„Strukturwandel in der Lausitz auf breitere Beine gestellt“

Screenshot stumme-zone.com

Gerade energieintensive Unternehmen sind auf konkurrenzfähige Strompreise angewiesen. In Deutschland ist der durchschnittliche Strompreis für Unternehmen massiv angestiegen. Wird die Energiewende zum Standortkiller?“ Eine durchaus berechtige Frage. Gerade die verarbeitende Industrie, wo viele Menschen beschäftigt sind und das Rückgrat des Wirtschaftsleben bilden: Diese ist Abhängig von einer zuverlässigen und kostengünstigen Stromversorgung. Aber die hohe Politik hat andere Pläne.

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„Vor dem Tagungshotel in Cottbus warten etwa 50 Kraftwerker und Kohlekumpel. Sie fordern Lösungen für die Zukunft, eine Zeit, in der Kohle keine Rolle mehr spielen soll. Der Vorsitzende der Industriegwerkeschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ernten Beifall. Dafür, dass sie versprechen, genau um diese Lösungen zu ringen. Und Woidke rührt die Werbetrommel für die Lausitz. Die Region habe Potential, sagt Brandenburgs Regierungschef. Dazu gehören die Anbindungen an die Metropolen Berlin und Dresden.“

Genau genommen existiert die Anbindungen an die Metropolen Berlin und Dresden nur in der Phantasie des Ministerpräsidenten. Schon seit Jahren wird eine leistungsfähige Nord-Süd Querung in der Lausitz gefordert. Selbst wenn es tatsächlich Bestrebungen geben sollte, diese Verkehrsverbindung zu bauen: Dürfte die Fertigstellung sich noch viele Jahrzehnte hinziehen. Ähnliches gilt auch für die Schienenwege.

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„Es ist Woidkes Überzeugung, die Lausitz kann Industrie- und Energieregion bleiben. So sieht es auch IGBCE-Chef Vassiliadis. Als Beispiel nennt er die Idee von einer Batteriezellenfabrik. Klar geht das, sagt Managementberater Hans Gerd Prodöhl. Vor allem im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien mit verschiedenen Autobauern könnte das ein Leuchtturmprojekt sein. Doch insgesamt müsse der Strukturwandel in der Lausitz auf breitere Beine gestellt werden. Sich nur auf eine Zukunft als Energieregion zu konzentrieren hält der Berater für nicht zielführend. … Prodöhl rät deshalb, schneller zu agieren und offen zu sein für Experimente. Gute Beispiele gäbe es: den Movie-Park in Bottropp oder die Ansiedlung des Teleshopping Marktführers QVC in Nordrhein-Westfalen. Auch dort waren zuvor tausende Arbeitsplätze durch Grubenschließungen weggebrochen.“

Es mutet wie Realsatire an. Der umstrittene Teleshopping-Kanal QVC und der Movie-Park in Bottropp sollen Ersatz, für tausende weggebrochene Arbeitsplätze sein? In der Realität gleicht die einstige Industrieregion des Ruhrpotts, mehr und mehr Zuständen in der Dritten Welt. Die Innenstädte und einige Stadtteile sehen noch ganz ansehnlich aus, aber nur wenige Metern neben den ausgetrampelten Touristenpfaden, reihen sich die Industrieruinen aneinander. Der Strukturwandel in Ruhrgebiet muss augenscheinlich ganz ähnlich erfolgreich gewesen sein, wie der Aufbau Ost nach der Wiedervereinigung. Hans Gerd Prodöhl war 17 Jahre in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen tätig, danach machte er sich selbstständig: Arbeitet seit dem als freier Berater – in praktisch der selben Funktion – für diverse staatliche Institutionen. Sein ganzer Lebensweg mutet sehr dubios an. Aus welchen Gründen sollte eine Staatskanzlei externe teure Berater anheuern, die vormals als Beamte viel billiger das Gleiche taten?  Worin genau seine unternehmerischen Kompetenzen liegen sollen, bleibt weitestgehend im dunklen? Fest steht: Wenn Prodöhl – als graue Eminenz des Ministers – mal so richtig in Fahrt gekommen ist, dann ist er kaum noch zu bremsen. Von einer Lausitz AG, über Batterieherstellung bis hin zu PKW-Maut-Eintreibesstation. Kaum eine Idee scheint in seinen Augen weit genug hergeholt zu sein, um sie ernsthaft auch noch vorzuschlagen. Als Beleg für die Phantastereien meint er völlig ironiefrei: „Pittsburgh sei mit Hilfe einer modernen öffentlichen Infrastruktur zu einer der lebenswertesten Städte in den USA geworden.“ Pittsburgh? Das ist eine durch Massenarbeitslosigkeit und Kriminalität gebeutelte amerikanische Stadt. Als Erfolg meldet die örtlichen Behörden: Das nur 59 Menschen in einen Jahr ermordet wurden. Der „Erfolg“ besteht darin, dass ungefähr die Hälfte der Fälle unaufgeklärt ist.

 

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