Vergangenheit und Neuzeit: Falschnachrichten und Meinungspolizei

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Wie keiner anderen Einwanderergruppe wurde es den Deutschen von den Englisch sprechenden Amerikanern leicht gemacht, in Amerika eine neue Heimat zu finden. So breiteten sie sich über das ganze Land aus. Deutsche Inseln, wie sie zwischen Milwaukee, Cincinnati und St. Louis, dem sogenannten German Belt, entstanden, blieben die Ausnahme. Um 1900 bildeten Deutschstämmige die größte, angesehenste und am besten organisierte fremdsprachige Ethnie in den USA mit eigenen Zeitungen und einem breiten Kulturleben. Dennoch verstanden sich die Deutschen als Amerikaner.“ Dieses gute Verhältnis, änderte sich radikal mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg.

>>Amerikas Schattenkrieger von Eva C. Schweitzer (Buch) <<

„Damals gab es Millionen von deutschstämmigen Amerikanern, die fast alle gegen einen Kriegseintritt waren und erst recht dagegen, zwangsverpflichtet zu werden. Nun setzte – wie es Kirschbaum beschreibt – eine beispiellose Kampagne gegen alles Deutsche ein, die von Creel gelenkt wurde. Patriotische Amerikaner nannten Sauerkraut nun »Liberty Cabbage«— Freiheitskohl –, Frankfurter Würstchen hießen »Liberty Sausages«, und ein Hamburger war plötzlich ein »Liberty Steak«. Deutsche Schäferhunde, German Shepherds, mutierten zu »Police Dogs«, und aus Dackeln, Dachshunds, wurden »Liberty Dogs« (die gelegentlich von erbosten Patrioten mit Steinen beworfen wurden). Im ganzen Land war das Freiheitsfieber ausgebrochen, ähnlich wie Jahrzehnte später während des Irakkriegs, als in der Cafeteria des US-Kongresses und in vielen Restaurants »French Fries« in »Freedom Fries« umbenannt wurden. Lutherische Pfarrer, die deutsch predigten, wurden geteert und gefedert. Immigranten, die als Spione verdächtigt wurden oder sich weigerten, Liberty Bonds zu zeichnen, wurden ertränkt, erhängt oder totgeschlagen. Deutsche Zeitungen sowie die Werke von Goethe und Schiller, Kant und Schopenhauer wurden verboten, deutsche Büchereien geschlossen und deutsche Schulbücher auf offener Straße verbrannt. In einem Theater in Milwaukee verhinderten Bürgerwehren mit Maschinengewehren, dass Wilhelm Tell von Friedrich Schiller aufgeführt wurde. In vielen Staaten wurde der Deutschunterricht an Schulen und Universitäten eliminiert. Universitätsprofessoren, die deutsch lehrten, wurden verhaftet. Zehntausende Deutsch-Amerikaner landeten in Internierungslagern, auch Musiker, die Werke von Bach, Mozart und Beethoven spielten. Einer von ihnen war Frederick A. Stock, der Dirigent des Chicago Symphony Orchestra, ein anderer Karl Muck, der Dirigent des Boston Symphony Orchestra, der mit 29 Mitgliedern seines Orchesters eingeliefert wurde. Die Los Angeles Times verlangte, deutsche Musik zu verbieten. »Alle deutsche Musik ist gefährlich; sie predigt die gleiche Philosophie – oder eher Rabulistik – wie deutsche Literatur. Es ist die Musik der Eroberung, des Sturms, der Unordnung, der Zerstörung. Sie symbolisiert weder Sonnenstrahlen und Gänseblümchen noch die Glocken der Kathedrale, die Glaubende zum Gebet rufen. Sie ist vielmehr eine Kombination aus dem Heulen des Höhlenmenschen und dem Brüllen des Nordwinds«, schrieb das Blatt. In Illinois wurde ein Immigrant namens Robert Paul Prager gelyncht; seine Mörder wurden freigesprochen – für die Washington Post war der Mord Zeichen eines »gesunden, erbaulichen Erwachens«. Das Life Magazine veröffentlichte eine Karte, die Amerika als »New Prussia« zeigte – mit »New Berlin«, »Kruppsburg«, »Traumburg«, »Heidelbergapolis«, »Omahoch«, »Goetterdaemmerungsham«, »Kaiserkase«, »Wilhelmplatz« und »Wienerschnitzelplatz«, während die Amerikaner in einer