Lausitzer Geschichte – Bauernkrieg: „Damit nie wieder ein Untertan es wagt, die Hand gegen die Obrigkeit zu erheben“

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Ein Bauernkriegs-Gemälde als Publikumsmagnet? Augenscheinlich hat sich dieses geschichtliche Ereignis nicht nur in der Kunst, sondern auch im allgemeinen Bewusstsein niedergeschlagen. Im Allgemeinen ist damit der große Bauernkrieg am Anfang der frühen Neuzeit gemeint. Dabei durchziehen Bauernunruhen die Geschichte wie ein langer roter Faden hindurch. Und noch immer nehmen Menschen am Schicksal der Bauern teil.

„Bauernkriegs-Gemälde ist Publikumsmagnet“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Bauernkriegs-Gemälde ist Publikumsmagnet – Elf Jahre hat der Maler Werner Tübke (1929 – 2004) von der ersten Skizze bis zum letzten Pinselstrich am Bauernkriegs-Panorama für Bad Frankenhausen gearbeitet.“

„Elf Jahre“ – „Von der ersten Skizze bis zum letzten Pinselstrich am Bauernkriegs-Panorama“

Insbesondere der Bauernkrieg (1524-1526) hat seine Spuren in der allgemeinen Erinnerung hinterlassen. Nur recht selten muss ein Maler für ein Bild elf Jahre seinen Pinsel schwingen. Denn dieser Krieg hat einem sehr hohen Blutzoll gefordert.

„Das vergossene Blut des Jahres 1525“ – „Alle Tyrannen zu ertränken“

>>Der Bauernkrieg – Die Revolution des Gemeinen Mannes von Peter Blickle (Buch) <<

„Hunderttausend tote Bauern – die Zahl lief um im Reich und war allgemein die grobe Aufsummierung dessen, was man gerüchteweise von den Schlachten des Bauernkriegs gehört hatte. „Das vergossene Blut des Jahres 1525“, schrieb ein Schweizer Beobachter, sei ausreichend, „alle Tyrannen zu ertränken“. Waren die Forderungen und Aktionen des Gemeinen Mannes so revolutionär, daß Fürsten und Adel sie wie Hochverrat und Landfriedensbruch behandeln mußten?“

„Was man gerüchteweise von den Schlachten des Bauernkriegs gehört hatte“

Letztlich haben die Bauern zwölf Forderungen aufgestellt. Es ist darin unter anderen um Steuern, Frondienste und eine faire Gerichtsbarkeit gegangen. Im Summe also wenig wenig weltbewegend. Doch nicht jeder Bauer ist während dieser Zeit in Kampfhandlungen gestorben. Auch die damaligen Scharfrichter mussten Überstunden schieben.

„Aichelin von Wiesensteig“ – „Erhängte allein 1.200 Bauern nach ihrer Niederlage im Deutschen Bauernkrieg“

>>Die Folter. Eine Enzyklopädie des Grauens von Horst Herrmann (Buch) <<

„Der gefürchtete → Scharfrichter im Heer des Schwäbischen Bundes, Aichelin von Wiesensteig, erhängte allein 1.200 Bauern nach ihrer Niederlage im Deutschen Bauernkrieg (1525) und richtete in einem Monat 350 Männer mit dem Schwert.“

„Aichelin von Wiesensteig“ – „Richtete in einem Monat 350 Männer mit dem Schwert“

Im Allgemeinen lief es auf eine reine Blutorgie hinaus. Selbst in jüngerer Vergangenheit tauchen immer wieder grausige Zeugnisse auf. Denn nur selten wurden die Opfer ordnungsgemäß bestattet.

