„Glocke der Versöhnung“ – Unscheinbare „Berg‘ sche Kirchruine“ in der Lausitz und ihre vorchristliche Vergangenheit

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Die unscheinbare „Berg‘ sche Kirchruine“ in der Lausitz blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Der äußere Schein des Gebäudes mag täuschen. Lange bevor der eigentliche Kirchenbau stattfand, da war der Ort als Heiligtum bekannt. Denn die allermeisten sakralen Heiligtümer der Sorben waren keine festen Gebäude, sondern heilige Plätze die in der freien Natur zu finden waren.

„Sorbische Heiligtum u.a. als Ur-Sternwarte“ – „Seit wohl 10 000 Jahren steht in Kleinbautzen ein Felsgebilde“

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„Seit wohl 10 000 Jahren steht in Kleinbautzen ein Felsgebilde. Mehrere Experten deuten dieses älteste sorbische Heiligtum u.a. als Ur-Sternwarte.“

Sorbische Ur-Sternwarten: Die Genauigkeit noch heute ins Staunen versetzt

Die Welt sei eine Scheibe und jeder der das Gegenteil behauptet: Derjenige werde auf dem Scheiterhaufen verbrannt: Diese ungefähre Praxis hat sich bis ins 16. Jahrhundert hinein gehalten. Doch lange vorher haben die Slawen bereits präzise Ur-Sternwarten errichtet, deren Genauigkeit noch heute ins Staunen versetzt. Viele Feste wurden auch an der Sonnenwende festgemacht. Schon bevor „Ostern“ oder „Weihnachten“ erfunden waren, haben die Sorben diese Feste begangen.

„Stary lud“ – „Das „Alte Volk“, war so eng mit der Natur verbunden“

>>Der Tagesspiegel<<

„Stary lud“, das „Alte Volk“, war so eng mit der Natur verbunden, dass Ostern mit Abstand sein wichtigstes Fest war: Beginn des Frühlings und der Feldarbeiten. Nach der Christianisierung kam die Geschichte der Kreuzigung und Auferstehung hinzu, die Frauen begannen bereits nach Weihnachten, an den langen Winterabenden in den Spinnstuben, sorbische Passions- und Auferstehungslieder einzustudieren. Die werden auch heute wieder gesungen.“

„Ostern mit Abstand sein wichtigstes Fest war: Beginn des Frühlings und der Feldarbeiten“

Tatsächlich stellen die heutigen christlichen Feste mehr als nur Folklore für Touristen dar. Noch lange vor der eigentlichen Christianisierung wurden diese Feste – in leicht veränderter Form – begangen. Wie weit die ursprünglich heidnischen Feste zurückreichen: Das lässt sich mit Sicherheit nicht mehr sagen. Viel Kultstätten wurden zerstört oder waren einfach nur als heilige Orte in der Natur – ohne bauliche Veränderungen – ausgewiesen. Ein Anhaltspunkt könnte die genetische Analyse liefern. Die Haplogruppe R1a wird auch als sogenanntes „slawisches Genom“ bezeichnet, da es unter dieser Volksgruppe eine weite Verbreitung gefunden hat.

Slawen: „Bereits vor 35.000 Jahren in den böhmischen Eiszeitsteppen Mammuts jagten“

>>Radio Prag<<

„Nur ein Drittel der Tschechen ist Lucie Benešová zufolge genetisch tatsächlich slawisch, weitere 35 Prozent haben germanisch-keltische Wurzeln. Interessant ist, dass ganze 18 Prozent der Tschechen scheinbar Vorfahren haben, die bereits vor 35.000 Jahren in den böhmischen Eiszeitsteppen Mammuts jagten.“

Die slawische Haplogruppe R1a belegt die genetische Kontinuität

Mit friedlichen Eintracht in der Region war es aber schon zu Zeiten des Römischen Reiches vorbei. Schon während der antiken Markomannen-Kriege drangen die Römer in die Region vor. Auch wenn das Vorhaben letztlich zum Scheitern verurteilt war, so ließ die dahinter stehende Absicht kaum Fragen offen. Zwar mag das Römische Reich untergegangen sein, aber das heutige Kirchenrecht leitet sich direkt aus der Antike ab. So ist es kaum verwunderlich, dass die spätantike Kirche des Imperium Romanum vergleichbare Ziele verfolgt. Denn die sogenannte „Staatsreligion“ laufen mit der staatlichen Eroberung meist in Gleichschritt nebenher.

