Ergebnis der Wendenkreuzzüge: „Systematische, auf lange Sicht angelegte Ausbeutung“

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Die Steuerhoheit,  wird laut Gabler Wirtschaftslexikon heutzutage als: „einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft zustehende Recht, Steuern zu erheben. Die Steuerhoheit ist Teil der Finanzhoheit, die das gesamte staatliche Finanzwesen mit der Einnahmen- und Ausgabenseite umfasst“ bezeichnet. Doch was hat moderne Steuerwesen mit mittelalterlichen Kreuzzügen zu tun? Bei oberflächlicher Betrachtung kommen hierbei zwei völlig verschiedene Themen zusammen. – Oder etwa doch nicht? Nun das Recht Steuern einzutreiben muss ja irgendwo hergekommen sein und schon im Mittelalter wurde hierzu eine Art von „Öffentlichkeitsarbeit“ zum Thema betrieben.

„Erfolg dieser Propagandabemühungen“ – „Ganz allgemein starken Zulauf“

>>Die Kreuzzüge von Jonathan Riley-Smith (Buch) <<

„Der Erfolg dieser Propagandabemühungen zeigte sich einerseits an dem ganz allgemein starken Zulauf – der sogenannte Zweite Kreuzzug war bei Weitem der größte seit dem Ersten Kreuzzug von 1095 –, ganz besonders jedoch auch an dem hohen Anteil von Teilnehmern, deren Familien bereits bei früheren Gelegenheiten Kreuzfahrer gestellt hatten. … In diesem Stadium entwickelte sich die Kreuzzugsbewegung genauso stark unter der Oberfläche im kollektiven Bewusstsein bestimmter adliger Familien wie in der Tat und im Denken der Theoretiker. Papst Eugen ernannte die Kardinäle Dietwin von Porto und Guido von San Crisogono zu seinen Legaten im Heer des französischen Königs; die Bischöfe Arnulf von Lisieux, Gottfried von Langres und Alois von Arras sollten ihnen zur Seite stehen. Zum päpstlichen Bevollmächtigten für den Wendenkreuzzug wurde der Bischof Anselm von Havelberg ernannt, dem der Bischof Heinrich von Olmütz – ursprünglich als Legat für das Heer Konrads III. vorgesehen – und Wibald von Stablo, Abt der Reichsabtei Corvey, assistierten.“

„Zum päpstlichen Bevollmächtigten für den Wendenkreuzzug wurde der Bischof Anselm von Havelberg ernannt“

Die heutige allgemeine Wahrnehmung der Kreuzzüge sind hauptsächlich auf die militärischen Unternehmungen im Nahen Osten beschränkt. Doch diese kriegerischen Unternehmungen lassen sich bis in die Antike – vor Geburt Christus – zurückverfolgen. Im Laufe der Zeit hat sich lediglich das Erklärungsmusterrespektive Framing – verändert: Aber die Absichten sind praktisch gleich geblieben. Und auch die Besiegten wurden schon unter Gaius Iulius Caesar genauso behandelt.

„Kriegsrecht sei es, daß die Sieger mit den Besiegten nach Belieben verführen“

>>Der Gallische Krieg von Gaius Iulius Caesar (Buch) <<

„Kriegsrecht sei es, daß die Sieger mit den Besiegten nach Belieben verführen; auch das römische Volk sei gewohnt, Besiegte nicht nach fremder Vorschrift, sondern nach eigenem Gutdünken zu behandeln. Wenn er selbst dem römischen Volk nicht vorschreibe, wie es sein Recht ausüben solle, dürfe auch ihn das römische Volk nicht in seinem Recht einschränken. Die Häduer seien ihm, da sie das Kriegsglück versucht, mit den Waffen gekämpft und verloren hätten, tributpflichtig. Caesar begehe schweres Unrecht, da er durch sein Dazwischentreten seine Einkünfte mindere. Er werde den Häduern ihre Geiseln nicht herausgeben, jedoch weder gegen sie noch ihre Verbündeten ohne Ursache Krieg führen, vorausgesetzt, sie hielten ihren Vertrag ein und zahlten jährlich ihren Tribut.“

„Besiegte nicht nach fremder Vorschrift, sondern nach eigenem Gutdünken zu behandeln“

Zynisch könnte man es auch als große Beutezüge bezeichnen. Es wurden tributpflichtige – respektive steuerpflichtige – Völker geschaffen und die übriggebliebenen widerspenstigen Gefangenen wurden als Sklaven gewinnbringend verkauft: Letztendlich lief es auf eine große militärische-wirtschaftliche Unternehmung hinaus. Auch in späterer Zeit hat sich daran faktisch nicht viel geändert: Sofern die religiöse Komponente aus der Gleichung der Weidenkreuzzüge verschwindet, dann sind Vorgehen und Ziele nahezu deckungsgleich. Nichtmal die Gefangen wurden anders behandelt.

