Unter der Oberfläche: Die unscheinbaren Fronten des Narco-Kriegs in Deutschland

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Wilder Schießereien auf offener Straße, wo kriminelle Banden ihre „Revier-Streitigkeiten“ austragen? Ungeklärte Auftragsmorde die unter strenger Geheimhaltung laufen? Eine Polizei die gezielt unterwandert wird? Das alles klingt zunächst nach einen gescheiterten Staat am anderen Ende der Welt: Tatsächlich spielen sich solche Ereignisse auch hierzulande ab. Ein Blick nach Mexiko zeigt: Wohin die Reise letztlich gehen könnte.

„Sprechen die Menschen so selbstverständlich vom Ersten oder Zweiten Drogenkrieg“

>> Narco Wars: Der globale Drogenkrieg von Martin Specht (Buch) <<

„In Medellín sprechen die Menschen so selbstverständlich vom Ersten oder Zweiten Drogenkrieg, wie Europäer vom Ersten oder Zweiten Weltkrieg. »Meine Tochter wurde vor dem Ersten Drogenkrieg geboren«, sagt eine ältere Frau zu mir, mit der ich mich unterhalte, während ich auf den Bus warte. Das Medellín-Kartell – allen voran Pablo Escobar – hatte diese Stadt in den 1980er- und zu Beginn der 1990er-Jahre wiederholt zum Schlachtfeld gemacht. Seit Mitte der 1970er-Jahre profitierten viele Einwohner Medellíns von dem neuen Reichtum der Drogenhändler. Große Summen wurden in der Stadt investiert, durchaus auch in legale Unternehmen. Die lokale Wirtschaft erlebte einen Aufschwung. Pablo Escobar – immer auf seinen Ruf als sozialer Wohltäter bedacht – ließ auf eigene Kosten Schulen, Kliniken und Sportplätze samt Beleuchtung in den ärmeren Vierteln bauen.

„Dem neuen Reichtum der Drogenhändler“

Als die Stadtverwaltung eine von den Bewohnern illegal errichtete Siedlung kurzerhand abreißen ließ und diese sprichwörtlich auf der Straße standen, baute Escobar den Obdachlosen neue Häuser an einer anderen Stelle. Das Viertel erhielt den Namen »Barrio Pablo Escobar«. Im Jahr 1978 wurde Pablo Escobar in den Stadtrat von Medellín gewählt und wurde Herausgeber einer Lokalzeitung (Medellín Civico). Die Drogenhändler nahmen so viel Geld ein, dass sie mit dem Zählen nicht mehr nachkamen. Stapel von Dollarscheinen wurden einfach gewogen und irgendwo abgestellt.“

„Die Drogenhändler nahmen so viel Geld ein – Dass sie mit dem Zählen nicht mehr nachkamen“ 

Das große Drogenbosse ihre Geld nicht zählen, sondern stattdessen wiegen: Das ist beileibe nicht ungewöhnliches: Zumal viele Währungen – inklusive des US-Dollars – keinen allzu großen Wert haben.

Wenn bekannte Drogenbosse eigene Zeitungen herausgeben

Doch wenn stadtbekannte Drogenbosse sich zu Herausgebern von Zeitungen, sozialen Wohltätern und sogar zu Größen in der Politik aufschwingen: Dann mag das in Teilen von Europa für einige Verwunderung sorgen. Aber bei näherer Betrachtung widerum auch nicht.

Wie sich die italienische Mafia in die Deutsche Politik einkauft

Denn große Teile des Gewinns von internationalen Drogenhandels fließen in die legale Wirtschaft zurück und üben von dort aus Einfluss auf die Politik aus: Auch wenn sie nicht gleich – wie im Mexiko – einem Bürgermeister stellen. Beispielsweise gilt es als offenes Geheimnis, dass die italienische Mafia mit diversen Immobilien-Geschäften in Deutschland ihr Geld wäscht: Auf diese Weise kauft sie indirekt auch die Gunst der örtlichen Politiker ein: Denn mit Geld der „ehrenwerten Gesellschaft“ kommt auch Wohlstand in die Region und dafür sind viele Beteiligte bereit, auch mal nicht so genau hinzusehen.

Kritiker dieser neuen „ehrenwerten Politik“ leben gefährlich

So entsteht ganz schnell ein selbst laufender Mechanismus und die Kritiker dieser neuen „ehrenwerten Politik“ stehen dann plötzlich als Feinde da.

