Strukturwandel: Wie das Lausitzer Handwerk übergangen wird

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Das Lausitzer Handwerk lebt vorwiegend vom solventen Kunden. Die beste Handkwerkskunst ist nutzlos: Ohne die Nötige zahlungskräftige Kundschaft. Henry Ford sagte einmal sinngemäß: „Autos kaufen keine Autos. “ Der forcierte Kohleausstieg bringt nicht nur Massenarbeitslosigkeit mit sich, sondern dürfte auch das Lausitzer Handwerk stark im Mitleidenschaft ziehen. Viele zahlungskräftige Kunden dürften in Zukunft wegbleiben. Dabei sehen viele Lausitzer Handwerksmeister den Kohleausstieg durchaus skeptisch gegenüber: Aber ihre Stimmen bleiben ungehört.

Handwerk: „Profitiert seit Jahrzehnten von der Nähe zu den Kohlezentren Boxberg“

>>Deutsche Handwerkszeitung<<

„Sein Geschäft für Augenoptik und Hörakustik in Wittichenau profitiert seit Jahrzehnten von der Nähe zu den Kohlezentren Boxberg und Schwarze Pumpe bei Hoyerswerda. Zu DDR-Zeiten mussten die Arbeiter, die das Land mit Strom und Wärme versorgten, trotz Materialmangel mit Sehhilfen versorgt werden. Heute bringen Bergleute und Knappschafts-Rentner dank ihres guten Einkommens Umsatz.“

„Heute bringen Bergleute und Knappschafts-Rentner dank ihres guten Einkommens Umsatz“

Die rund 8.000 Mitarbeiter der Leag, zusammen mit ungefähr 3.300 Partnerfirmen sorgen für eine jährliche Wertschöpfung von 1,3 Milliarden Euro. Die Lausitz lebt also hauptsächlich von der Braunkohle. Zahlreiche Unternehmen sind direkt oder indirekt von der Braunkohle abhängig. Die zahlreichen Handwerksmeister in der Lausitz wissen genau: Woher das Geld für ihren Umsatz kommt. Entsprechend gedrückt ist die Stimmung: Durch den forcierten Braunkohleausstieg.

Kohleausstieg: „Eine steigende Steuer- und Abgabenlast“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Das Handwerk in der Lausitz blickt vor dem Hintergrund des Strukturwandels in der Region sorgenvoll in die Zukunft. … Nach einer Sonderumfrage der Handwerkskammern Cottbus und Dresden … mehr als 60 Prozent der befragten Unternehmen erhebliche Auswirkungen infolge des bevorstehenden Braunkohleausstiegs auf die Betriebe zukommen. So werden der Umfrage zufolge der Verlust von Kaufkraft, die Abwanderung und Abwerbung von Fachkräften aus der Region und eine steigende Steuer- und Abgabenlast befürchtet.“

„Verlust von Kaufkraft die Abwanderung und Abwerbung von Fachkräften aus der Region“

Die Umfrage wurde von den Handwerkskammern Cottbus und Dresden durchgeführt. Der Willen der Handwerksmeister, steht also im direkten Widerspruch zu den Positionen der Handwerkskammern.

Handwerkskammern stehen im Widerspruch zu ihren Mitgliedern

>>Handwerkskammer Cottbus<<

„Neben den praktischen Empfehlungen an die Politik ist für die Kammern die Forderung an den Bund, den Braunkohleausstieg finanziell langfristig mit mindestens 40 Milliarden Euro zu unterstützen, die Voraussetzung dafür, dass der Strukturwandel gelingt. „Der Bund will aus Klimaschutzgründen diesen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung und sollte deshalb die finanziellen Lasten des Ausstiegs auch selbst tragen“, betonte der Präsident der Handwerkskammer Halle (Saale), Thomas Keindorf.“

Handwerkskammern versus Handwerksmeister

Ob diese Aussage die Handwerksmeister unterschreiben? Das dürfte wohl eher fraglich sein. Nichtsdestotrotz, die Mitgliedschaft in der Handwerkskammer ist keineswegs freiwillig: Ähnlich wie der Rundfunkbeitrag, erfolgt die Mitgliedschaft vor allem durch Zwang. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Kammern mehrheitlich an den Lippen der hohen Politik hängen. Bedeutet also ganz Praktisch: Die Interessen der Lausitzer Handwerksmeister werden großenteils einfach übergangen, teilweise sogar ignoriert.

Die übergangenen Lausitzer Handwerksmeister

>>Oliver Holtemöller<<

„Die Vergangenheit zeigt, dass es dem Staat selten gelingt, die Entstehung neuer Arbeitsplätze effizient zu fördern. Schauen Sie sich zum Beispiel die Solarindustrie in Sachsen-Anhalt an: Hier sind viele Subventionen verpufft. Wenn der Staat subventioniert, sind die Unternehmen oft nur so lange vor Ort, wie das staatliche Geld fließt.“

Subventionen: „Unternehmen oft nur so lange vor Ort wie das staatliche Geld fließt“

Es sind auch kaum „Positiv-Beispiele“ bekannt, wo durch staatliche Eingriffe nachhaltig Arbeitsplätze geschaffen wurden. Die Windkraft durchlebt ein vergleichbares Schicksal: Nach Auslaufen der Förderprogramme, wandern die allermeisten Anlagen auf die Mülldeponie. Viel Steuergeld fließt also in unbrauchbaren Flatterstrom und kompliziert zu entsorgenden Sondermüll.

Wirtschaftsförderung: Milliarden an Steuergeld für komplizierten Sondermüll

So richtig glaubt indes niemand an die „Blühenden Landschaften 2.0“ für die Lausitz. Das Leibniz-Institut rechnet damit, dass ungefähr 2.500 Menschen die Region Aufgrund von Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit verlassen könnten. Sollte die Leag als Hochlohn-Arbeitgeber wegfallen, steigt der Lohndruck auf die übrigen Beschäftigten. Kurzum: Steigende Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne und Abwanderung. Im Gespräch sind bereits Wegzugsprämien oder das ganze Gebiete einfach aufgeben werden. Die Skepsis vieler Handwerksbetriebe ist also durchaus berechtigt.

 

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