Kundigungswelle: Bundeswehrpiloten quotieren massenweise den Dienst

Screenshot youtube.com

Die zunehmende staatliche Bürokratie und materielle Mangelwirtschaft machen auch vor der Bundeswehr nicht halt. Insbesondere die fliegende Truppe wird deshalb von einer Kündigungswelle heimgesucht. Dabei kostet die Ausbildung von Piloten Unsummen an Steuergeld und aus den Verpflichtungserklärungen kommen Piloten ohne weiteres nicht so einfach heraus.

>>Hasepost<<

„Bei der Luftwaffe gibt es eine Kündigungswelle. In den vergangenen Wochen haben sieben Eurofighter-Piloten ihren Dienst bei der Bundeswehr quittiert. Ein Sprecher der Luftwaffe sagte „Bild am Sonntag“: „Die Kündigungen sind bedauerlich. … Mit Fluglehrern und Einsatz-Crews gibt es insgesamt etwa 120 Eurofighter-Piloten. Für die Truppe ist die Kündigung von sieben Jet-Fliegern ein teurer Verlust: Die Ausbildung der hoch qualifizierten Soldaten kostet pro Kopf etwa 5 Millionen Euro.“

 

>>Augen geradeaus<<

„In der Bundeswehr gibt es an vielen Stellen eine wachsende Unzufriedenheit mit der Situation in den Streitkräften: Zu wenig oder zu altes Material, zunehmende Bürokratie und wenig Aussicht auf Verbesserung bestimmen für zu viele Soldatinnen und Soldaten ihren Arbeitsalltag. Das ist nichts wirklich Neues und wird hier oft genug thematisiert. In der Öffentlichkeit fällt das selten auf; bei einer Berufsgruppe in der Bundeswehr wird es aber zur Kenntnis genommen: Auch unter den Pilotinnen und Piloten der Kampfjets greift die Unzufriedenheit um sich. Mindestens sieben Piloten, die bislang den Eurofighter flogen, haben in diesem Jahr bereits ihre Kündigung eingereicht und die Streitkräfte verlassen – und es dürften, so ist aus der Truppe zu hören, noch mehr werden. Unter denen, die gehen, sind nach Informationen von Augen geradeaus! auch ein stellvertretender Geschwaderkommodore und mehrere Fluglehrer (was offiziell aus nachvollziehbaren Datenschutzgründen nicht bestätigt wird). Eine der raren Pilotinnen in der Bundeswehr hat vergangene Woche öffentlich erläutert, warum sie die Streitkräfte verlässt. Nicola Baumann, ausgebildet sowohl auf dem Tornado als auch auf dem Eurofighter, vor fünf Jahren Flight Commander of the Year, Fluglehrerin – und, so muss man das wohl verstehen, von der Bürokratie aus der Truppe getrieben.“

 

>>Nicola Baumann<<

„Heute ist mein letzter aktiver Tag im Dienst der Bundeswehr und damit verabschiede ich mich von dieser wunderbaren Aussicht nach über zehn Jahren aktiver Jetfliegerei und fast 14 Jahren im Dienst. Ich habe auch versprochen, ein bisschen näher zu erläutern warum für mich jetzt Schluss ist: Zunächst einmal – das muss nicht jeder verstehen. Da erhebe ich keinen Anspruch drauf. Ich erläutere meine Entscheidungen gerne- ich diskutiere sie aber nicht. Ich bin mit 19 Jahren, direkt nach dem Abitur zur Bundeswehr gegangen und habe eine Verpflichtungserklärung zum Soldaten auf Zeit über 15 Jahre unterschrieben. Alleine diese Zeit kam mir damals schon wahnsinnig lang vor. Und ich dachte, ich wäre ganz schön alt, wenn das rum ist. Ich bin damals zur Luftwaffe gegangen weil ich unbedingt diese wunderbaren Flugzeuge fliegen wollte – und weil meine Arbeit einen höheren Sinn haben sollte. Einen Sinn für unsere Gemeinschaft. Nach bestandener Jetausbildung wurde ich ohne Antrag oder großes Zutun „BO 41“. Das heißt Berufsoffizier mit der besonderen Altersgrenze 41. Auf deutsch – ich sollte bis zum 41. Geburtstag Jets fliegen und dann mit einer (ca. 50%-) Rente nach Hause gehen. Für mein Leben war das der perfekte Plan und höchst attraktiv! Ich hab ja nur ein Leben … und darin mehr als einen Beruf und mehr als einen Arbeitgeber ausprobieren zu können, war immer mein Wunsch und Traum! Für mich ist eine „Karriere“ nicht dann erstrebenswert und erfolgreich, wenn man möglichst weit nach „oben“ kommt. Sondern viel mehr wenn diese Karriere möglichst abwechslungsreich, interessant, herausfordernd und erfüllend ist. Vor ungefähr acht oder neun Jahren beschloss die Bundeswehr den BO41-Status sukzessive abzuschaffen. Vor anderthalb Jahren wurde mir mitgeteilt, dass ich ab jetzt ein „normaler“ Berufsoffizier wäre. Das bedeutet bis voraussichtlich 67 bei der Bundeswehr zu sein. Davon wahrscheinlich mehr als 25 Jahre nicht fliegend! Nun wäre es mit 41 Jahren schwieriger sich eine zweite Karriere aufzubauen als es mit 33 ist. Und meine Zeit bei der Luftwaffe hat kein offiziell definiertes Ende vor dem absoluten Ende meines beruflichen Lebens mehr. Also kann und darf ich, wenn ich das denn möchte, mein Dienstzeitende selbst definieren. Das sieht der Gesetzgeber so vor. Und das tue ich. Im zivilen Leben heißt das „Kündigung“ und ist die normalste Sache der Welt. Vorallem nach so langer Zugehörigkeit. In meiner fliegerischen Laufbahn durfte ich als erstes den ECR Tornado fliegen (und in was für einer Traumstaffel!!, dann als Fluglehrerin in den USA die nächste Generation ausbilden. Zuletzt durfte ich seit 2015 den Eurofighter fliegen. Damit war ich auch 2017 in Estland zur Luftraumüberwachung im Baltikum eingesetzt. Und nun ist es für mich nach neben dieser Karriere an der Zeit meinen Weg weiter zu gehen, neue Fähigkeiten zu lernen und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Wäre ich wieder 19 Jahre alt, würde ich im Übrigen genau diesen Weg wieder gehen. Für andere junge Menschen da draussen – Pilot/Pilotin bei der Bundeswehr zu werden bietet einzigartige Möglichkeiten und Erlebnisse, hat aber auch ganz eigene, signifikante Nachteile. Das sollte jede und jeder für das eigene Leben genau abwägen. Dann werd ich auch immer wieder gefragt – wieso bleibst du denn nicht in der beruflichen Fliegerei? Ganz ehrlich, ich versteh die Frage manchmal nicht. Ich bin den Eurofighter geflogen! Das modernste Kampfflugzeug Europas! Mit Überschall, in Formation und im Luftkampf! Was soll denn da fliegerisch noch kommen? Sebastian Vettel wird doch nach seiner aktiven Zeit auch nicht Taxifahrer? Und das meine ich jetzt überhaupt nicht despektierlich an alle Airline-Besatzungen dieser Welt! Aber für mich wäre das auf Dauer einfach nichts. (Außerdem bin ich auch bisher nicht „nur“ Pilotin sondern auch Offizier, Ingenieurin und Rettungssanitäterin gewesen. Warum sollte ich also nur Pilot werden?“

 

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