Kamerun: „Bitte betet für unsere Feinde!“

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90% mehr Angriffe im Norden Kameruns im Verlauf eines Jahres – Christen bitten um Gebet

Die Straßen waren durch Regen und die Nutzung fast unbefahrbar. Tiefe Gräben und freiliegende Baumwurzeln sorgten dafür, dass das Team nur mit größter Mühe zu dem Dorf durchdringen konnte. Ihr Ziel war, die Christen zu besuchen, sie zu ermutigen und den über 300 in der Gegend lebenden Familien dringend benötigte Hilfsgüter zu bringen.

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Von Open Doors

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Nach zahlreichen Angriffen der islamistischen Boko Haram ist das Gebiet zur „roten Zone“ deklariert worden, die Sicherheits- und Versorgungslage ist dramatisch.

Gottesdienst mit Wachposten

Während des Besuchs nimmt das Team auch an einem Gottesdienst teil und kann dabei mit den Dorfbewohnern Gemeinschaft haben. Sonntags kommen die Gemeindemitglieder, von denen die meisten zum Schutz in den Bergen leben, zur Kirche im Dorf herunter. „Sie kommen einer nach dem anderen“, erklärt der Pastor, „und wenn eine bestimmte Anzahl da ist, beginnen wir mit dem Gottesdienst.“ Draußen hält der 15-jährige Dieudonné im Schatten eines Baumes Wache, bewaffnet mit seiner Bibel und einem Stock. „Wenn ich etwas sehe, informiere ich sofort die anderen“, sagt er. Das Böse macht auch an Sonntagen keine Pause …

„Wenn wir laute Schreie hören, rennen wir zuerst, bevor wir denken“

Nach dem Gottesdienst macht sich das Team gemeinsam mit dem Pastor auf den beschwerlichen Weg den Berg hinauf, um eine Witwe und ihre Kinder zu besuchen. Wie viele andere besitzt auch sie noch ein Haus im Dorf, fühlte sich aber durch die wiederholten Angriffe zu sehr bedroht. Stattdessen nimmt sie lieber mit den Schlangen und Moskitos vorlieb. Ihr provisorisches Haus aus Stein, Lehm und Stroh bietet nur wenig Schutz. Als Erstes begrüßen die Kinder die Besucher, dann bietet die Witwe ihnen großzügig Wasser an. „Stellt euch diesen Weg mit einem Wasserkanister auf dem Kopf vor“, bemerkt der Pastor, während er einen Schluck nimmt. Plötzlich kommt ein vielleicht sechsjähriges Kind schreiend den Berg heruntergelaufen. Die Stimmung kippt schlagartig. Doch dann taucht seine Mutter auf und erklärt, dass es keinen Grund zur Sorge gibt. „Wenn wir laute Schreie hören, rennen wir zuerst, bevor wir denken. Hätte das Kind bei uns unten so geschrien, wäre eine Massenflucht die Folge gewesen“, bemerkt der Pastor und zeigt hinunter ins Dorf.

Vertrauen auf Gottes Eingreifen

Über 300 Familien aus 15 Dörfern haben sich versammelt, um Lebensmittel, Schlafmatten, Eimer und Kleidung in Empfang zu nehmen. Witwen und Gemeindeleiter erhalten auch Bargeld für die dringendsten Bedürfnisse. Mariam hat ihren Mann bei einem der vielen Angriffe verloren. Sie benötigt Unterstützung, um die Schulgebühren für ihre Kinder zu bezahlen. „Du kannst einen kleinen Handel beginnen“, erklärt der Gemeindeälteste, der ihr den Umschlag überreicht. „Kauf einen großen Sack Erdnüsse und verkaufe sie dann in kleinen Mengen weiter“, rät er ihr. Mariam sitzt einsam auf dem Boden, während sie ihren Jüngsten stillt. „Ich verstehe. Vielen Dank!“, sind die einzigen Worte, die die junge Mutter hervorbringt.

Viele Christen, die unsere Nothilfe erhalten, bitten uns, für sie zu beten – aber auch für ihre Feinde. „Bitte betet, dass Gott uns in Bezug auf Boko Haram hilft, die uns weiterhin angreifen. Bittet Gott auch, dass er ihre Herzen verändert, denn was sie tun, ist nicht gut“, sagt Halima. Ein anderer Christ namens Amadou bestätigt: „Wir beten, dass der Herr alle Feinde zum Glauben bringt. Denn ich weiß, dass auch der Apostel Paulus anfangs die Christen verfolgte.“

Nach Angaben des US-amerikanischen „Africa Center for Strategic Studies“ hat die Anzahl der Übergriffe in der Region Far North in den vergangenen 12 Monaten um 90% zugenommen. Die kamerunische Armee versucht zwar, die Dörfer zu verteidigen, trifft aber meist erst ein, wenn die Aufständischen ihr zerstörerisches Werk schon längst getan haben.

 

–W E R Β U Ν G–

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