Hydrokultur: Pflanzenaufzucht ohne Erde

Screenshot deavita.com

Hydrogewächshäuser genießen nach wie vor noch einen Exotenstatus. Jedoch für manche Pflanzenarten ist die Aufzucht – jenseits der Zierpflanzenzucht – bereits profitabel. Denn anders als bei der konventionellen Landwirtschaft, können die Parameter zum Pflanzenwachstum exakt bestimmt werden.

>>Chip<<

„Die Idee, Pflanzen ohne Erde anzubauen, ist keineswegs neu. Schon 1699 führte der englische Naturforscher John Woodward Experimente auf diesem Gebiet durch. Er versuchte zunächst, Pfefferminze zu züchten. In salzfreiem, destilliertem Wasser gingen die Pflanzen schnell ein, während sie in unbehandeltem Wasser ihr Wachstum fortsetzten. Woodward folgerte, dass die Minze bestimmte Stoffe aus dem Wasser zieht, die für das Wachstum der Pflanze notwendig sind. Heute ist allgemein bekannt, dass alle Pflanzen eine Reihe verschiedener Mineralien wie Kalzium (Ca), Eisen (Fe), Kalium (K), Magnesium (Mg), Phosphor (P) und Schwefel (S) benötigen. Die Stoffe nehmen sie über die Erde auf. Manche fleischfressenden Pflanzen wie die Venusfliegenfalle beziehen sie über die Körper ihrer Opfer. Damit die Nährstoffe übertragen werden können, muss in der Erde Wasser enthalten sein, da es die Mineralien im Boden auflöst und diese den Wurzeln überhaupt erst zugänglich macht. Erde allein ist also für das Pflanzenwachstum nicht zwingend erforderlich. Woodwards Versuche waren Anlass für viele weitere Betrachtungen, doch bis Anfang des 20. Jahrhunderts war diese Form der Pflanzenkultivierung ein Gebiet von rein theoretischem Interesse. In den Dreißigerjahren holte der US-Biologe William F.Gericke Hydrokulturen aus dem Labor in die Realität. Er war der Meinung, dass das Züchten von Pflanzen ohne Erde im großen Stil nicht nur möglich sei, sondern auch sehr sinnvoll. Seine Kollegen waren zunächst skeptisch, doch sie änderten ihre Meinung, als Gericke ihnen meterhohe Tomatensträucher in einer wässrigen Minerallösung präsentierte. Die University of California, an der er arbeitete, stellte ihm für seine experimentellen Treibhäuser sogar große Flächen zur Verfügung. Seine revolutionäre Methode wollte Gericke „Aquakultur“ nennen, doch der Begriff war bereits belegt: Er steht für die kontrollierte Aufzucht von Wasserorganismen wie Fischen oder Algen.Also führte er stattdessen das Wort Hydrokultur ein, das sich bis heute gehalten hat. Schließlich beschreibt es die Methodik, Pflanzen ausschließlich mit nährstoffreichen Lösungen statt mit Erde zu versorgen, sehr treffend.“

 

>>Unser Leben auf dem Mars von Stephen Petranek (Buch) <<

„Angelo Vermeulen, der Künstler und Biologe, der monatelang in einer simulierten Marsumgebung gelebt hat, sagt: »Persönlich bin ich nicht davon überzeugt, dass Gewächshäuser funktionieren werden. Es gibt zu wenig Sonnenlicht und zu viel Strahlung. Auf einer Marspostkarte sehen sie zwar nett aus, sie sind aber nicht praktisch.« Stattdessen malt er sich Hydrokultur-»Gewächsräume« aus, die man unter Erdhügeln begräbt oder in natürliche unterirdische Lavatunnel verlegt, um sie vor der Sonnenstrahlung zu schützen. »Beim Nahrungsmittelanbau auf dem Mars geht es permanent um Kontrolle«, sagt Vermeulen. »Man muss die Umwelt minutiös kontrollieren. Mit einer LED-Beleuchtung lässt sich die Frequenz, das Spektrum und die Intensität des Lichts steuern. Bei der Hydrokultur können Wasser und Nährstoffe engmaschig überwacht werden, damit man eine größere Sicherheit gewinnt, dass die eigene Ernte gut wird.«

Neben doch sehr theoretischen Ansätzen, gibt es auch handfeste vorallem wirtschaftliche Gründe auf Hydrokultur zu setzen.

>>Aargauer Zeitung<<

„Ein Salat, der ganz ohne Erde wächst … Ressourcenschonend ist der Salat laut der Migros, weil sein Anbau achtmal weniger Landfläche, 70 Prozent weniger Wasser und 60 Prozent weniger Dünger brauche. … Und der Salat hat laut dem Detailhändler noch einen Pluspunkt: Weil die Wurzeln nicht abgetrennt werden, bleibt er länger frisch und knackig. … Zudem sei es dank des neuartigen Gewächshauses möglich, die Wertschöpfung der Salatproduktion ganzjährig in der Region Aargau zu halten und den Salat-Import im Winter zu reduzieren.“

Außerhalb der Saison könnte die Technologie es möglich machen, Pflanzen in heimischen Gefilden zu ziehen, die andernfalls importiert werden müssten.

 

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