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Mythos Mittelalter: „Wir versuchen die Geschichte des 12. Jahrhundert möglichst unverfälscht darzustellen“

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Wer partout ein authentisches mittelalterliches Gericht essen möchte, dem empfehle ich mit Wasser zubereiteten und ungezuckerten Haferbrei, das verbreitetste Gericht im deutschen Mittelalter. Als Zugeständnis an die Neuzeit dürfen dabei die seit dem späten 19. Jahrhundert industriell hergestellten Haferflocken verwendet werden,5 um das Gericht wohlschmeckender als die frühere Grütze aus grobem Haferschrot zu machen, jene Haferflocken, die ein kleines Beispiel für die umfassende „Nahrungsmittelrevolution des 19. Jahrhunderts“ sind.6 Es fällt angesichts populärer Auffassungen einigermaßen schwer, statt Menschen, denen der Bratensaft nur so in die Bärte träufelte, sich Menschen vorzustellen, die ihren dünnen Haferbrei löffelten.“ Auszug aus einen Buch >>Essen und Trinken im Mittelalter<<. Der Grund für die Zurückhaltung des Autors: Viele Gerichte im Mittelalter sind für dem modernen Bürger schlicht unzumutbar. Denn zur mittelalterlichen Speisekarte gehörten auch gefangene Singvögel und anderes Getier. Die Eppoche des Mittelalters liegt schon eine Weile zurück und über die Jahrhunderte fand eine regelrechte geschichtliche Verklärung statt.

>>Die Lausitzer anno 1180<<

„Wir versuchen die Geschichte des 12. Jhd. möglichst unverfälscht darzustellen. Die Grundlage hierfür sind Bilder, Schriften und Funde der Vergangenheit. In unserem Lager zeigen wir das tägliche Leben der Ritter und deren Gefolgschaft. Die wichtigste Aufgabe des Lagers besteht ohne Zweifel in der Versorgung mit Essen. Aus diesem Grunde ist im Zentrum meist der Baldachin mit Tischen und Bänken zu finden. Nicht weit davon entfernt befindet sich das Herdfeuer. Um dieses Zentrum des Lagers gruppieren sich die Zelte der Ritter und der Gefolgschaft. Das Lager ist zudem eine gute Gelegenheit, alte Handwerke zu betrachten. Die Handwerker in unserem Lager sind damit beschäftigt, Gegenstände des täglichen Bedarfs zu reparieren oder anzufertigen. Es ist also durchaus möglich, einen Knappen beim Sarwirken (der Reparatur oder dem Neubau von Kettenhemden) zuzuschauen, oder aber einem Schreiner bei der Arbeit an der Ziehbank zu beobachten. Desweiteren ist es auch möglich, alte Handarbeiten wiederzuentdecken. Wir zeigen daher, wie mit einer einfachen Spindel Garn gesponnen wird. Ebenso kann man beim Sticken oder Brettchenweben zuschauen. Von Zeit zu Zeit geschieht es auch, daß Gaukler und Spielleute uns mit ihren Stücken erfreuen, oder aber ein Ritter selbst zum Instrument greift.“

 

>>Die Entdeckung des Mittelalters: Geschichte einer Illusion von Peter Raedts (Buch) <<

„Nach Burkes Meinung war die Ritterlichkeit in der Antike und in Asien unbekannt, da sich diese Tugend ausschließlich im postantiken Europa, also im Mittelalter, entwickelt hatte. Der Kern des Ritterkodex bestand darin, dass die Beziehung zwischen zwei Personen, die im Prinzip aus unterschiedlichen Schichten kamen, von gegenseitiger Wertschätzung und Hochachtung geprägt war und dies in einem Treueeid (fealty) ausgedrückt wurde, in dem sich beide gegenseitig verpflichten mussten. Wo eine solche Beziehung zwischen zwei Personen möglich war, verlor die Ausübung der Macht ihre scharfen Kanten. Der Herr konnte es sich erlauben, seine Macht gütig (gentle) auszuüben, weil er von seinen Untertanen keine Aufsässigkeit befürchten musste. Der Untertan seinerseits konnte in seinem Gehorsam freigebig (liberal) sein, weil er sich vor der Willkür seines Herrn geschützt wusste. Sobald der höfliche und respektvolle Umgang miteinander jedoch aufgegeben wurde und man nur noch von Rechten sprach, wie das nun in Frankreich geschah, wurden aus den Untertanen Aufständische und aus den Fürsten Tyrannen.“

 

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