„Spätantiken Kirche des Imperium Romanum galt genauso selbstverständlich wie im heutigen Kirchenrecht“

>>Krypta: Unterdrückte Traditionen der Kirchengeschichte von Hubert Wolf (Buch) <<

„In der spätantiken Kirche des Imperium Romanum galt genauso selbstverständlich wie im heutigen Kirchenrecht, dass die Kirche sich in Diözesen gliedert, die unter der Leitung eines Bischofs als Nachfolger der Apostel stehen. Bischofssitze hatten sich in allen wichtigeren Städten gebildet. Als die Christianisierung auch in den ländlichen Gebieten fortschritt, wurden in den Dörfern Pfarreien errichtet, die als Ableger der Bischofskirche verstanden wurden.“

„Als die Christianisierung auch in den ländlichen Gebieten fortschritt“

Die spätantike Kirche des Imperium Romanum hatte wenig mit Christentum, sondern vielmehr mit den antiken römischen Götterkult zu tun. Während des Konzil von Nicäa wurde das Christentum faktisch in dem Rang einer Staatsreligion erhoben und an die weltliche Machtbedürfnisse angepasst. Vereinfacht: Das „modernisierte Christentum“ hat fortan die Funktion des römischen Götterkultes übernommen. Noch heute sind politisches Machtstreben zum Zwecke der Unterwerfung zu beobachten.

„Politischen Zweck der Unterwerfung und der Einführung deutschen Brauchtums in das eroberte Land“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Die mehrere hundert Jahre währenden Versuche der Missionare, die heidnischen Slawen zu christianisieren, hatten den politischen Zweck der Unterwerfung und der Einführung deutschen Brauchtums in das eroberte Land. Wo einst die heidnischen Religionsplätze sich befanden, legten christliche Missionare den Grundstein zu Kapellen und Kirchen. An der gewohnten Heiligkeit des Ortes sollte die neue christliche Lehre in den heidnischen Volksglauben leichter Eingang finden.“

„Wo einst die heidnischen Religionsplätze sich befanden – Legten christliche Missionare den Grundstein zu Kapellen und Kirchen“ 

Die heutige unscheinbare „Berg‘ sche Kirchruine“ in der Lausitz blickt auf eine genau solche Geschichte zurück. Der Ort war schon lange vor der Christianisierung heilig gewesen und der Platz der Kirche dürfte deshalb wohl kaum ein Zufall gewesen sein.

„Die Kirche auf der Ostseite des Dorfes Berg wird um 1200 aus Feldsteinen erbaut“

>>Stadt Bad Muskau<<

„Die Kirche auf der Ostseite des Dorfes Berg wird um 1200 aus Feldsteinen erbaut. … Im Jahre 2006 wird anlässlich des Muskauer Schützenfestes ein hölzerner Glockenturm errichtet und die „Glocke der Versöhnung“ eingeweiht.“

„Muskauer Schützenfestes ein hölzerner Glockenturm errichtet und die „Glocke der Versöhnung“ eingeweiht“

Die errichtet „Glocke der Versöhnung“ soll sicherlich an diese Zeit erinnern. Meist versuchen kleine Verein – wie die Schützengilde 1511 Bad Muskau – die Erinnerung wach zu halten, während staatliche Universitätsprofessoren mehr durch Schweigen oder einer sehr verklausulierten Sprache zum Thema auffallen.

 

–W E R Β U Ν G–

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