Reservation lebten, etwa dort, wo heute die Apachen leben. Das Ziel war, »Kultur« – mit großem K geschrieben – in Amerika auszulöschen. »Deutsche Kultur hat Auswirkungen, die in den Herzen und Gedanken unserer Menschen genauso bekämpft werden müssen wie an der Front«, schrieb Creel 1920 in seinen Erinnerungen How We Advertised America. … Kurz nach dem Kriegseintritt der USA legte Woodrow Wilson dem Kongress ein Zensurgesetz vor. Es scheiterte zunächst an den Republikanern, aber an seiner statt wurde am 15. Juni 1917 der »Espionage Act« beschlossen. Der verbot es der US-Presse, Einfluss auf die Tätigkeit des Militärs und auf die Rekrutierung zu nehmen. Das schloss das Verbot ein, Falschmeldungen zu drucken oder sich für Feinde der USA einzusetzen; Redakteure, die dagegen verstießen, konnten dafür sogar mit dem Tod bestraft werden. Die staatliche Post der USA wurde befugt, die Beförderung pazifistischer Publikationen zu verweigern. Mit diesem Gesetz konnte Creel die deutschsprachige Presse kontrollieren, die verdächtigt wurde, Sympathien für den Feind zu hegen (deutschsprachige Zeitungen brachten noch immer keine Artikel über abgehackte belgische Babyhände). Noch unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg gab es in den USA laut Erik Kirschbaum (Burning Beethoven) fast 500 deutschsprachige Zeitungen mit einer Gesamtauflage von 3,4 Millionen. Creel forderte nun, deren Artikel zuvor ins Englische zu übersetzen und bei der Zensurabteilung des CPI einzureichen. »Das konnten viele sich nicht leisten und mussten aufgeben«, schreibt Kirschbaum. Und so unterstützten bald alle deutschsprachigen Blätter den Krieg, mit Ausnahme der sozialistischen Zeitungen. Aber die englischsprachige Konkurrenz blieb misstrauisch. Sie warf den Deutschen vor, nicht begeistert genug über amerikanische Siege zu schreiben, die Hunnen nicht negativ genug darzustellen und den Kauf von Liberty Bonds zu hintertreiben. »Unter dem Mantel der Loyalität verbreiteten die deutschen Zeitungen Propaganda«, warnte Atlantic Monthly und fragte: »Was können wir dagegen tun?« Nun, die Amerikaner ließen sich einiges einfallen. Postler warfen deutsche Zeitungen weg, statt sie auszuliefern, Lehrer verboten ihren Schülern, für deutsche Zeitungen als Botenjunge zu jobben, Anzeigenkunden drohten mit Boykott, und Redakteure wurden auf der Straße angepöbelt und bespuckt. Pfadfinder veranstalteten nächtliche Verbrennungen von deutschsprachigen Publikationen. Und Theodore Roosevelt verlangte gar, deutsche Zeitungen gleich ganz zu verbieten. Was in vielen Städten auch geschah. Zahlreiche Journalisten kamen in Internierungslager, wie Fritz Bergmeier, der Chefredakteur der St. Paul Volkszeitung in Minnesota, oder Jeremiah O’Leary, Chefredakteur des Magazins Bull.“

 

>>Staatsfunk „Tagesschau“<<

„Ausgeklügelt“, „sorgfältig orchestriert“ – und „regierungsgestützt“ – EU-Sicherheitskommissar King hat Russland eine massive Fake-News-Kampagne vorgeworfen. Dagegen müsse sich Europa wehren. Die EU-Kommission hat der russischen Regierung erneut vorgeworfen, gezielt Falschmeldungen in Europa zu verbreiten. „Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass wir es gegenwärtig mit einer ausgeklügelten, sorgfältig orchestrierten regierungsgestützten pro-russischen Desinformationskampagne zu tun haben“, schreibt Sicherheitskommissar Julian King in einem Meinungsbeitrag für die „Welt“. Das russische Militär sehe das Internet offenbar „als ein neues Einsatzgebiet“, in dem Falschinformationen als Waffe eingesetzt würden.“

Die heutigen Entwicklungen sind beileibe nicht den moderner Zeitgeist geschuldet. Denn viele Geschehnisse sind schon einmal aufgetreten.

 

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