Arbeitsbeschaffungsmaßnahme-Armee: „Bürger in Uniform“ versus „Prekarier in Uniform“

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Was ist das Selbstverständnis der Bundeswehr?“ – Diese Frage scheint der Bundeswehr selbst sehr wichtig zu sein: Immerhin wird für die Beantwortung dieser Fragestellung eine ganze Serie von Artikel gewidmet. Dennoch: So wirklich ist man nach der Lektüre auch nicht schlauer. Die Soldaten selbst – insbesondere die niedrigen Mannschaftsränge – dürfen freilich nicht zu Wort kommen. Dabei sagt die Herkunft der allermeisten Soldaten eigentlich schon alles aus.

„Die Unterschicht übernimmt die Landesverteidigung“

>>Welt<<

„Die Unterschicht übernimmt die Landesverteidigung – Was bisher als „Bürger in Uniform“ galt, also die breite Mittelschicht der deutschen Gesellschaft, wird die Uniform auf absehbare Zeit nicht mehr anziehen. Wohl aber die Unterschicht. Also gilt nicht mehr „Bürger in Uniform“, sondern „Prekarier in Uniform“. Gewiss, das ist überspitzt, aber im Kern richtig.“

„Prekarier in Uniform“ – „Gewiss, das ist überspitzt, aber im Kern richtig“

Mag vielleicht eine zynische Umschreibung sein, aber die Richtigkeit wird wohl niemand abstreiten wollen. Gerade die niederen Mannschaftsränge kommen überproportional viele Soldaten aus den strukturschwachen Ostdeutschland her.

„Junge Ostdeutsche sind überproportional in der Bundeswehr vertreten“

>>Schweriner Volkszeitung<<

„Junge Ostdeutsche sind überproportional in der Bundeswehr vertreten, melden sich öfter zu Auslandseinsätzen – und werden dort häufiger Opfer von Anschlägen. Der Wandel der Armee zeigt sich zudem in den Kasernen. Ganze Standorte werden bereits von ostdeutschen Soldaten geprägt.“

„Ganze Standorte werden bereits von ostdeutschen Soldaten geprägt“

Doch dieses Tatsache will sich dummerweise nicht so richtig in das offizielleSelbstverständnis der Bundeswehr“ einfügen. Mangels beruflicher Perspektiven haben offenbar viele Soldaten bei der Bundeswehr unterschrieben. Zumindest sollte innere Überzeugung doch irgendwie anders aussehen. Immerhin hat die Bundeswehr das Problem erkannt und darauf reagiert: Es werden einfach keine Zahlen mehr zum Thema veröffentlicht.

„Bundestagsabgeordnete bekommen seit Jahren Fragen nach der Ost-West-Herkunft von Soldaten nicht mehr beantwortet“

>>Redaktionsnetzwerk Deutschland<<

„Der verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, … beklagt allerdings, dass die Zahl nicht aussagekräftig sei. „Bundestagsabgeordnete bekommen seit Jahren Fragen nach der Ost-West-Herkunft von Soldaten nicht mehr beantwortet“, sagte er dem RND.“

„Die Ost-West-Herkunft von Soldaten wird einfach totgeschwiegen“

Problem gelöst: Die Ost-West-Herkunft von Soldaten wird einfach totgeschwiegen. Im Gelöbnis haben die dort tätigen Soldaten eigentlich etwas anderes geschworen: „Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe.“ – Das Auskunftsrecht der Abgeordneten scheint wohl bei der „Verteidigung des Rechts“ neuerdings nicht mehr Teil davon zu sein.

Und wenn Deutschland sich in der Europäischen Union auflöst?

Ohnehin sollte man das alles nicht so eng sehen. Laut Koalitionsvertrag soll sowieso Deutschland in der Europäischen Union aufgehen oder sich dazu hin entwickeln. – Überspitzt: Die Bundesrepublik Deutschland soll sich – laut Koalitionsvertrag – wie eine Brausetablette im EU-Wasserglas auflösen. Seitens der Bundeswehr wird es mit gleichgültigen Schulterzucken zur Kenntnis genommen. Nichtsdestotrotz gibt es auch positive Entwicklungen zu vermelden: Ihre Rolle als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme-Armee scheint sie mit neuen Stolz zu erfüllen.

Arbeitsbeschaffungsmaßnahme-Armee: „Soldaten statt Braunkohle“

>>Neues Deutschland<<

„Soldaten statt Braunkohle – Linkspartei kritisiert Aufstockung der Bundeswehr als Beitrag zum Strukturwandel in der Lausitz – Damit würden die Probleme der Abwanderung, der schlechten Infrastruktur, des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels in keinem Fall gelöst. Der Strukturwandel in der Lausitz brauche keine Soldaten, sondern Mitbestimmung vor Ort.“

„Aufstockung der Bundeswehr als Beitrag zum Strukturwandel in der Lausitz“

Die Beschäftigten im Lausitzer Revier sollten also ihre Unterschrift bei der Bundeswehr setzen, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Also mangels beruflicher Möglichkeiten sollen sich möglichst viele Menschen bei der Bundeswehr melden und das ist nun offizielles Regierungsprogramm.