Truppenabzug in der Lausitzkaserne & Neustationierung – Bundeswehr an der Arbeitslosenfront im Lausitzer Revier?

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Die Bundeswehr soll eine Unterschichtarmee sein? – Diesen ungeheuerlichen Vorwurf hat ein Verteidigungsminister entschieden zurückgewiesen: „Eine Beleidigung all jener Soldatinnen und Soldaten, die sich bereits jetzt für den Beruf entschieden haben und Soldaten auf Zeit sind … “ – Vielleicht wäre es hilfreich gewesen: Die betreffenden Soldaten einfach selbst zu Wort kommen zu lassen? Überspitzt: Männer gehen zur Armee in der Lausitz und wie sieht es mit dem Frauen aus?

Frauen: „Nur weg hier“- „Haben besseres vor mit ihrem Leben“

>>Frankfurter Allgemeine Zeitung<<

„Nur weg hier – In Scharen verlassen junge, gut ausgebildete Frauen den Osten der Republik. Sie wollen raus in die Welt, haben besseres vor mit ihrem Leben. Übrig bleiben die Männer. … Überall fehlen Menschen. Das bringt Probleme mit sich, … „

„Überall fehlen Menschen“

Grundsätzlich mag diese Tatsache richtig sein. Allerdings kann die behördliche Meldeadresse nur bedingt über die Lebensweise des Einzelnen eine Auskunft geben. Gerade die vielen Fernpendler haben – nach formalen Kriterien – die Lausitz nie wirklich verlassen: Selbstverständlich trifft das ebenso auf die vielen Soldaten zu. Die allermeisten Lausitzer dürften wegen der Perspektivlosigkeit die Region verlassen haben. Genauso wird es – im Gegensatz zum Verteidigungsminister – auch vom offizieller Stelle kommuniziert.

„Lausitz: Ministerin stellt Bataillonsstationierung in Aussicht“

>>Bundesministerium der Verteidigung<<

„Lausitz: Ministerin stellt Bataillonsstationierung in Aussicht – Wir wollen damit unseren Beitrag zur Bewältigung des Strukturwandels … Ich bin sehr froh über die Ansiedlung einer Bundeswehreinheit und die damit verbundene deutliche Aufwertung des Standortes.“

„Ansiedlung einer Bundeswehreinheit und die damit verbundene deutliche Aufwertung des Standortes“

Um der grassierenden Arbeitslosigkeit – respektive Strukturwandel – her zu werden: Dazu muss die Bundeswehr ran. Um auch den allerletzten Zweifel zu beseitigen, derjenige sollte einfach die Zeilen des staatlichen Rundfunks lesen.

„Stationierung des Truppenverbandes will die Bundeswehr auch in anderen Bereichen den Strukturwandel unterstützen“

>>Staatsfunk „Mitteldeutsche Rundfunk“ <<

„Neben der Stationierung des Truppenverbandes will die Bundeswehr auch in anderen Bereichen den Strukturwandel unterstützen. So sollen laut Angaben der Staatskanzlei vermehrt Qualifizierungsangebote bei der zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung der Bundeswehr in der Lausitz stattfinden. … Die Höhe der Bundeswehr-Investitionen für dieses Paket konnte die Bundesverteidigungsministerin noch nicht beziffern.“

Nicht-Thema des Staatlichen Rundfunks: Die fast geschlossene Lausitzkaserne

Die frohlockende Botschaft weist aber einige Schattenseiten auf. Die Bundeswehr kann nur Soldaten aus anderen Stützpunkten verlegen. Zwar kann sich jeder bei der Bundeswehr bewerben, aber dazu gehören fast immer lebensgefährliche Einsätze mit dazu und die Stationierung kann in der ganzen Republik erfolgen. Nicht einmal Wehrpflichtige konnten sich zu Zeiten der Wehrpflicht ihren Stationierungsort aussuchen.

Wirtschaftsaufschwung für die Lausitz: Erst Truppen abziehen und danach erneut stationieren?

