Mittelalter: Das Licht zur Wirklichkeit

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Die Seefahrt im Mittelalter war ein lebensgefährliches Unterfangen. Aber nicht nur Unwetter und Piraterie machten dem Matrosen zu schaffen, sondern darüber hinaus gab es die imaginäre Angst, vom Rand der Welt zu fallen.

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„Die Menschen im Mittelalter sollen geglaubt haben, die Erde sei eine Scheibe. Sogar noch die Seeleute des Kolumbus seien voller Angst gewesen, sie würden mit ihren Schiffen über den Rand der Welt hinaus ins Nichts stürzen. Und das, obwohl bereits die Antike wusste, dass die Erde eine Kugel ist. Die Vorstellung von den dummen, unwissenden Bewohnern der mittelalterlichen Welt geistert seit  Jahrhunderten durch Geschichtswerke, Schulbücher und Romane.  In Wirklichkeit ging jeder ernstzunehmende mittelalterliche Gelehrte von der Kugelgestalt der Erde aus. Auch für Dichter und Kaufleute, Mönche und Priester war dieses Wissen ganz selbstverständlich, wie zahlreiche Quellen belegen. Nicht zuletzt der Reichsapfel als Herrschaftssymbol des Heiligen Römischen Reiches zeigt, welches Bild die Menschen sich damals von der Welt machten.“

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Zweifelsfrei glaubten viele Menschen im Mittelalter daran, dass die Erde eine Scheibe sei. Die mittelalterliche Gesellschaftsform ließ da wenig Raum für tiefgründigere Überlegungen. Dementsprechend sahen auch die wenigen aus dem Mittelalter bekannten Karten aus: Die Stadt Jerusalem lag im Zentrum, oben war der biblische „Himmel“ , die Proportionen der Landmassen stimmten – wie vieles andere auch – mit der Wirklichkeit nicht überein. Am Rand befand sich der Abgrund der flachen Erdscheibe. Allerdings ist diese Darstellung des damals bekannten mittelalterlichen Weltbildes unvollständig. Die meisten einfach gestrickten Menschen glaubten an einfach gehaltene vorgegebene Weltbilder und andere Meinungen zu äußern, welche die aufoktuierten Lehren Infrage stellten: Dies war Lebensgefährlich oder sollte besser konspirativ vonstatten gehen. In dieser konspirativen Welt waren andere Gedankengänge durchaus möglich und auf diese Weise entstand beispielsweise „Martin Behaims Erdapfel“ .

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Die Erde als Kugelform in „Martin Behaim’s Erdapfel“ ist – nach damaligen Maßstäben – mit äußerst präzisen geographischen Angaben versehen: Jedoch während des ganzen tausendjährigen europäischen Mittelalters ist dieser ein Unikat geblieben und erst kurz vor Beginn der Neuzeit entstanden. Nur eine Minderheit dürfte sich an diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen erfreut haben.

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„Etwa zur selben Zeit, als Stöffler seinen Himmelsglobus fertigen ließ, wurde in Nürnberg an einem Erdglobus gearbeitet. Geldgeber war der Nürnberger Rat, Gedankengeber Martin Behaim, ein aus Nürnberg gebürtiger Seefahrer auf portugiesischen Schiffen. 1485 war er bis zur Kongomündung an der afrikanischen Westküste vorgestoßen – jedenfalls behauptete er das, obwohl auf dem von ihm inspirierten ›Erdapfel‹, wie der Rat das Objekt nannte, die Mündung des Flusses um 18 Grad nach Süden verschoben ist. Auch sonst erweist sich Behaims Weltkugel als nicht eben zuverlässig. Die eurasische Landfläche nimmt mit drei Vierteln der Globusoberfläche zu viel Platz ein, und die atlantische Distanz zwischen Europa und Asien ist zu gering. Aber diese Fehleinschätzung teilte Behaim mit Columbus. Die Welt schien kleiner, als sie in Wirklichkeit war, nur gut 28000 Kilometer im Umfang. Für Columbus lagen China und Europa bloß 4000 Kilometer auseinander, und der tatsächliche Abstand zwischen den Kanaren und Zipangu, dem Land, das wir heute Japan nennen, ist nahezu fünfmal so groß wie von ihm angenommen. Hätte Columbus die Entfernungen richtig eingeschätzt, wäre er womöglich gar nicht losgefahren. Oder er hätte in Madrid trotz ausreichenden Wagemuts das Geld und die Leute für die Expedition nicht zusammenbekommen. Die Flächen-, Distanz- und Lagefehler auf Behaims Globus werden aus unserer Perspektive, die wir trockenen Fußes im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg um das Gebilde herumspazieren könnenHinweis, durch seine abenteuerlichen, für die Zeitgenossen jedoch überaus vielversprechenden Beschriftungen noch hervorgehoben.“

Im übertragenen Sinne bedeutete es: Den einfachem Volk erklärte die Obrigkeit dass die Erde eine Scheibe sei – bei Zuwiderhandlungen oder Abfall von „Glauben“ drohte als Häretiker die Todesstrafe, während zu gleichen Zeit im geheimen bereits über die Länge des Äquators rege diskutiert wurde. Der Begriff Informationsmanagement war seiner Zeit noch unbekannt. Das Land Spanien war im Gegensatz zu Portugal im ausgehenden Mittelalter eine recht unerfahrene Seefahrernation, weswegen es die Spanier waren die Amerika widerentdeckten. Die Eliten beider Länder waren sich der Tatsache bewusst, die Erde sei eine Kugel – respektive „Apfel“ und China auf dem Westweg über dem Atlantik theoretisch zu erreichen. Jedoch die Portugiesen schätzten dem Umfang der Erde genauer ein und kamen – richtigerweise – zu dem Schluss, dass der Weg nach Asien viel zu weit sei. Die Spanier hingegen nahmen wie Martin Behaim – fälschlicherweise – an, die Erde sei viel kleiner und damit sollte – nach deren damaliger Ansicht – eine Reise nach China per Segelschiff sehr wohl im Bereich des Möglichen gelegen haben. Beide Nationen hatten allerdings keine Ahnung von dem Doppelkontinent Amerika.

 

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