Wie Finanz-Heuschrecken Unternehmen plündern

Screenshot vimeo.com

Einige Investoren suchen gezielt das schnelle Geld. Kein Glücksspiel durch eine risikoreiche Geldanlage, sondern das Geschäftsmodel läuft auf etwas ganz anderes hinaus. Historisch gewachsene Unternehmen bestehend aus Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten werden zerschlagen, um maximalen Profite daraus zu ziehen. Teilweise wird der Vergleich mit einer Heuschreckenplage gebraucht.

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„Die Heuschrecke ist das inoffizielle Maskottchen des Staates Nebraska, der sich selbst als den »Bugeater State« bezeichnet. Lange bevor die Footballmannschaft der University of Nebraska den Namen »Cornhuskers« annahm, nannte sie sich zu Ehren ihrer fliegenden Gäste »The Bugeaters«. Footballfans aus Nebraska nennen sich heute noch informell Bugeaters. Heuschrecken lieben die Trockenheit und sie tragen zur Bodenerosion bei, indem sie jede lebende Pflanze bis auf den blanken Boden abnagen. Die in den USA von 1934-1938 durch Heuschrecken verursachten Kosten wurden auf 315,8 Millionen Dollar geschätzt (zum Dollarkurs von 2007 etwa 4,7 Milliarden). Die Region mit Nebraska, North und South Dakota, Kansas und Iowa war das Epizentrum der Heuschreckenplage.“

 

>>Manager Magazin<<

„Mit der Bezeichnung „Heuschreckenschwärme“ hatte SPD-Chef Franz Müntefering in einer aktuellen Stunde des Bundestages die Kapitalismusdebatte angeheizt. Um Widerspruch aus den eigenen Reihen zu begegnen, nannte er in einem internen Papier konkrete Namen. Hamburg – In dem Hintergrundpapier der Planungsgruppe der SPD-Bundestagsfraktion, das Stern.de vorliegt, richtet Müntefering seine Kritik vor allem gegen die US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR). Sie hatte 1999 zusammen mit der US-Bank Goldman Sachs den Elektronik- und Geldautomatenhersteller Siemens-Nixdorf übernommen und 2004 an die Börse gebracht. Von dem Erlös durch den Börsengang in Höhe von 350 Millionen Euro blieben der Firma selbst aber nur 125 Millionen, den Rest von 225 Millionen steckte unter anderem KKR ein. In den Jahren zwischen Übernahme und Börsengang ließen sich die Gesellschafter zudem Beteiligungen von 160 Millionen Euro auszahlen. Ein anderes Opfer von KKR sei der Hersteller von Kommunikationsprodukten Tenovis. Noch Ende 2002 hätten die Mitarbeiter auf 12,5 Prozent ihres Lohnes verzichtet, um ihre Arbeitsplätze für mindestens ein Jahr zu retten. Im Sommer 2003 aber habe Tenovis fast die Hälfte der Mitarbeiter entlassen. Das SPD-Papier nenne viele weitere „Heuschrecken“, berichtet Stern.de weiter.“

 

>>Spiegel<<

„Der Finanzinvestor Cerberus übernimmt 80,1 Prozent an Chrysler, für insgesamt 5,5 Milliarden Euro. Das teilte DaimlerChrysler Chart zeigen heute mit. … In allen Punkten habe sich Cerberus besser dargestellt als andere Bieter – „nicht unglaublich besser, aber klar besser“. Der Dachverband der Kritischen Aktionäre protestierte gegen die Verkaufsentscheidung, weil DaimlerChrysler das Angebot der Chrysler-Mitarbeiter ausgeschlagen hatte. Die rund 80.000 Chrysler-Beschäftigten in den USA hatten das Unternehmen selbst kaufen und sanieren wollen. Dem Verband zufolge ist der heute bekannt gegebene Deal „absolut unverständlich“, denn die Mitarbeiter verfügten über enorme finanzielle Rückendeckung und könnten mit einem Gebot von bis zu 6,3 Milliarden Euro deutlich über die bisher genannte Kaufsumme gehen. Mit Cerberus dagegen sei der „Weg zu weiteren Massenentlassungen und Werksschließungen vorgezeichnet“. So sollten 30.000 Arbeitsplätze gestrichen, fünf Werke geschlossen und das Jeep-Werk in Toledo verkauft werden.“

 

>>n-tv<<

„Anpirschen, angreifen, kassieren“Heuschrecken“ wildern in Deutschland … Solche „Super-Heuschrecken“ suchen vermeintlich unterbewertete Firmen, um ihnen auf die Sprünge zu helfen. Die Attacken auszusitzen und darauf zu hoffen, dass sich die Fonds von selbst wieder trollen, sei keine Option, sagen die Berater. „Es wird keine Aktivisten-Welle geben, aber doch eine kontinuierliche Zunahme von Fällen“, sagt Christian Kames, Investmentbanking-Chef von Citi in Deutschland. … An Bilfinger hält Cevian mit 25 Prozent ungewöhnlich viel für einen Aktivisten und stellt mit Eckhard Cordes den Aufsichtsratschef. Dennoch ist aus der Wertsteigerung bisher nichts geworden. Von der angepeilten Verdoppelung des Einsatzes ist der Fonds weit entfernt.“

Es sind zahlreiche Fonds oder vergleichbare unternehmerische Gebilde – weltweit – unterwegs, die sich auf dieses Geschäftsgebaren spezialisiert haben: Nachdem alles von Wert in einen übernommenen Unternehmen verkauft, massenweise Arbeitsplätze vernichtet und satte Gewinne eingestrichen wurden kassieren die „Manager“ ihre „üblichen“ Vergütungen und ziehen schlussendlich weiter. Der Vergleich mit „Heuschreckenschwärmen“ trifft es eigentlich am ehesten.

 

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