Gesetzliche Krankenversicherung: Der dünne Leistungskatalog

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Seit Jahren verschwinden immer mehr Leistungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung: Vieles wird überhaupt nicht mehr übernommen oder ist nur eingeschränkt verfügbar. Andere medizinische Leistungen werden zwar erstattet, sind aber unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten höchst umstritten und gefährden wohl eher die Gesundheit. Jedoch an einer Stelle werden durchaus üppige Leistungen gezahlt: Davon hat jedoch der gesetzlich Versicherte überhaupt nichts.

>>Sozialverband VdK Deutschland<<

„Die Krankenkasse zahlt die normale Zahnbehandlung in der Regel, ohne dass der Patient etwas selbst bezahlen muss. Dazu gehören zum Beispiel das Entfernen von Karies, Zahnfüllungen oder das Ziehen eines Zahnes. Bei der Wahl der Zahnfüllung können, je nach Lage des Zahns im Kiefer, Zusatzkosten für den Versicherten entstehen, wenn er sich für eine zahnfarbene Füllung entscheidet. Manche Zahnbehandlungen sind nur eingeschränkt eine Kassenleistung, etwa die Wurzelkanalbehandlung: Diese wird nur von der Kasse übernommen, wenn der Zahn als erhaltungswürdig eingestuft wird. Sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt über Behandlungsmöglichkeiten und eventuell anfallende Kosten.“

Was als „zahnfarbene Füllung“ wohlwollend umschrieben ist, dürfte sich in Wahrheit um das Problem mit den Amalgam-Füllungen handeln: Es ist die einzigste Leistung, welche die Kasse voll bezahlt. Aber diese hochgiftige Quecksilberfüllung ist äußerst umstritten: Selbst die sonst so zögerliche Europäische Union hat ein Verbot für Schwangere und stillende Mütter verhängt. Denn Amalgam als Abfall: Kann nicht einfach entsorgt werden, sondern wandert – ähnlich wie Atommüll – in ein Endlager. Jedoch das Material hat auch einen bestechenden Vorteil: Es ist unglaublich billig. Und sparen tun die Kassen (fast) überall.

>>Krankenkassen.net <<

„Nicht jedes Medikament, das in einer Apotheke erhältlich ist, wird auch von einer gesetzlichen Krankenkasse erstattet. Gänzlich aus dem Katalog der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen wurden alle Medikamente herausgenommen, die keine Verschreibungspflicht haben. Die freiverkäuflichen Medikamente müssen vom Versicherten selbst bezahlt werden. … Allerdings ist auch das Rezept vom Arzt nicht immer eine Voraussetzung, dass die gesetzliche Krankenkasse in jedem Fall die Kosten für das Medikament oder Hilfsmittel übernimmt. Es gibt etliche Medikamente, bei denen von einer nicht ausreichend nachgewiesenen Wirkung in der Überprüfung bei Langzeitstudien ausgegangen wird. Solche Medikamente werden von der Kasse von der Erstattung ausgenommen. Dennoch kann der Arzt diese Medikamente verordnen. Auch können Patienten mit dem Arzt besprechen, dass sie dieses Medikament einem anderen vorziehen möchten. Dann kann das Medikament auf einem Privatrezept verordnet werden. Der Patient trägt dann die Kosten für die Verschreibung. Es gibt viele extern anzuwendende Mittel, wie zum Beispiel Salben und Gels bei stumpfen Verletzungen, Schwellungen, Ödemen oder Hauterkrankungen, die in der Regel nicht von der Krankenkasse erstattet werden. Unter diese Mittel fallen auch die äußerlich anzuwendenden Antirheumatika, wie Rheumasalben, Rheumagels und ähnliche Mittel. Solche äußerlich anzuwendenden Mittel sind zwar zu großen Teilen auch verschreibungspflichtig, jedoch muss der Versicherte dafür selbst die Kosten tragen.“

 

>>Focus<<

„Bei den Festbeträgen handelt es sich um die Beträge, die die Krankenkassen beim Medikamentenkauf übernehmen. Beispiel: Wenn ein Medikament 45 Euro kostet und der Festbetrag bei 40 Euro liegt, müssen die Patienten die restlichen fünf Euro selbst übernehmen. Kürzen die Kassen ihren Zuschuss und senken die Pharmahersteller ihre Preise nicht entsprechend ab, kann plötzlich eine Zuzahlungspflicht für die Patienten entstehen. … Nach Berechnungen des Deutschen Apothekerverbands steigen die Zuzahlungen für Arzneimittel, die Krankenkassen ihren Versicherten in den Apotheken abverlangen, bereits seit Jahren: 2017 waren es bereits mehr als 2,1 Milliarden Euro im Jahr.“

Der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen wird schon seit Jahren immer dünner. Medikamente die früher voll übernommen wurden, gelten jetzt als teures privates Hobby – was man sich leisten sollte. Besonders Schmerzpatienten die dauerhaft auf Opiate angewiesen sind, kommen sehr schnell an ihre finanziell Grenzen. Ungeachtet dessen, existiert auch ein Bereich, wo die gesetzlichen Krankenversicherungen üppig mit Geld um sich werfen: Die Gehälter der Krankenkassen-Vorstände, viele davon fallen durchgehend sechsstellig aus.

 

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