Lobbyisten führen Regie: Die alte Mär vom Fachkräftemangel

Screenshot vimeo.com

Die wunderbare Geschichte vom Fachkräftemangel wird allerdings nicht in den Betrieben geschrieben. Politiker und Lobbyisten haben sich diese Märchengeschichte ausgedacht. Und das Beste: Jeder macht mit, denn unter den beschriebenen Symptomen leiden tatsächlich viele Betriebe. Die Grunderkrankung ist nur eben eine ganz andere.

Fachkräftemangel – Eine ausgedachte Märchengeschichte

So eine kurze und prägnante Umschreibung des sogenannten „Fachkräftemangels“ . Dahinter verbirgt sich eine ganz andere Absicht: Es geht darum die Löhne zu drücken und die Arbeitsbedingungen weiter zu verschärfen. Dabei sind die realen Bedingungen in vielen Berufen – ganz anders – als so mancher bunter Werbeprospekt versucht den Anschein zu erwecken.

Harte Arbeit und Miese Löhne

>>World Socialist Web Site<<

„Die extreme Ausbeutung im Brief- und Paketdienst nimmt zu. Die Privatisierungspolitik von Regierung, Wirtschaft und Gewerkschaften hat dazu geführt, dass dieser harte Beruf heute trotz Überstunden und Stress zu den am schlechtesten bezahlten gehört. Die Ausbeutungsbedingungen sind so dramatisch, dass die Medien in der Vorweihnachtszeit nicht darum herum kommen, über die harte Arbeit der Paketzusteller und Briefträger zu berichten. Die Titel lauten: „Im Paketfieber“, „Liefern am Limit“ oder „Ausgeliefert“. Einige Reportagen schildern anschaulich, was es für die Zusteller bedeutet, in der Adventszeit das Doppelte der üblichen Arbeitslast bewältigen zu müssen. Eine halbe Million Menschen arbeiten mittlerweile im Post- und Zustelldienst. Nur ein kleiner Teil von ihnen, weniger als 30 Prozent, hat einen unbefristeten, tariflich bezahlten Vollzeitarbeitsplatz, während über 70 Prozent als Aushilfen, Minijobber und Niedriglöhner schuften. Mehr als jede zweite Aushilfe arbeitet unter der Geringverdiener-Grenze von 10,50 Euro pro Stunde, und viele bekommen nicht einmal den Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde. Das wirkliche Ausmaß entzieht sich der Statistik, da zahlreiche kleine Subunternehmer gar nicht erfasst werden.“

Die Stellschraube noch weiter angezogen werden

Ungeachtet der schon jetzt desaströsen Löhne und Arbeitsbedingungen, soll die Stellschraube noch weiter angezogen werden.

>>Welt<<

„Der Onlinehändler Amazon nutzt seine enorme Marktmacht, um noch mehr Druck auf klassische Paketdienste wie DHL und Hermes aufzubauen. … Allerdings gibt es für diese Arbeit eine wichtige Voraussetzung. Gesucht werden „Amazon-Flex-Lieferpartner“, die sich „bequem mit dem eigenen Auto flexibel Geld dazuverdienen“ wollen. Das heißt: Diese Gelegenheitsausfahrer sollen für ein paar Hundert Euro im Monat mit ihrem privaten Pkw Sendungen von Amazon zu den Lieferadressen fahren und an die Kunden übergeben.“

Selbstständige „Unternehmer“ fungieren als abhängige Beschäftigte

Das Beispiel Amazone zeigt nur die allgemeine Entwicklung in der Branche. Immer weniger Fahrer haben eine Festanstellung, stattdessen sind sie als selbstständige „Unternehmer“ tätig. Nicht nur Löhne lassen sich auf diese Weise beliebig drücken, sondern die ganze administrativ Bürokratie – die bei regulärer Beschäftigung anfällt – wird auslagert. Der ohnehin schon niedrige gesetzliche Mindestlohn – ist kaum das Papier wert – auf dem er festgelegt wurde. Jedoch die Paketfahrer befinden sich – mit anderen Berufsgruppen – im bester Gesellschaft.

Mindestlohn ist nicht das Papier wert auf dem er steht

>>t3n<<

„Quer durch alle Branchen werden IT-Spezialisten händeringend gesucht“, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Der Studie zufolge dauert es derzeit im Durchschnitt fünf Monate, bis Unternehmen eine offene IT-Stelle besetzen können. Der Fachkräftemangel könne schon bald zu einer „bedrohlichen Wachstumsbremse“ werden, so Rohleder. Als Hauptgrund für die Probleme bei der Besetzung von IT-Stellen gaben die Unternehmen die Finanzen an. 76 Prozent der Firmen erklärten, dass die Bewerber zu viel Gehalt forderten.“

Synonym „Fachkräftemangel„: Bewerber fordern zu viel Geld

In der Überschrift zu diesen Artikel prangt in großem Lettern „Fachkräftemangel“ : Nur in Wahrheit herrscht kein Fachkräftemangel. Das eigentliche Problem: In einigen Branchen werden durchaus noch gute Gehälter gezahlt. Der schlichte Grund hierfür: Einige Tätigkeiten sind sehr Kompliziert und die Spezialisten hierfür kennen durchaus ihren „Marktwert“ . Hinter den Synonym „Fachkräftemangel“ verbirgt sich häufig die niedere Absicht: In weiteren Branchen die Löhne zu drücken.

Realeinkommen durch Steuern, Gebühren und Abgaben geschleift

In vielen Berufsgruppen – besonders im klassischen Handwerk – wurden in den letzten Jahrzehnten, bedingt durch steigende Abgaben-, Steuer-, Gebührenlast und einer galoppierenden Inflation die Löhne geschleift. Die Drohkulisse Hartz-IVfür prekäre Beschäftigung – tut ihr übriges. Nicht wenige haben eine Ausbildung und/oder Studium absolviert und leben trotzdem auf Sozialhilfeniveau.

Anforderungen steigen und Reallöhne sinken

Obwohl die Anforderungen in vielen klassischen Berufen steigen: Der Bäckergeselle macht nicht selten keine klassische Handwerksarbeit mehr, sondern bekommt eine riesige Maschine vor die Nase gestellt, die er in zwei bis drei Tagen fehlerfrei beherrschen muss. Das alles hat mit der klassischen Ausbildung für den Beruf nicht mehr viel gemein: Die Anforderungen im realen Wirtschaftsleben und die gezahlten Gehälter klaffen immer weiter auseinander.

 

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