Vollkommen fremde Welten: Zwischen teuren Strompreisen & öffentlichen Inszenierungen

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Grünwelt Energie stellt die Energieversorgung ein. – Gemeint ist damit nicht die politisch-gewollte Energiewende, sondern der Stromanbieter Grünwelt Energie. Steigende Strompreise lassen nicht nur Stromkunden, sondern auch Stromanbieter verzweifeln. Zeitgleich ist die hohe Politik mit ganz anderen Sorgen beschäftigt. Wie lassen sich Milliardensummen an Steuergeld irgendwie unter bringen und wie kann ein Behördenchef optimal medial dargestellt werden? – Zwei vollkommen fremde Welten könnten kaum weiter auseinander liegen.

„BAFA-Chef im Porträt“ – Die neue Form des Personenkults? 

>>Staatsfunk „Mitteldeutsche Rundfunk “ <<

„BAFA-Chef im Porträt – Der Behördenchef sitzt mit weißem Hemd und schwarz-grauer Krawatte auf einem Polsterstuhl und zählt auf: „Also allein in den ersten elf Monaten dieses Jahres haben wir 5,1 Milliarden Euro an Fördermitteln ausgereicht. … „

„Behördenchef sitzt mit weißem Hemd und schwarz-grauer Krawatte auf einem Polsterstuhl“

Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk will selbst nicht als „Staatsfunk“ bezeichnet sehen, aber er liefert in regelmäßigen Abständen eindrucksvolle Beweise ab: Welchen anderen Zweck soll dieser Artikel eigentlich verfolgen? Immerhin sagt die Dachzeile eigentlich schon alles aus: „BAFA-Chef im Porträt“ – In einem gefühlt endlos-langen Artikel wird ein Loblied auf irgendeinen Behördenleiter gesunken.

„Vorbehalt der Versorgungssicherheit“ – Bei welchen Strompreis soll dieses Gesetz greifen?

Wenigstens lässt es Schlüsse auf deren inneren Verfasstheit zu: Es wird mit Unsummen nur um sich geworfen und die Protagonisten gehen in ihrer Rolle regelrecht auf. Die berechtige Frage: Woher das viele Geld her komme? – Die wurde weder gestellt, noch beantwortet. Die steuerzahlende Bevölkerung hat als nennenswerte Größe jede Erwähnung verloren.

„5.000 Behörden-Jobs in den strukturschwachen Regionen des Ostens anzusiedeln“

>>Staatsfunk „Mitteldeutsche Rundfunk“ <<

„Die alte Bundesregierung habe versprochen, 5.000 Behörden-Jobs in den strukturschwachen Regionen des Ostens anzusiedeln.“

Und wo sind die Industriearbeitsplätze geblieben?

Die Betonung ist auf das Verb „anzusiedeln“ gerichtet: Es werden demzufolge keine 5.000 Behörden-Arbeitsplätze neu geschaffen. Zumal solche „Arbeitsplätze“ für gewöhnlich unter ihresgleichen untereinander verteilt werden dürften: Die Biographien so mancher Familien sind hier selbsterklärend. Außerdem sind die Qualifikationen von Berufen des Lausitzer Reviers nur selten für solche Behörden-Arbeitsplätze geeignet. Es ist also interner Behörden-Medien-Kosmos der vornehmlich um sich selbst kreist. Nur in absoluten Ausnahmefällen wird beim Mitteldeutsche Rundfunk eine andere Perspektive aufgezeigt. Mit genau der selbe Regierungsmeinung tritt ebenso ein Landes-Energieminister hervor.