„Das Wort „Sklave“ ist verwandt mit „Slawe“ und stammt aus dem Mittelalter“

>>Welt<<

„Das Wort „Sklave“ ist verwandt mit „Slawe“ und stammt aus dem Mittelalter, als viele Menschen aus Osteuropa verschleppt wurden. Weil sie Heiden waren, galten sie als vogelfrei; sie wurden im Westen des Kontinents gehandelt, vor allem aber in die islamische Welt verkauft.“

Sklaven: „Weil sie Heiden waren, galten sie als vogelfrei; sie wurden im Westen des Kontinents gehandelt“

Genau wie bei Gaius Iulius Caesar wurden fremde Gebiete erobert, tributpflichtige Völker geschaffen und widerspenstige Gefangene in die Sklaverei verkauft. Zwar haben sich zwischenzeitlich die Handelsströme der „Ware Mensch“ verändert, aber alles andere ist praktisch gleich geblieben.

„Seit dem Beginn des 9. Jahrhunderts ein weitreichender Sklavenhandel entwickelt habe“

>>Werkstatt Geschichte (Heft) <<

„Herrschender Konsens ist bisher, dass sich spätestens seit dem Beginn des 9. Jahrhunderts ein weitreichender Sklavenhandel entwickelt habe, der Menschen aus dem östlichen Europa in die islamische Welt brachte.“

„Menschen aus dem östlichen Europa in die islamische Welt brachte“

Die islamische Welt wird als großer Widersacher zu dieser Zeit angesehen, aber zugleich war es auch ein großer Abnehmer von Sklaven und damit Handelspartner gewesen. Die gefangenen Menschen wurden verschleppt und weit entfernte Gebiete gebracht, wo jede Flucht zum Scheitern verurteilt war. Die kostspieligen Wendenkreuzzüge wären ohne diese Einnahmequelle wohl kaum vorstellbar gewesen. Auf jene Weise wurde auch die Lausitz unterworfen.

„Kaiser Karl der Große versuchte die Sorben zu unterwerfen“

>>Die Sorben – in Deutschland (PDF-Datei) <<

„Kaiser Karl der Große versuchte die Sorben zu unterwerfen. 806 wurde das sorbische Bauernheer unter dem Fürsten Mili- duch auf dem Warnenfeld bei Gera von den Franken besiegt. Die planmäßige militärische Eroberung der elbslawischen Gebiete durch den deutschen Feudalstaat begann 921 unter König Heinrich I. Trotz tapferen Widerstands und wiederholter Aufstände gegen die deutsche Feudalmacht verloren die Milzener, die in 30 Burgbezirken in der heutigen Oberlausitz lebten, bis zum Jahre 990 ihre politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Über ebenfalls rund 30 schanzenartige Burgen verfügten die Lusizer in der Niederlausitz, die bereits 963 tributpflichtig wurden.“

„Die planmäßige militärische Eroberung der elbslawischen Gebiete“

Auch die Sorben wollten sich nicht einfach der Feudalmacht beugen, aber gegen die militärische Übermacht konnten sie am Ende nicht viel ausrichten. Die damaligen Chronisten haben die Geschehnisse in blumige Wort gepackt, die beinahe wie reiner Hohn klingen.

„Eroberungen gingen stets mit Plünderungen einher“

>>Invasion der Barbaren von Peter Heather (Buch) <<

„Eroberungen gingen stets mit Plünderungen einher. Gewinnträchtiger war aber die systematische, auf lange Sicht angelegte Ausbeutung, in die auch nicht vollständig unterworfene Gebiete einbezogen wurden. Seit der Zeit Heinrichs I. musste Böhmen jährlich Tribute entrichten und nach 950 den Kaiser zudem mit Soldaten unterstützen. … Gebiete, die stärker unter der Kontrolle des Kaisers standen, wurden stärker ausgebeutet. Erfolgreiche Kampagnen gegen die Elbslawen (kleine Gruppen, die in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zwischen Elbe und Oder lebten) ermöglichten es den Ottonen, östlich der Elbe neun größere Sammelstellen für Abgaben einzurichten. Hier wurde abgeliefert, was in den Urkunden beschönigend als die »jährlichen Geschenke« der Slawen bezeichnet wird, von denen ein nicht unbeträchtlicher Teil an die beiden favorisierten Kirchenfürsten der Ottonen floss, die Erzbischöfe von Magdeburg und Meißen. All dies wird in Urkunden dokumentiert. … Die großen Familien des Reiches führten gelegentlich erbitterte Fehden um solche einträglichen Pfründe.“

„Systematische, auf lange Sicht angelegte Ausbeutung“ – „Beschönigend als die »jährlichen Geschenke« der Slawen bezeichnet“

Aus tributpflichtigen-unterworfenen Völker sind im Laufe der Zeit steuerpflichtige Bürger geworden. Und noch heute wird die Weigerung seine Steuern zu zahlen als ein sehr schweres Vergehen eingestuft. Während die Ausgabenseite des Staates mit viel juristischer Nachsicht behandelt wird. Oder mit Gaius Iulius Caesars Worten: „ … daß die Sieger mit den Besiegten nach Belieben verführen