Die übrigen zivilen Stellen dürfte am Standort recht überschaubar ausfallen: Die offizielle Stellungnahme will darüber überhaupt keine konkreten Angaben machen. Nichtzuletzt, Standorte können ganz schnell aufgelöst werden: Binnen weniger Jahre wurde der ostdeutsche Standort in Schneeberg ersatzlos aufgeben. Und nicht viel anders ist es der Lausitzkaserne ergangen.

„Nach dem letzten Zapfenstreich“ – Lausitzkaserne

>>Der Tagesspiegel<<

„Nach dem letzten Zapfenstreich: Wenn die Bundeswehr abzieht – Die Bundeswehr ist in Teilen Brandenburgs ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wo die Truppe abzieht, schwinden Jobs und Aufträge. … Verdächtig still ist es in der Lausitzkaserne. Der Wind rauscht durch die Bäume und Sträucher, die am Straßenrand wachsen. Sonst ist nichts zu hören.“

Lausitzkaserne: „Wenn die Bundeswehr abzieht“

In der Lausitzkaserne sind tatsächlich noch leibhaftige Soldaten anzutreffen, aber die ganze Szenarien kommt eher einer verlassenen Geisterstadt gleich. Die allermeisten Soldaten wurden schon vor langer Zeit abgezogen. Daher mutet das Unterfangen der Bundeswehr auf einem anderen Truppenübungsplatz – nur ein paar Kilometer entfernt – neue Truppenkontingente zu stationieren irgendwie abenteuerlich an. Denn in der Lausitzkaserne wären die Einrichtungen schon vorhanden, die man in Boxberg erst errichten will. Zumal sich die Frage aufdrängt: Worin genau nun der wirtschaftliche Aufschwung eigentlich bestehen soll?

„Armee der Armen, Abenteurer und Außenseiter verkommen“

Aber mit solchen Widersprüchlichkeiten muss sich kein Verteidigungsminister befassen, schließlich hat er schon deutlich gemacht: Die Bundeswehr sei keine Unterschichtarmee und jede gegenteilige Behauptung entschieden zurückgewiesen: „Eine Beleidigung all jener Soldatinnen und Soldaten, die sich bereits jetzt für den Beruf entschieden haben und Soldaten auf Zeit sind … “ – Allerdings sagt die eigene Bundeswehr-Universität da etwas anders aus.

„Die Unterschicht übernimmt die Landesverteidigung“

>>Wirtschafts Woche<<

„Befürchtungen, die Bundeswehr würde nach der Aussetzung der Wehrpflicht zu einer Armee der Armen, Abenteurer und Außenseiter verkommen – „Die Unterschicht übernimmt die Landesverteidigung“, so beschrieb Professor Michael Wolffsohn von der Bundeswehr-Universität München …“

„Es gehen die zum Militär, die keine andere Wahl haben“

>>Professor Michael Wolffsohn<<

„Es gehen die zum Militär, die keine andere Wahl haben. Sie kommen meist aus wirtschaftlich schwachen Regionen, vor allem aus Ostdeutschland, wo der zivile Arbeitsmarkt wenige Möglichkeiten bietet. Es ist ein Gerechtigkeitsproblem, wenn die Ärmsten zum Militär müssen. Was bei der Zweiklassenmedizin gebrandmarkt wird – wenn du arm bist, musst du früher sterben –, das wird hier übertragen auf die Sicherheitspolitik.“

„Gerechtigkeitsproblem“ – „Wenn die Ärmsten zum Militär müssen“

Das Problem der sogenannten „Unterschichtarmee“ wurde mittlerweile dauerhaft gelöst: Es werden einfach keinerlei Daten mehr zum Thema veröffentlicht, womit die ganze Debatte als offiziell „Beendet“ anzusehen ist. Vermutlich dürften die meisten Bundeswehrsoldaten aus ihrer sozialen Herkunft keinerlei Hehl machen, womit das ganze Thema wohl eher ein Oberschichtenproblem sei.

 

–W E R Β U Ν G–

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