„Eventualverbindlichkeiten“ – Können Kryptowährungen die Kreditwürdigkeit von Staaten in Gefahr bringen?

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Sicherlich dürfte an Warnungen vor Kryptowährungen kein Mangel herrschen. Meist lautet der Tenor: Der arme Bürger muss vor den gefährlichen Machenschaften von Kryptogeld geschützt werden. Die Fürsorge hat vermutlich schon viele Menschen zu Tränen gerührt.

Warnungen vor Kryptowährungen: Was wirklich hinter der staatlichen Fürsorge steckt

Zwar lässt sich hinter mancher Kryptowährung Fragezeichen setzen, aber meist geht es um Pauschalverurteilungen und hier sollte man – sinnbildlich – die Ohren spitzen.

Zentralbanken: „Hoch dotierten Jobs“ – „Deren Pfründe gleich in doppelter Hinsicht im Feuer stehen“

>>Welt<<

„Langfristig droht den Kryptos größere Gefahr – durch Institutionen, deren Pfründe gleich in doppelter Hinsicht im Feuer stehen. … Schwerer wiegt die von den Zentralbankern ausgehende Abtriebskraft. Ihnen sind Bitcoin und andere Kryptowährungen ein Dorn im Auge, weil sie das von ihnen gemanagte staatliche Geldmonopol infrage stellen. Würden private Kryptowährungen peu à peu das Kreditgeld ablösen, könnten sie die Geldschaffung nicht nur nicht mehr zur Konjunktursteuerung und Staatsfinanzierung einsetzen, sondern sie würden auch ihre hoch dotierten Jobs verlieren.“

„Würden private Kryptowährungen peu à peu das Kreditgeld ablösen“

Da Geldschöpfung und Geldtransfer bei Kryptowährungen dezentral laufen können ist eine staatliche Zentralbank – inklusive deren hoch dotierten Arbeitsplätze – faktisch überflüssig. Vermutlich dürfte dort der Kern des Problems liegen. In diesem Zusammenhang wird schon „das Ende des Staatesausgerufen.

„Was passiert wirklich, wenn sich der Bitcoin durchsetzt?“

>>Staatsfunk „Das Erste“ <<

„Was passiert wirklich, wenn sich der Bitcoin durchsetzt? – „Es ist gefährlich“, sagt Tom Hillenbrand. „Wenn wir es laufen lassen und nicht regulieren, dann kann es einen Point of no Return geben, wo es einfach alle benutzen – ob der Staat es will oder nicht. Und das ist gefährlich. Weil es dem Staat potenziell fast alle seine Handlungsmöglichkeiten nimmt. Wenn ein Staat keine Steuern erheben kann, dann gibt es keine Schulen mehr, keine Straßen, keine Armee. Das ist dann alles hinfällig. Also ein Staat, der keine Einnahmen mehr erheben kann: Das ist dann das Ende des Staates.“

Jon Danielsson:“Wenn sich Bitcoin schließlich durchsetzt, würde eine Handvoll Menschen das ganze Geld besitzen. Wir würden Ungerechtigkeit in einem Ausmaß sehen wie nie zuvor. Es wäre eine furchtbare Welt, in der wir dann leben würden, weil die extrem reichen Bitcoin-Aristokraten die gesamte Gesellschaft kontrollieren würden. Und das wäre keine Welt, in der ich leben wollte.“

„Wenn ein Staat keine Steuern erheben kann“

Dieses beschriebene Szenario würde aber die komplette Abwendung von staatlichen Geldmonopol voraussetzen, was ein sehr weit hergeholt klingt. Interessant ist aber ein anderer Punkt: Rein formal wurde bei der Euro-Einführung der Zentralbank die Finanzierung von Staaten untersagt. Mittlerweile hat sich die Staatsfinanzierung als Dauerzustand etabliert und genau an dieser Stelle kochen die Gemüter hoch. Es wird sogar eine „Gefahr für die Finanzstabilität“ herauf beschworen.

„Kryptowährungen noch enger an das allgemeine Finanzsystem koppeln und damit zu einer Gefahr für die Finanzstabilität werden“

>>Deutsche Bundesbank<<

„Der Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), … hat an die Zentralbanken appelliert, die Verknüpfungen zwischen Kryptowährungen und realen Währungen besonders in den Blick zu nehmen.“Wenn die Behörden nicht präventiv handeln, könnten sich Kryptowährungen noch enger an das allgemeine Finanzsystem koppeln und damit zu einer Gefahr für die Finanzstabilität werden“

„Behörden nicht präventiv handeln“

Es wird also offen gefordert: Kryptowährungen zu bekämpfen. Dabei ist die „Finanzstabilität“ nicht wirklich in Gefahr, sondern es stellt nur ein Risiko für das staatliche Geldmonopol dar. Und die aktive Bekämpfung von Kryptowährungen ist längst in der Praxis angekommen.

Eventualverbindlichkeiten: Warum hochverschuldete Staaten plötzlich ohne Sicherheiten dastehen können

>>Spiegel<<

„Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat El Salvador aufgefordert, der Digitalwährung Bitcoin den Status als gesetzliches Zahlungsmittel wieder zu entziehen. In einer Mitteilung von Dienstag betonte der IWF-Vorstand, mit der Verwendung von Bitcoin seien große Risiken verbunden – für die Finanzstabilität, die finanzielle Integrität und den Verbraucherschutz sowie die damit verbundenen steuerlichen Eventualverbindlichkeiten.“

Eventualverbindlichkeiten: Wenn die Bonität von Staaten in Gefahr ist

Auch hier wird die Finanzstabilität als Kriterium angeführt: Doch mit der Begrifflichkeit „Eventualverbindlichkeiten“ wird bereits Klartext geredet. Viele Staaten schleppen einem hohen Schuldenstand mit sich herum. Als praktische Sicherheit wird das Eintreiben von Steuern und das staatliche Geldmonopol angeführt. Bricht nun eine Säule teilweise weg, dann kann es zur Überschuldung von Staaten führen. Jedoch wurden die Staatsdefizite über viele Jahrzehnte angesammelt und all die Kredite wurden – im faktischen Glauben – die Schulden nie zurückzahlen zu müssen aufgenommen. Es ist also auf klassisches Misswirtschaft zurückzuführen.