Politiker: Inszenierung als Beruf

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Staatsmännisches Auftreten. Bedeutungsschwangere Sätze. So Inszenieren sich Politiker häufig Öffentlichkeitswirksam. Niemand hatte das besser drauf als Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg zu seiner aktiven politischen Zeit: Immer mit viel Haargel und gern auch mit aussagekräftiger Kulisse: Ob auf einen Flugzeugträger mit Kampfpilotenflair, als Teilzeit-DJ um Stimmung zu machen, in Afghanistan in der „Gefechtszone“ , im Bierzelt oder „Inmitten von Komparsen im Filmstudio Babelsberg“ . Inszenierung: Übertroffen nur noch von professionellen Schauspielern.

Politiker – Inszenierung als Beruf: Nur übertroffen von professionellen Schauspielern

>> Inszenierung als Beruf: Der Fall Guttenberg von Oliver Lepsius & Reinhart Meyer-Kalkus (Buch) <<

„Guttenbergs Vorgehensweise ist in der Wissenschaft verwerflich, in der hohen Politik allerdings vorbildlich: Da ist das kunstfertige Nutzen fremden Wissens und der Ideen der anderen kein Plagiat, sondern Tugend. Für die Erfüllung seiner öffentlichen Rolle braucht jeder Politiker gute Autoren und Mitarbeiter, die in keiner Fußnote genannt werden. Die bedeutendsten Staatsmänner ließen ihre Bücher und Reden – nach ausführlichen Gesprächen – durch Personen ihres Vertrauens schreiben.“

Doktor-Arbeit schreiben lassen: Der unbekannte anonyme Autor?

Ganz am Anfang der Plagiatsaffäre hat Guttenberg noch beteuert, seine Doktor-Arbeit wäre kein Plagiat: Im Nachhinein stellte sich – genau das – als Trugschluss heraus. Die naheliegendste Vermutung: Guttenberg hat seine Doktorarbeit nicht selbst geschrieben, sondern von Dritten  „Personen ihres Vertrauens“ schreiben lassen. Daher war seine Naivität am Anfang der Affäre wohl nicht inszeniert, sondern echt und authentisch. Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Politikern: Die mit Plagiaten von ihren Dissertationen aufgefallen sind.

Politikerin – Juristin mit zwei Staatsexamen: In Wirklichkeit nicht mal Abitur

>>Welt<<

„Die Bundestagsabgeordnete Petra Hinz hat zugegeben, ihren Lebenslauf massiv gefälscht zu haben. Sie hatte behauptet, Juristin mit zwei Staatsexamen zu sein. Dabei hat sie nicht einmal Abitur.“

Die Rolex-Uhr am Handgelenk eines Politikers ist vielleicht noch echt, beim Rest sollte man besser nicht so genau hin schauen. Nichtsdestotrotz, setzte Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg als er noch mit den Insignien der Macht ausgestattet war: Maßstäbe in der Inszenierung. Ob auf einen Flugzeugträger mit Kampfpilotenflair, als Teilzeit-DJ um Stimmung zu machen, in Afghanistan in der „Gefechtszone“ , im Bierzelt oder „Inmitten von Komparsen im Filmstudio Babelsberg“ .

Die erfundene Lebensgefährtin „Doreen“

>>taz<<

„Eigentlich haben Brandenburgs regierende Sozialdemokraten genug Probleme: Miese Umfragewerte und Koalitionszoff mit den Linken … Der Lokalfernsehsender SKB hatte berichtet, dass Vaut – anders als von ihm behauptet – gar nicht in Brandenburg an der Havel lebt sondern in Berlin. Das Wahlrecht lässt zwar zu, dass Kandidaten in anderen Bundesländern ihren Erstwohnsitz haben, die Partei nimmt es aber genauer. Für gewöhnlich sollen Spitzenkandidaten auch tatsächlich im jeweiligen Bundesland leben. Dazu kam, dass Vaut der Partei zur Nominierung auch noch seine angebliche Lebenspartnerin „Doreen“ vorgestellt hatte. Aus Liebe zur ihr sei er nach Brandenburg gezogen. Doch „Doreen“ ließ nun die Geschichte platzen und erzählte alles dem Lokalfernsehen – inklusive Protokollen von Chats mit Vaut. Auch Vaut räumte mittlerweile ein, „Doreen“ sei nicht seine Freundin, sondern nur eine Bekannte aus der Hauptstadt. … Die Brandenburger SPD versucht nun den Schade nach dem Lügenskandal möglichst zu begrenzen. … „Jetzt ist durch das Öffentlichwerden der Lügen, der Täuschung, die es gegeben hat, ein Riesenschaden für die Brandenburger SPD entstanden“, sagte Woidke in Potsdam.“

SPD-Politiker Simon Vaut: Nur für das Direktmandat nach Brandenburg gezogen.

Mutlose Partei ohne klare Haltung; Absturz ohne Lerneffekt; Keine Eindämmung des Lobbyismus, keine Vision … “ So ein ehemaliger SPD-Politiker über seine ehemalige Partei. Bei der kommenden Landtagswahl dürfte die Partei in Brandenburg es noch in den Landtag schaffen: Jedoch in Sachsen könnte sie unter die Fünfprozenthürde fallen. Kurz Zusammengefasst: Zwischen der eignen Inszenierung und internen Parteigezänk bleibt kaum noch Zeit übrig.

Viel beschäftigte Politiker: Zwischen eigner Inszenierung und internen Parteigezänk

>>Freie Presse<<

„Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sieht angesichts des geplanten Kohleausstiegs Chancen für Investitionen in die Lausitz. «Es gibt da schon eine ganze Reihe von Gesprächen mit großen, namhaften Investoren, die vorhaben zu investieren», sagte Woidke am Dienstag dem Inforadio des rbb.“

Die Lausitz spielt im Wahlkampf wohl keine Rolle

Eine selbsternannte Arbeiterpartei die sichere Arbeitsplätze in der Lausitzer Revier schleift, stattdessen: „Chancen für Investitionen in die Lausitz“ . Inszenierung: Wer kann denn schon mit Sicherheit sagen, ob es diese anonymen Investoren überhaupt existieren. Vielleicht sind die so echt, wie die Lebensgefährtin „Doreen“  von SPD-Politiker Simon Vaut. Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Lausitz im kommenden Wahlkampf für die SPD praktisch keine Rolle spielen wird: Denn Niemand will mit dem angerichteten wirtschaftlichen Desaster in der Lausitz konfrontiert werden. Ohnehin dürften Minister Woidke Tage gezählt sein und er dürfte schon jetzt seine Fühler nach einen neuen Betätigungsfeld umsehen.

„Lausitz soll auch in Zukunft eine starke Industrie- und Energieregion sein“ – Ein Jahr später will davon niemand mehr was wissen

>>SPD Brandenburg<<

„Für uns steht fest: Die Lausitz soll auch in Zukunft eine starke Industrie- und Energieregion sein – mit guten Arbeitsplätzen, guter Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, moderner Infrastruktur und gut ausgebildeten Arbeitskräften.“

Dieser Satz stammt von 07. Mai 2018 und nicht mal ein Jahr später: Will man davon nichts mehr wissen.

 

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