Carbontrans: „Aus Abfall entsteht so ein wertvoller Rohstoff für die chemische Industrie“

Screenshot youtube.com

Carbontrans könnte als zukünftiger Rohstoff Verwendung finden. Plastikabfall in Kombination mit Braunkohle, könnte als Basis für einen potentiellen Industrierohstoff dienen.

>>Focus<<

„Sachsen-Anhalt soll eine große Forschungsanlage für die Gewinnung von neuen Rohstoffen aus Plastikmüll und Braunkohle bekommen. Das Pilotprojekt soll am Chemiestandort Leuna im Saalekreis angesiedelt werden, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Forscher des Fraunhofer-Instituts wollen mit innovativen Verfahren neue Grundstoffe gewinnen, mit denen die chemische Industrie weniger abhängig von Erdgas und Erdöl wird. Für die Finanzierung des Großprojekts soll auch der Bund gewonnen werden. Zunächst berät die schwarz-rot-grüne Landesregierung darüber, die Forschungen selbst mit einem zweistelligen Millionenbetrag zu unterstützen. Ergebnisse der Gespräche und Details zum Projekt wird Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) heute in Magdeburg vorstellen. Im Land gibt es derzeit bereits Forschungsprojekte zur Frage, wie man Braunkohle künftig anders nutzen kann. Hintergrund ist die Diskussion, auf mittlere Sicht aus der als dreckig geltenden Verbrennung der fossilen Kohle zur Stromgewinnung auszusteigen. Sachsen-Anhalt hat mit der Mibrag einen großen Braunkohleförderer im Land. Die Region im Süden des Landes sowie im Raum Leipzig fürchtet den Wegfall des Wirtschaftszweigs mit Tausenden Arbeitsplätzen. Daher sucht die Politik Ideen, wie Kohle anders genutzt und Arbeitsplätze aus anderen Branchen vor Ort angesiedelt werden können.“

 

>>ZfK Zeitung für kommunale Wirtschaft<<

„Wir produzieren Plastikmüll in Massen. Kann daraus ein Grundstoff für neue Produkte entstehen? Fraunhofer-Forscher wollen das mit einer neuwertigen Pilotanlage in Leuna herausfinden. In Leuna soll nach dem Willen der sachsen-anhaltischen Regierung erforscht werden, wie aus Plastikmüll und Kohle einer neuer Rohstoff werden kann. Die Pilotanlage soll am Chemiestandort entstehen und von Forschern des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle genutzt werden. In einem ersten Schritt beschloss das schwarz-rot-grüne Kabinett am Dienstag, für das Projekt namens «Carbontrans» 15 der benötigten 30 Mio. Euro bereitzustellen. Von 2022 an sollen die Anlage entstehen und 30 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Derzeit wird Plastikmüll zum überwiegenden Teil verbrannt, wie Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte. Dabei entsteht viel klimaschädliches Kohlendioxid. Plastik wird zudem aus Erdöl gewonnen, einem endlichen Rohstoff. Funktioniert die Idee der Forscher, kann der Plastikmüll durch eine Spezialbehandlung zusammen mit Braunkohle zu einem neuen Grundstoff aus Kohlenstoff, englisch Carbon, verarbeitet werden. Die chemische Industrie könnte daraus Produkte fertigen, für die bisher Erdgas und Erdöl als Basis benötigt werden. Bei dem Großprojekt sind der Braunkohleförderer Mibrag und das Kohlechemieunternehmen Romonta im Boot. Allerdings ist noch unklar, ob das Projekt startet. Die Hälfte der Investitionssumme soll der Bund zuschießen. Auch der Fraunhofer-Ausschuss muss noch zustimmen. Entscheidungen erwartet die Landesregierung noch in diesem Jahr. Zudem muss nach Aussage von Willingmann grünes Licht für ein Vorhaben an der sächsischen TU Freiberg kommen. Dort soll mit Bundesgeld für 18 Mio. Euro ein neuartiger Reaktor entwickelt und getestet werden, der für die Arbeit in Leuna benötigt wird. Er soll nach der Erprobungsphase zu «Carbontrans» umziehen. Die Technologieplattform passe perfekt zum Chemieschwerpunkt in Sachsen-Anhalt, könne aber nur realisiert werden, wenn alle Partner zustimmten, räumte der Wirtschaftsminister ein. Die Bereitschaft, Landesgeld bereitzustellen, will er als Signal verstanden wissen. In Sachsen-Anhalt und am IMWS laufen bereits Projekte zur Frage, wie Braunkohle künftig anders genutzt werden kann. Hintergrund ist die Diskussion, auf mittlere Sicht aus der als zu belastend geltenden Verbrennung der fossilen Kohle zur Stromgewinnung auszusteigen. Das trifft den Süden des Landes, wo am Braunkohlerevier derzeit Tausende Arbeitsplätze hängen.

 

>>Recycling Magazin<<

„Synthesegase, die hauptsächlich aus Wasserstoff und Kohlenstoffmonoxid bestehen, sind ein bedeutender Ausgangsstoff für die chemische Industrie. Sie werden derzeit meist auf Basis von Erdöl hergestellt, so das Institut. In der Pilotanlage in Leuna sollen stattdessen andere Kohlenstoffträger genutzt werden, beispielsweise kohlenstoffhaltige Abfälle wie Plastikmüll oder Reste der Biomasse-Nutzung. Diese werden nicht wie bisher verbrannt, sondern zusammen mit Kohle vergast – aus Abfall entsteht so ein wertvoller Rohstoff für die chemische Industrie, heißt es weiter. Kern der Konversionstechnik ist laut IMWS ein Reaktor, in dem die Ausgangsstoffe mit Sauerstoff und Wasserdampf unter Wärmeentwicklung bei Temperaturen von 1.000 °C und darüber behandelt werden. Durch das Hinzufügen von Wasserstoff kann nach weiterer Aufbereitung und Aufreinigung ein Synthesegas gewonnen werden, das nahezu vollständig in Syntheseprodukte umgewandelt wird. Die Versorgung mit Wasserstoff und Sauerstoff erfolgt durch die derzeit ebenfalls in Leuna entstehende Elektrolyseplattform: Dort werden diese Elemente mittels Elektrolyse unter Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt. „Mit der Pilotanlage kann es gelingen, eine von Erdöl und Erdgas weitgehend unabhängige Rohstoffbasis für die energieintensive chemische Industrie in unserem Land zu erschließen.“

Auf diese Weise könnte auch in der Lausitz eine neue Industrie entstehen: Die Lausitzer Braunkohle in Verbindung mit Plastikabfall könnten viele Arbeitsplätze schaffen.

 

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