Niedriglöhne & Fachkräftemangel: Kann es so etwas in einer funktionierenden Wirtschaft überhaupt geben?

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Überall wird von sinkende Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel gesprochen. Mehr noch: Es wird sogar vor einer „Verschärfung des Fachkräftemangelsgewarnt. Aber was ist wirklich an diesem fast schon hysterisch wirkenden Meldungen etwas dran? Immerhin wollen mehrere Millionen an Arbeitslosen sich in dieses Bild nicht so recht fügen. Doch selbst die offiziell ausgewiesene Arbeitslosenstatistik führt längst nicht alle Arbeitslosen auf.

„Es gibt eine nicht zu vernachlässigende Quote verdeckter Arbeitslosigkeit“

>>Hans-Böckler-Stiftung<<

„Die Lücke zwischen Erwerbs- und Arbeitslosen kommt zustande, weil die offizielle Arbeitslosenstatistik nur jene erfasst, die den Vermittlungsbemühungen der Arbeitsagenturen zur Verfügung stehen. Die Statistik der BA berücksichtigt nicht, wer für sich keine Chance mehr am Arbeitsmarkt sieht und sich darum schon deutlich vor dem 65. Lebensjahr zurückgezogen hat. Ebenfalls unbeachtet sind alle, die einen Job suchen, aber nicht bei der Arbeitsagentur registriert sind. … Es gibt eine nicht zu vernachlässigende Quote verdeckter Arbeitslosigkeit.“

„Wer für sich keine Chance mehr am Arbeitsmarkt sieht“

Tatsächlich werden sogar 58jährige – und ältere – Arbeitslose häufig nicht mal mehr in der Arbeitslosenstatistik aufgeführt: Damit wurde die Arbeitslosigkeit bei älteren Erwerbslosen einfach – auf dem Papier – faktisch abgeschafft. Natürlich ließe sich die Arbeitslosigkeit viel realistischer abbilden: Die geleisteten Arbeitsstunden würden einen Ansatz bieten.

„Pustekuchen, Jobwunder?“ – „Sei in den vergangenen Jahren gar keine zusätzliche Arbeit entstanden“

>>Zeit<<

„In Wirklichkeit, sagen die Kritiker, sei in den vergangenen Jahren gar keine zusätzliche Arbeit entstanden. Es gebe zwar mehr Jobs als früher, aber gar nicht mehr Arbeitsstunden. Heute würden wir alle zusammengerechnet genau so viel arbeiten wie vor zehn, zwanzig Jahren. Pustekuchen, Jobwunder? … Präsident des Statistischen Bundesamts: „Das sogenannte deutsche ‚Jobwunder‘ relativiert sich jedoch, wenn man nicht nur die Personen betrachtet, sondern die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden und damit das Arbeitsvolumen.“ Zwar seien heute mehr Menschen erwerbstätig als je zuvor. Insgesamt aber arbeiteten die Deutschen weniger als noch im Jahr 1991.“

„Insgesamt aber arbeiteten die Deutschen weniger als noch im Jahr 1991“

Bei genauer Betrachtung bleibt vom viel gepriesenen „Jobwunder“ nicht viel übrig. Überspitzt: Gut bezahlte-reguläre Arbeitsplätze wurden in prekäre Teilzeitbeschäftigungen umgewandelt: Auf diese Weise haben mehr Menschen eine Arbeit gefunden, dafür sind noch mehr in Armut abgerutscht. Auch so manche ehemalige Arbeitsvermittlerin kann dieses Analyse nur unterstreichen.

