Steinerne Lausitzer Himmelsscheibe – „Die gleiche Beobachtungsweise gestattet wie auf der Himmelsscheibe von Nebra“

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Ob es sich bei der eindrucksvollen Steinformation mit der Bezeichnung Thors Amboss (im Güttlerbüschel) um die Reste eines ehemaligen Steingrabs handelt oder ob die Steine bewusst nach astronomischen Gesichtspunkten(Sonnenbeobachtung) aufgestellt wurden, ist ungewiss. Auch eine kultische Nutzung ist bis heute nicht nachgewiesen.“ Diese Beschreibung des Steinformation mit der Bezeichnung „Thors Amboss“ ist auf der Webseite von >>Digital Culture<< zu lesen und es dürfte ungefähr die wissenschaftliche Ansicht widerspiegeln.

„Eindrucksvollen Steinformation mit der Bezeichnung Thors Amboss“

Ob der Name „Thors Amboss“ nun glücklich gewählt sei, dies kann mal hier offen bleiben. Auf alle Fälle hat die Behauptung eines „Steingrabes“ niemand – außer einige vielleicht einige Wissenschaftler – wirklich aufgestellt. Überspitzt: Der Fall wird ins Lächerliche gezogen, gesicherte Erkenntnisse wegerklärt und ansonsten findet keinerlei Forschung statt. Vom wissenschaftlicher Objektivität ist nicht viel zu spüren. Dieser Fall legt ein bisschen exemplarisch das Verhältnis der heutigen etablierten Wissenschaft zu prähistorischen Kulturgütern offen, obwohl deren Bedeutung für das regionale Verständnis essentiell ist.

„Präsentieren sich einige Felsen als funktionstüchtige Kalender zur Bestimmung der vier Jahreszeiten“

>>Gemeinde Oppach (PDF-Datei) <<

„Wenn es tatsächlich irgendwann einmal Sonnenheiligtümer in dieser Gegend gegeben hat, dann sollten ihre Spuren am ehesten wohl an jenen, alle Zeit überdauernden steinernen Orten zu finden sein. Durch diese Vermutung wurde ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen, um in den Wäldern nach solchen Anzeichen zu suchen. Tatsächlich präsentieren sich einige Felsen als funktionstüchtige Kalender zur Bestimmung der vier Jahreszeiten. … So z.B. der Teufelsstein von Pließkowitz, das sogenannte „Stonehenge vor den Toren der Stadt Bautzen“. Die im Felsen eingeklemmte Steinplatte lag einst als Brücke über dem Sonnentor. Sie enthält die legendären Sitzeindrücke (Arschbacken) des Teufels, zwei mutmaßliche Opferschalen. Weitere durch Menschenhand geschaffene oder veränderte Gebilde gibt es beispielsweise am Czorne- und Bieleboh, auf den Kälbersteinen, auf dem Hainberg bei Neusalza- Spremberg (Thors Amboss) und viele andere, die hier gar nicht alle aufgezählt werden können.“

„Weitere durch Menschenhand geschaffene oder veränderte Gebilde gibt es beispielsweise am Czorne- und Bieleboh“

Natürlich ist das regionale Interesse an die vielen bizarren Felsgebilde in der Lausitz unübersehbar. Dieses Gebiet war ursprünglich mehrheitlich durch die Lausitzer Sorben bewohnt und diese zeichnen sich noch heute durch ein besonderes Verständnis für das Wechselspiel von Werden und Vergehen der Natur aus.

