Netzsperren & Ausweiskontrollen: „Der feuchte Traum jeder Jugendschutzbehörde könnte sich erfüllen“

Screenshot youtube.com Screenshot youtube.com

Zugangssperren und Ausweiskontrollen für das Internet? Ohne digitale Verifizierung ist der Zugang zum Netz in Zukunft gesperrt? Was erstmal recht Absurd klingen mag: Das könnte bald als Wirklichkeit eintreten und die ersten Schritte wurden bereits in diese Richtung getan.

„Der feuchte Traum jeder Jugendschutzbehörde könnte sich erfüllen“

>>Dr. Datenschutz<<

„Das Internet ohne Sexfilmchen? Unvorstellbar. Der feuchte Traum jeder Jugendschutzbehörde könnte sich erfüllen: Pornowebsites droht die Netzsperre, wenn sie nicht für eine umfassende Altersverifikation zum Schutz Minderjähriger sorgen. Derweilen öffnet dieses Vorhaben staatlicher Übergriffigkeit Tür und Tor, allen Risiken sowie Alternativen zum Trotz.“

„Netzsperre“ – „Wenn sie nicht für eine umfassende Altersverifikation zum Schutz Minderjähriger sorgen“

Zwar wird der „Jugendschutz“ als Vorwand herangezogen, aber diese Maßnahme dürfte überwiegend Erwachsene treffen und nicht nur auf erotische Webseiten bleiben. Ein Verwaltungsgericht hat bereits diese Ansicht – ohne sich groß die Gegenargumente anzuhören – durchgewunken.

„Zugangssperren für Pornoseiten: Gericht erwirkt Ausweispflicht“

>>PC Games<<

„Zugangssperren für Pornoseiten: Gericht erwirkt Ausweispflicht – Vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf haben Jugendschützer der KJM einen Sieg gegen bekannte Pornoanbieter im Internet erzielt. Die Plattformen müssen nun Maßnahmen einführen, mit denen das Alter des Users verifiziert werden kann.“

„Plattformen müssen nun Maßnahmen einführen“ -„Alter des Users verifiziert“

Gerade jenen  „Jugendschutz“ als Argument in Feld zu führen: Das ist an Skurrilität kaum zu übertreffen. Schließlich brauchen Jugendlich einen Ort, wo sie ungestört sich im Internet herum treiben können. Hierzu bietet sich die Schule an und die Pornographie stellt nur ein Problem unter vielen dar.

„Welche Probleme Smartphones an Schulen auslösen können“

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Welche Probleme Smartphones an Schulen auslösen können – Beleidigung, Bedrohung, sexuelle Belästigung und Nötigung sowie Erpressung per Smartphone gibt es den Experten zufolge an nahezu jeder Schule. … Unter Sexting versteht man die zunächst freiwillige, sexuell motivierte Kommunikation – also das gegenseitige „Scharfmachen“ durch Chatnachrichten oder freizügige Aufnahmen, die unter Jugendlichen oft als Liebesbeweis eingefordert werden. Sextorsion wird daraus, wenn diese Bilder oder Videos zur Erpressung eingesetzt werden. Cybermobbing ist das Fertigmachen und Bloßstellen Einzelner über digitale Medien, meist über einen längeren Zeitraum.“

Schule: „Cybermobbing ist das Fertigmachen und Bloßstellen Einzelner über digitale Medien“

Normalerweise müssten solche Taten vor Gericht landen: Denn es sind klare Straftatgesetze erfüllt und die aufsichtspflichtigen Personen müssten eine Mitverantwortung übernehmen. Doch über das Problem wird ein Mantel des Schweigens und kollektiven Wegsehens gelegt. Selbst die sonst kaum zu bremsende Jugendschutzbehörde ist in Haltungsstarre verfallen. Das Argument „Schutz der Jugend“ kann also bei Netzsperren nicht so recht überzeugen. Zumal diese Problem an Schulen künstlich erschaffen und weiter geduldet wird. Grundsätzlich sollten Minderjährige nur unter Aufsicht ins Internet gelassen werden: Denn jede technische Sperre können gleichermaßen Erwachsene und Jugendlich überwinden, die letztere Gruppe meist sogar noch schneller.

Netzsperren & Ausweiskontrollen: Totale Überwachung des Internets?

>>Netzpolitik<<

„Zum einen lassen sich die Sperren von den Nutzer:innen umgehen, in dem diese VPNs nutzen, mit denen man ganz einfach aus einem anderen Land auf den Dienst zugreift. Zum anderen wechselte Telegram während der Maßnahme selbst ständig die IP-Adressen und griff auf Datencenter von Google und Amazon zurück. Russland blockierte daraufhin immer mehr. Die Folge: Insgesamt mehr als 16 Millionen IP-Adressen sollen letztlich nicht erreichbar gewesen sein. Doch auf diesen kommunizierte nicht nur der in Ungnade gefallene Messengerdienst. Auch das Kreml-Museum und Supermärkte nutzten die Adressen – und waren erstmal weg vom Browserfenster. Am Ende nahm Russland die Sperre blamiert zurück.“

Netzsperren: Was ist mit wechselnden IP-Adressen von Webseiten & VPN-Diensten?

Würde man einzelne populäre Internetangebote – unter realistischen Bedingungen – restlos aus dem Internet tilgen: Dann liefe es auf Ausweiskontrollen nicht nur für einzelne Dienste oder Internetauftritte, sondern für jeden Besuch einer Webseite hinaus. Es wären Zensurmaßnahmen, wie sie selbst totalitäre Staaten sie nur ansatzweise praktizieren.