„Der Erwerbssuchende hat zu funktionieren“ – „Seine äußeren und inneren Umstände werden dabei nicht berücksichtigt“

>>Die Hartz-IV-Diktatur von Inge Hannemann (Buch) <<

„Der Erwerbssuchende hat zu funktionieren. Seine äußeren und inneren Umstände werden dabei nicht berücksichtigt. Ganz davon zu schweigen, dass wir überhaupt nicht genügend Arbeits- und Ausbildungsplätze für all die Arbeitssuchenden haben. Ich frage mich: Wie heuchlerisch ist das denn? Wir fordern, wir bestrafen, wir kürzen Mittel, die eh kaum zum Leben reichen – und was haben wir auf der anderen Seite zu bieten? Ausbeuterische Modelle und prekäre Arbeitsplätze. Minijobs und Zeitarbeit.“

„Wir fordern, wir bestrafen, wir kürzen Mittel, die eh kaum zum Leben reichen“

Sicherlich ist nicht jeder Zeitarbeitsplatz und Minijob als prekäre Arbeitsstelle zu werten: Aber es tummeln sich genügend sprichwörtlichschwarze Schafe“ in diesem Sektor. Trotzdem kommt die Frage auf: Was ist wirklich an den häufig zitierten Fachkräftemangel dran?

„Zahl der laut Bundesagentur unbesetzten Ingenieurstellen wird mit 7,14 multipliziert“

>>Spiegel<<

„Die Zahl der laut Bundesagentur unbesetzten Ingenieurstellen wird mit 7,14 multipliziert – weil es weit mehr offene Stellen gebe, als die Behörden wissen. Dieser Faktor ist nahezu willkürlich gewählt, jedenfalls sehr hoch angesetzt. Er verändert die Zahl unter dem Strich immens. Und die Zahl unter dem Strich, genau das ist der Ingenieurmangel, den der VDI dann laut in die Welt posaunt.“

„Unbesetzten Ingenieurstellen wird mit 7,14 multipliziert“ – „Faktor ist nahezu willkürlich gewählt“

Gewiss mag es in einigen Berufen und Regionen einem echten Fachkräftemangel geben. Doch überwiegend handelt es sich um überwiegend um ein aufgebauschtes Problem. Das trifft auch auf einige Branchen zu und die Antwort für dem Fachkräftemangel liefern sie gleich noch mit.

Niedriglöhne & Fachkräftemangel: Kann es so etwas in einer funktionierenden Wirtschaft überhaupt geben?

>>TV Mainfranken<<

„Niedriglöhne in der Gastronomie – Fachkräftemangel wächst – Als Resultat des unterdurchschnittlichen Gehalts wird das Problem des Fachkräftemangels in der Branche immer größer – so wechseln viele Angestellte in besser bezahlte und krisensichere Bereiche.“

„Viele Angestellte in besser bezahlte und krisensichere Bereiche“

Niedriglöhne und Fachkräftemangel stellen sich bei einer funktionierenden Wirtschaft als unvereinbare Widersprüche dar. Und dieses Phänomen ist in vielen Branchen anzutreffen. Vereinfacht: Man kann nicht schlechte Löhne zahlen und vielleicht zusätzlich noch schlechte Arbeitsbedingungen liefern und am Ende sich wundern: Warum dort niemand arbeiten will. – Spätestens hier müsste der gesunde Menschenverstand sich melden. Zumal es Gegenbeispiele für einem echten Fachkräftemangel durchaus existieren.

„Lkw-Fahrer verdienen in Großbritannien inzwischen mehr als Anwälte, Lehrer oder Architekten“

>>Eurotransport<<

„Lkw-Fahrer verdienen in Großbritannien inzwischen mehr als Anwälte, Lehrer oder Architekten. … Angesichts von geschätzt rund 100.000 offenen Stellen und Versorgungsengpässen sind die Fahrerlöhne rasant gestiegen. Laut einem Internetbericht der „Daily Mail“ liegen sie bei Waitrose über dem Verdienst von Führungskräften.“

„Die Fahrerlöhne rasant gestiegen“

Sofern die Bezahlung stimmt: Dann sind auch höhere ausgebildete Berufsgruppen bereit sich hinters Lenkrad eines LKW zu klemmen. Der vermeintliche Fachkräftemangel ließe sich durch steigende Löhne bekämpfen. Doch die Wahrheit dürfte viel banaler ausfallen: Es gibt – anders als so manche Statistik verkündet – offenbar dafür nicht genügend Stellenangebote.