„Zeugen vom Erfindergeist ihrer Erbauer“ – Marke Eigenbau: Zwischen Traktoren & DDR-Sportwaagen

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Als weitverbreitete Inbegriff des DDR-Automobilbaus hat sich vermutlich der Trabant eingeprägt. Und manchen Zeitgenossen fällt vielleicht noch der Warttburg ein. Doch gerade in kleinen landwirtschaftlichen Betrieben war Kreativität gefragt und so sind viele Fahrzeuge des Typs „Marke Eigenbau“ entstanden. Meist aus PKW-Teilen sind neue Fahrzeuge – insbesondere Schlepper und Traktoren – entstanden. Sogar ein echter DDR-Rennwaagen ist – mehr oder weniger – hinterm Rücken der DDR-Führung entstanden. Noch heute legen diese Fahrzeuge ein beeindruckendes Zeugnis vom Erfindergeist ihrer Erbauer ab.

„Alle Fahrzeuge sind Unikate und zeugen vom Erfindergeist ihrer Erbauer“  

>>Erasmus Schröter Fotografie<<

„In der DDR war der Kauf von Traktoren nur den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) vorbehalten. Private Bauern waren davon ausgeschlossen. Sie bauten sich aus alten Autos, Motorrädern und anderen verfügbaren Teilen ihre Traktoren und Landmaschinen selbst. Alle Fahrzeuge sind Unikate und zeugen vom Erfindergeist ihrer Erbauer.“

Marke Eigenbau: „Sie bauten sich aus alten Autos, Motorrädern und anderen verfügbaren Teilen“ 

Viele Fahrzeuge wurden mit viel Fleiß, Organisationstalent und Phantasie ihrer Schöpfer erschaffen. Zur Teilebeschaffung wurden verschiedene Quellen angezapft und sich zum Teil sehr unterschiedlichen Fahrzeugtypen bedient.

Marke Eigenbau: „Alles Original Trabant, nur das Getriebe ist aus einem Moskwitsch“ 

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„Alles Original Trabant, nur das Getriebe ist aus einem Moskwitsch“. Als Tüftler in der DDR musste man kreativ sein, um an die richtigen Fahrzeuge und Geräte für die Arbeiten in der Landwirtschaft zu kommen. Hobby-Schrauber … haben aus Teilen von LKW, Trabi, Motorrad oder aus Schrottteilen vollkommen neue Landmaschinen, wie Traktoren, Schlepper und Trecker gebaut. Diese Oldtimer sind ein Abbild des erfinderischen Geistes der Tüftler von damals.“

„Diese Oldtimer sind ein Abbild des erfinderischen Geistes der Tüftler von damals“

Diese Form des Fahrzeugbaus wurde in der DDR geduldet, aber im Endeffekt keineswegs unterstützt. Auf diese Weise hat sich Heinz Melkus seinem Rennwaagen zusammengebaut, welche sogar eine offizielle Zulassung erhielt.

MELKUS RS1000: „Initiative wurde in der DDR nicht automatisch gefördert“

>>Auto Bild<<

„Initiative wurde in der DDR nicht automatisch gefördert. Zumal wenn sie einen spaßigen Beigeschmack hatte. Oder gar ein Aroma von Privatwirtschaftlichkeit. Mit Überzeugungskraft und Beharrlichkeit hat Heinz Melkus es dennoch geschafft, einen Rennwagen zu bauen.“

Wie im „Arbeiter- und Bauernstaates“ ein DDR-Sportwaagen entstand?

Ein Rennwaagen wollte allerdings nicht so recht ins Bild des „Arbeiter- und Bauernstaates“ passen. Normalerweise wäre vermutlich solch ein Projekt verhindert worden, aber es kamen eine Reihe glücklicher Umstände zusammen. Der 20. Jahrestag der DDR im Jahr 1969 sollte schließlich gebührend gefeiert werden und so richtig hat damals vermutlich kein SED-Parteifunktionär an die Realisierung geglaubt. Aber als der Waagen der Öffentlichkeit – wider Erwarten – präsentiert wurde, dann trat man die Flucht nach vorn an. Der Waagen wurde einem internationalen Publikum vorgestellt und hat eine Straßenzulassung erhalten.

MELKUS RS1000: „Sportwagen der DDR von 1969 bis 1979 von der Melkus KG in Dresden gefertigt“

>> MELKUS Sportwagen & Fahrzeugpflege<<

„Der MELKUS RS1000 wurde als einziger straßenzugelassener Sportwagen der DDR von 1969 bis 1979 von der Melkus KG in Dresden gefertigt. Es entstanden in diesem Zeitraum insgesamt 101 Stück des auf WARTBURG 353 basierenden Leichtbau Rennsportwagens mit der zeitlos schönen Karosserieform und den unverwechselbaren Flügeltüren. Mit der Produktion wollte Firmengründer Heinz Melkus auch im Rennsport der DDR ein Zeichen setzen.“

„Leichtbau Rennsportwagens mit der zeitlos schönen Karosserieform und den unverwechselbaren Flügeltüren“

Die allermeisten in der DDR gefertigten Fahrzeuge wurde aber nicht als Melkus RS 1000, sondern als Wartburg-Umbau zugelassen. Auch wenn sein äußeres Erscheinungsbild es nicht wirklich vermuten lässt: Die allermeisten Bauteile des Melkus wurden vom Wartburg entnommen. Solche Umbauten sind heutzutage eher unterm Begriff Fahrzeugtuning bekannt und letztlich lassen sich darunter auch viele heutige PKW-Umbauten einordnen.