut die Entwicklung. … „Wir schließen insbesondere beim Eigentumserwerb Menschen mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen immer mehr aus, und selbst für Durchschnittsverdiener wird die Luft langsam dünn.“ Aus Sicht des Verbände-Bündnisses ist das verheerend, da sich eine eigene Immobilie angesichts niedriger Zinsen und oft geringer Renteneinkünfte bestens für die Altersvorsorge eigne. „Eigentumsförderung hat auch einen sozialpolitischen Aspekt“, sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbands IVD. „Wenn die gesetzliche Absicherung nicht zur Sicherung des Lebensstandards ausreicht und kapitalgedeckte Vorsorge nicht funktioniert, dann landet man automatisch beim Wohneigentum.“ Vom Staat fordert das Verbände-Bündnis deshalb, Wohneigentum stärker zu fördern, sei es durch die zügige Bereitstellung von Bauland, steuerliche Erleichterungen oder direkte Kapitalzuschüsse.“

 

>>Focus<<

„Der expandierende Niedriglohnsektor, die rigide Jobcenter-Praxis und die sich ausbreitende Altersarmut strafen es tagtäglich Lügen. Abstiegsangst erfasst Teile der Mittelschicht, was nicht überrascht, weil sie aufgrund ihrer sozialen Fallhöhe mehr zu verlieren hat als die Unterschicht. Da der Sozialstaat, einst das Paradestück des westdeutschen „Wirtschaftswunderlandes“, mit der „Agenda 2010“ von Bundeskanzler Gerhard Schröder und den Hartz-Gesetzen nicht bloß Einschnitte und zahlreiche Leistungskürzungen erfuhr, sondern auch einem tiefgreifenden Strukturwandel unterzogen wurde, hat die Zerklüftung der Gesellschaft stark zugenommen. Arm und Reich fallen deutlicher ins Auge, manche Großstädte regelrecht auseinander. Geschaffen wurde ein Klima der Angst vor dem sozialen Abstieg und der tiefen Verunsicherung… „

Inwiefern eine eigene Immobilie angesichts des hiesigen Rentensystems ratsam ist: Daran sind Zweifel angebracht. Für einen erheblichen Teil der Bevölkerung bedeutet Rente gleichzeitig Hartz IV, sprich Grundsicherung im Alter: Kapitalvermögen – worunter Immobilien zählen – sind voll anrechenbar und müssen erst „verwertet“ werden, bevor die Rentenversicherung oder eine andere Behörde auch nur einen Euro überweist. Darüberhinaus muss man sich Wohneigentum eben auch leisten können: Neben Anschaffung oder Bau laufen ständig Unterhaltskosten auf und der Gesetzgeber ist stets einfallsreich, wenn es darum geht neue Gebühren, Abgaben oder Verordnungen zu erfinden, die allesamt – kostenaufwenig – einzuhalten sind. Ein weiterer Nachteil einer Immobilie liegt bereits im Wort selbst: Diese ist eben im-mobil – also nicht-mobil. Im Falle der Arbeitslosigkeit gibt es bei den Behörden Regeln der sogenannten „Zumutbarkeit“ für eine neue Beschäftigung – worin eigentlich alles zumutbar ist, sofern es nicht gegen andere Gesetze verstößt. Das Mantra des Staatsfunks: „Viele gut gemeinte Leistungen des Staates kämen deshalb bei den Kindern gar nicht an, so Büscher. Eltern seien häufig nicht in der Lage, die Anträge auszufüllen, andere hätten schlicht kein Interesse.“ Diese sogenannten  „gut gemeinte Leistungen des Staates“ stellen nicht nur einen unendlich mühseligen Papierkram für ein paar Euro oder manchmal nur wenige Cent-Beträge da, sondern nicht selten muss man deswegen vor Gericht auch noch klagen. Die Verfahrenskosten und das gesamte Prozedere ist derart lebensfern gestaltet, das selbst Anwälte häufig mit diesen Verfahren nichts zu tun haben wollen.

 

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