„Als seien die Bauern gewesen wie das Wild, das die Aristokraten erntevernichtend über die Felder zu jagen pflegten“

>>Als unser Deutsch erfunden wurde von Bruno Preisendörfer (Buch) <<

„Geschichtsschreibung fand mit Papier und Tinte statt. Die Geschichte selbst ließ Gräber und Knochen zurück. 1994 stieß man in Leipheim nahe Ulm bei Bauarbeiten auf Skelettgruben. In Leipheim hatte am 4. April 1525 die erste große Schlacht des Bauernkrieges stattgefunden. Sie endete mit der verheerenden Niederlage des Bauernheeres, der weitere folgen sollten bis zum schrecklichen Gemetzel am 15. Mai 1525 bei Frankenhausen in Thüringen. Bei Leipheim wurden die Fliehenden zu Aberhunderten von nachsetzenden Reitern mit Spießen niedergestochen oder »erlegt und in der thonau ertrenkt«, wie einer der Sieger meldet. Als seien die Bauern gewesen wie das Wild, das die Aristokraten erntevernichtend über die Felder zu jagen pflegten, einer der Gründe für den Aufstand. …  Schlagt die Aufständischen, mordet sie, schlachtet so viel wie möglich von ihnen ab, damit nie wieder ein Untertan es wagt, die Hand gegen die Obrigkeit zu erheben oder auch nur die Faust in der Tasche zu ballen.“

„Damit nie wieder ein Untertan es wagt, die Hand gegen die Obrigkeit zu erheben“

Heutzutage wird der Bauernkrieg auf die Jahre 1524-1526 zusammengefasst. Aber eigentlich lassen sich Bauernerhebungen historisch viel weiter fassen. Schließlich fanden die ersten Bauernerhebungen bereits im 15. Jahrhundert statt.

„Zahlreiche Bauernerhebungen“ – „Übergang der Grundherrschaft zur Gutsherrschaft wurde die Ausbeutung der Fronbauern weiter verstärkt“

>>Sorbe.de<<

„Durch den Übergang der Grundherrschaft zur Gutsherrschaft wurde die Ausbeutung der Fronbauern weiter verstärkt und zahlreiche Bauernerhebungen, wie 1492 in Gersdorf oder 1511 um das Kloster Lauban, waren die Folge. Obwohl 1508 den Bauern das Waffentragen verboten wurde, kam es 1524 schließlich zum großen deutschen Bauernkrieg, an dem sich sorbische Bauern in Zapusta und der Herrschaft Hoyerswerda ebenso beteiligten wie die Untertanen des Klosters Marienthal. Zwanzig Jahre später erhoben sich die Sorben im Amt Schlieben, 1548 folgte die sorbische Landbevölkerung bei Luckau.“

„1508 den Bauern das Waffentragen verboten wurde“

Selbst in späterer Zeit rissen die Unruhen von Bauern keineswegs ab. Diese Spur lässt sich über Jahrhunderte in der Geschichte verfolgen. Besonders im 18. Jahrhundert flammten sie mit enormer Wucht wieder auf.

„Bauernunruhen in der Lausitz“ – „Unruhen in den sorbischen Dörfern nicht mehr solche Stärke erreicht wie 1790“

>>Bauernkriege.de<<

„Bauernunruhen in der Lausitz – Seit den Bauernkämpfen um Uckro um 1548 und im Gebiet Cottbus 1715 hatten die Unruhen in den sorbischen Dörfern nicht mehr solche Stärke erreicht wie 1790. Forderungen nach Beseitigung der Frondienste und für die freie Entwicklung der Bauernschaft beherrschten die Wünsche der Bevölkerung, die die Hungerjahre von 1771 und 1772 nicht vergessen hatte und deren Elend sich 1789 und 1790 sich gerade wiederholte. Schlimme Mißernten kamen wieder über die Bauern und die sozialen Spannungen stiegen ins unerträgliche. Genau in diese Situation hinein gelangten die Nachrichten über die Aufstände in Frankreich, die ja genau aus den gleichen Ursachen heraus ausbrachen und deren Kunde sich schnell über Europa verbreitete.“

„Schlimme Mißernten kamen wieder über die Bauern und die sozialen Spannungen stiegen ins unerträgliche“

Auch die Französische Revolution wurden überwiegend von der ländlichen Bevölkerung getragen. Und noch heute fühlen sich die Menschen mit der ländlichen Bauernschaft verbunden, was auch das Bauernkriegs-Gemälde als Publikumsmagnet eindrucksvoll zeigt.