Kultur der Sorben: „Wärme, Sonne und das erwachende Grün als Sinnbilder für Werden und Vergehen“

>>Sächsische.de<<

“ … so auch bei den Sorben/Wenden in der Ober- und Niederlausitz, nehmen das Ei, Licht, Wärme, Sonne und das erwachende Grün als Sinnbilder für Werden und Vergehen, für Fruchtbarkeit, Auferstehung und Hoffnung auf neues Leben eine zentrale Rolle ein, so die Kuratorin. Maik Lagodzki erzählt im Wendischen Museum in seiner Fotoserie „Koukaran“ eine ganz individuelle Geschichte von Vergänglichkeit, Tod und Auferstehung. Mit dem besonderen Blick fürs Detail und hinter die Kulissen porträtiert er einen wendischen Pfarrer und begleitet mit seiner Kamera wendische Ostersängerinnen im Spreewaldort Werben bei Cottbus.“

„Fotoserie „Koukaran“ eine ganz individuelle Geschichte von Vergänglichkeit, Tod und Auferstehung“

Die besondere Verbindung zu Natur und das Wechselspiel der Jahreszeiten ist also noch heute allgegenwärtig bei den Sorben. In diesem Kontext lässt sich auch die Funktionsweise des „Bielybog-Altar“ verstehen. Einer der höchsten Berge des Lausitzer Berglandes stellt zugleich eine vorchristliche sorbische Gottheit dar und genau dort ist ebenfalls die Steinformation des „Bielybog-Altar“ zu finden.

„Sorbischen Begriff Čorny Bóh (schwarzer Gott), so steht das Biele (běły) hier für weiß“

>>Geschichtliches Cunewalde<<

„Berg Bieleboh – Der Name Bieleboh weist von der Namensbedeutung her Ähnlichkeiten zum benachbarten Berg Czorneboh auf. Bezieht sich letzterer auf den sorbischen Begriff Čorny Bóh (schwarzer Gott), so steht das Biele (běły) hier für weiß. Die Namen legen einen Bezug auf eine vorchristliche sorbische Mythologie nahe, über die es jedoch keine gesicherten Informationen gibt. … Karl Benjamin Preusker zeichnete 1841 eine mit Sagen behaftete Steinformation des Berggipfels, die er als „Bielybog-Altar“ bezeichnete. Er vertrat dabei die Ansicht, dass dieser Felsen als uralter, heidnischer Opferaltar diente. Kalendarische Sonnenbeobachtungen fanden hier statt. 1936 wurde der Berg von den Nationalsozialisten im Zuge der Germanisierung sorbischer Flurnamen in „Huhberg“ umbenannt. Er bekam seinen Namen jedoch nach 1945 zurück.“

„Karl Benjamin Preusker zeichnete 1841 eine mit Sagen behaftete Steinformation des Berggipfels, die er als „Bielybog-Altar“ bezeichnete“

Zwar hat der Berg seinen Namen zurückbekommen: Dennoch ist das sichtbare Desinteresse der Wissenschaft geblieben. So merkwürdig es vielleicht klingen mag, aber gerade christliche Geistliche haben viel zum Erhalt und Erforschung beigetragen.

„Christliche Geistliche“ –  „Die zur Erforschung vorchristlicher Religiösität beitrugen“

>>Die Fährte des Lichts von Ralf Herold (Buch) <<

„Vor allem nach der Reformation (1517-1648) waren es zunehmend auch christliche Geistliche, die zur Erforschung vorchristlicher Religiösität beitrugen und schlußendlich, im völligen Gegensatz vergangener Kirchenpraxis, auch einen Beitrag zum Schutz von Resten nichtchristlicher heiliger Stätten leisteten. … Anfängliche Deutungen, die in historischen Flurnamen Spuren vorchristliche Religiösität zu erkennen meinten, werden von der jüngeren Forschung überwiegend abgelehnt und profan umgedeutet, obwohl es für beide Sichtweisen keine zweifelsfreien Belege gibt, sie also gleichermaßen unsicher sind. Hinweise auf vorchristliche Religiösität in Flurnamen werden in heutigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen offenbar weitestgehend vermieden, und wenn doch einmal erwähnt, dann eher als unglaubwürdig klassifiziert. Ein Flurname jedoch, sofern sein Ursprung und seine Bedeutung nicht zweifelsfrei beurkundet ist, kommt mit der Gesamtheit seiner verschiedenen Deutungen nach Ansicht des Autors kulturhistorisch der Sage und Legende gleich und ist daher mindestens erinnerungswürdig.“