„Mit der Energiewende und dem Kohleausstieg werden die Lichter in der Lausitz ausgehen, ist unredlich“

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Kohleausstieg lässt Lichter nicht ausgehen – „Die Behauptung, mit der Energiewende und dem Kohleausstieg werden die Lichter in der Lausitz ausgehen, ist unredlich“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die Lausitz sei schon heute deutlich breiter aufgestellt und lasse sich nicht auf Braunkohle reduzieren. … widersprach der Behauptung, der Kohleausstieg gefährde die Energieversorgung Deutschlands. „Die Abschaltung von Kohlekraftwerken steht immer unter dem Vorbehalt der Versorgungssicherheit.“ Das sei im Energiewirtschaftsrecht so angelegt.“

„Die Abschaltung von Kohlekraftwerken steht immer unter dem Vorbehalt der Versorgungssicherheit“

Mit der Energiewende und dem Kohleausstieg werden die Lichter in der Lausitz ausgehen„- Dieser Behauptung muss der Minister wohl selbst aufgestellt haben, jedenfalls ließ sich keine andere Quelle ausfindig machen. Genauso scheint das besagte Gesetz über dem „Vorbehalt der Versorgungssicherheit“ noch weniger zu taugen. Wie genau lässt sich dieser „Vorbehalt“ rechtlich geltend machen? Wo soll die Obergrenze bei Stromausfällen und Energiepreisen liegen? Denn schließlich klettern nicht nur die Strompreise in immer neue ungekannte Höhen hinauf, sondern sogar manche Stromanbieter können die Preise immer schlechter weitergeben. Manche rutschen unverschuldet in die Insolvenz hinein und andere geben ihr Geschäftsfeld auf.

„Auch der eine oder andere Energieversorger gerät finanziell ins Straucheln“

>>Computer Bild<<

„Nicht nur Verbraucher zahlen mehr, auch der eine oder andere Energieversorger gerät finanziell ins Straucheln. Manche gehen insolvent, andere entwischen der Pleite gerade so, ziehen aber die Reißleine und geben das Geschäftsfeld auf.“

Energieversorger: „Geben das Geschäftsfeld auf“

Nichtsdestotrotz kann die Bundesnetzagentur beschwichtigen. Schließlich geht die Energieversorgung weiter und niemand muss in dunklen sitzen.

„Wenn Ihr Lieferant insolvent ist oder der Netzbetreiber ihm die Netznutzung verweigert“

>>Bundesnetzagentur<<

„Wenn Ihr Lieferant insolvent ist oder der Netzbetreiber ihm die Netznutzung verweigert, müssen Sie sich um Ihre Energieversorgung keine Sorgen machen.“

Wer kann sich die teure Grundversorgung noch leisten?

Jedoch handelt es sich hierbei nur um die halbe Wahrheit. Sogar die Grundversorger haben massive Probleme ihre Kunden mit Strom zu beliefern. Teilweise lassen sich die Mengen an Strom kaum noch auftreiben oder es müssen astronomische Preise an der Börse gezahlt werden. Diese exorbitanten Preissteigerungen tauchen dann auf der Stromrechnung auf.

„Strompreise an der Börse sind so hoch wie nie“

>>Chip<<

„Wer im Grundversorgergebiet der Stadtwerke Osnabrück wohnt, hat ein finanzielles Problem, wenn sein Stromanbieter den Betrieb eingestellt hat. So übernehmen die Stadtwerke Osnabrück zwar die Belieferung von etwa 1.400 ehemaligen Stromio-Kunden mittels Ersatzversorgung, ächzen aber unter der Last. Denn während sich in anderen Branchen jede Firma über Neukunden freut, versucht jeder Stromanbieter derzeit, Neukunden zu vermeiden. Denn die Strompreise an der Börse sind so hoch wie nie. Muss für neue Kunden kurzfristig neuer Strom besorgt werden, geht das ins Geld. Die Folge: Die Strompreise für Sie als Endkunden schießen in die Höhe.“

„Strompreise für Sie als Endkunden schießen in die Höhe“

Gerade einkommensschwache Menschen könnten – anders als der Minister behauptet – ganz schnell im Dunkeln sitzen. Nützliche Informationen kann der „Ratgeber zur Stromsperrunggeben. Alles in allen wird deutlich: Wie weit irgendwelche politischen Aussagen und Gesetze von gelebten Realität entfernt zu seien scheinen.