Mexiko: Wie Bürgermeister plötzlich zu Reichtum kommen

>>Jagd auf El Chapo von Andrew Hogan (Buch) <<

„Meza Ortiz selbst streitet alle Verbindungen zum Drogengeschäft ab. Einige Bürger Badiraguatos lamentieren aber insgeheim über die Tatsache, dass ihr Bürgermeister, der 650 000 Peso (46 000 US-Dollar) verdient, einen BMW fährt und in einer bewachten und gesicherten zweigeschossigen Villa residiert, die jedem Narco gut zu Gesicht stünde. Und das, obwohl Badiraguato zu den zweihundert ärmsten Gemeinden Mexikos zählt.“

Narco: Wenn sich kriminelle Banden in die Politik einkaufen

>>Jagd auf El Chapo von Andrew Hogan (Buch) <<

„Tatsächlich aber ist dafür das Bild, das Badiraguato beim Besucher hinterlässt, einigermaßen surreal. Anstelle der ungepflasterten Wege, der Häuser ohne Fußböden und der verfallenden öffentlichen Gebäude, die in gewisser Weise typisch für die ländlichen mexikanischen Dörfer sind, findet man hier saubere, gut beleuchtete und frisch asphaltierte Straßen, in denen SUVs und andere Luxusfahrzeuge verkehren. Die Mehrzahl der Bürger ist stilvoll und modisch gekleidet, viel zu gut eigentlich für ein verarmtes mexikanisches Bergdorf.“

Das Wort „Narco“ steht für jeden der vom Drogenhandel profitiert

Das Wort „Narco“ steht für jeden der vom Drogenhandel profitiert: Also von einfachen Kurier, über bestechliche Polizisten und Politiker bis hin zum Kartellboss selbst. Es gibt deutschen Sprache kein vergleichbares Wort. Denn die Grenzen der organisierten Kriminalität sind keineswegs fest in Beton gegossen, sondern verlaufen vielmehr Fließend.

Kriminalität und plötzlicher Reichtum: Jeder kann sich seinem Teil denken: Aber niemals laut aussprechen

Wenn der Bürgermeister eines kleinen verarmten mexikanischen Bergdorfes wie ein feudaler König residiert: Dann kann sich jeder seinem Teil denken, aber besser niemals laut aussprechen. Denn zu Wahrheit gehört eben auch, dass sich die Drogenbanden in ständiger Kriegspräsenz befinden. Kritiker dieses Gebaren werden im Schnellverfahren hingerichtet: Die regierenden Drogenbosse lassen meist keine Kritik zu, was dort allgemein als „innere Sicherheit“ verstanden wird. Auch Polizisten die auf der „falschen Seite“ stehen, finden sich ganz schnell im Kugelhagel wieder. Zu allen Überfluss bekriegen sich die örtlichen Drogenbanden auch untereinander, was man dort als „äußere Sicherheit“ verstehen könnte.

Deutschland: Wilde Schießereien auf offener Straße und die unterwanderte Polizei

Sicherlich mag Mexiko fern sein: Allerdings Ansätze dieser Entwicklung sind auch hier zu beobachten. Auch die Deutsche Polizei wird offenbar bereits gezielt unterwandert. Kriminellen Banden waschen ihr Geld in Deutschland und kaufen sich so die Gunst der Politik ein. Sogar Schießereien unter einzelnen Bandenmitgliedern auf offener Straße gehören mittlerweile zur Tagesordnung dazu.

„Schießerei in Cottbus wird der Bandenkriminalität zugeordnet“

>>Niederlausitz Aktuell<<

„Schießerei in Cottbus wird der Bandenkriminalität zugeordnet“

„Getöteten um Mitglieder einer Mafia aus Montenegro“ – Ein Auftragsmord?

>>Berliner Morgenpost<<

„Die Obduktion habe ergeben, dass die Männer durch Schüsse getötet wurden, teilte die Behörde mit. Zudem stehe ihre Identität fest. Ob es sich bei den Getöteten um Mitglieder einer Mafia aus Montenegro gehandelt habe, wie dortige Zeitungen berichtet hatten, dazu teilte die Staatsanwaltschaft nichts mit.“

Ein möglicher Auftragsmord und das vielsagende Schweigen der Staatsanwaltschaft

Bei näherer Betrachtung  zeigt sich: Das Mexiko offenbar doch nicht so Fern ist. Offizielle Stellen schweigen sich zu einem Auftragsmord aus und die Details muss der geneigte Leser dann aus der Auslandspresse erfahren. Zustände, die eigentlich nur aus Entwicklungsländern bekannt sein sollten. Außerdem ist die Berichterstattung hierüber ohnehin nicht allzu frei. Denn so „Anonym“ wie viele vielleicht annehmen möchten, agieren die Drogenbanden überhaupt nicht. Ihre Hinrichtungen werden häufig gefilmt und auf einschlägigen Seiten ins Netz gestellt. Aber solche „gewaltverherrlichen Videosdürfen nicht gezeigt werden, obwohl sie nur die ungefilterte Seite des „Narco-Problems“ aufzeigen.

 

–W E R Β U Ν G–

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