„Historischen Flurnamen Spuren vorchristliche Religiösität“ – „Von der jüngeren Forschung überwiegend abgelehnt und profan umgedeutet“

Auch hier ist von einer wissenschaftlichen Objektivität wenig zu spüren. Ganz anders sieht die Situation jedoch bei der Himmelsscheibe von Nebra aus. Schließlich soll sie „konkrete Darstellung astronomischer Phänomenezeigen können.

„Fund der bronzenen Himmelsscheibe von Nebra im Jahr 1999 auf dem Mittelberg nahe Halle in Sachsen-Anhalt war eine Sensation“

>>Geschichte der Mathematik in ihren Kontexten von Gert Schubring (Buch) <<

„Der Fund der bronzenen Himmelsscheibe von Nebra im Jahr 1999 auf dem Mittelberg nahe Halle in Sachsen-Anhalt war eine Sensation, weil auf ihr erstmals der Himmel abgebildet ist, mit Sonne, Mond und den Plejaden, einem für die Bauern wichtigen Sternbild. Die anderen Sterne ließen sich nicht zuordnen. Das Material für das Gestirn besteht aus Goldblechauflage. Etwa 1600 bis 1500 v. Chr. wurde die Scheibe mit Beigaben in den Boden gelegt. Die Differenz des Sonnenauf- und –untergangs zur Zeit der Wintersonnenwende beträgt an diesem geographischen Ort 82 Grad in der Realität wie auch auf der Scheibe. Dadurch war sie als Kalendarium einsetzbar.“

Himmelsscheibe von Nebra: „Etwa 1600 bis 1500 v. Chr. wurde die Scheibe mit Beigaben in den Boden gelegt“

Niemand wird die Bedeutung des Fundes infrage stellen. Doch jenseits davon: Die Himmelsscheibe von Nebra ist beinahe selbst zum neuzeitlichen kultischen Objekt der hiesigen Wissenschaftsgemeinde aufgestiegen. Wer möchte, derjenige kann sich dazu nicht etwa in die biblische Arche, sondern in die wissenschaftliche „Arche Nebrabegeben. – Ja, die gibt es wirklich. Zeitgleich es in der Lausitz eine „steinerne Himmelsscheibe“ mit durchaus vergleichbaren Funktionen gibt.

„Thors Amboss“ – „Die steinerne Himmelsscheibe“

>>Götterhand<<

„Thors Amboss – „Die steinerne Himmelsscheibe“ … Das Objekt erhielt den Beinamen „Die steinerne Himmelsscheibe“ weil der Felsen im großen Nord-Süd-Sichtfenster die gleiche Beobachtungsweise gestattet wie auf der Himmelsscheibe von Nebra dokumentiert ist. Sonnenauf- und -untergang der Winter- und Sommersonnenwende sowie des Sonnenaufganges des Frühlings- und Herbstanfangs. Zusätzlich ist die Sonne zur Wintersonnenwende bis gegen Mittag und die Sonne der Sommersonnenwende gegen Abend in einem besonders markanten Sichtfenster in der Flucht einer Höhle zu sehen.“

„Beinamen „Die steinerne Himmelsscheibe“ weil der Felsen im großen Nord-Süd-Sichtfenster die gleiche Beobachtungsweise gestattet“

Die astronomischen Funktionen der Himmelsscheibe von Nebra und Thors Amboss sind nahezu deckungsgleich. Zusätzlich werden beide „Himmelsscheiben“ der prähistorischen Zeit zugeordnet und zu allen Überfluss ist die Lausitzer Himmelsscheibe vermutlich noch älter. Doch die vermeintlich „objektive“ wissenschaftliche Bewertung könnte kaum unterschiedlicher ausfallen.