Lenkung der Öffentlichkeit: Aufmerksamkeit als Geheimdienststrategie

Screenshot youtube.com

Informationssteuerung: Eines der wesentlichen Instrumente der Geheimdienste um die Öffentlichkeit zu lenken. Das Hauptmerkmal ist Aufmerksamkeit: Auf diese Weise werden auch Nachrichten produziert, die in Wahrheit einen ganz anderen Zweck erfüllen.

>>Spiegel<<

„Die „Brigitte“, der „Playboy“, das Lifestyle-Magazin „Max“: Sie alle haben schon beim Bundesnachrichtendienst (BND) angerufen. Mal ging es um das Berufsbild des Agenten, mal um Karrierechancen bei den Schlapphüten. Nicht immer ist also gleich die dunkle Welt von Terrorismus, Waffenschmuggel, Spionage und Organisierter Kriminalität das Thema, wenn bei der BND-Pressestelle das Telefon klingelt. Dass die dortigen Mitarbeiter sich seit 1998 sogar mit ihren wirklichen Namen melden, ist Teil einer Charme-Offensive: Der Dienst soll transparenter, moderner, vielfältiger und demokratischer erscheinen. … Dass Denunziation und Ausschnüfflei sich nicht mit dem Berufsethos vertragen, ist in der Branche einhellige Meinung. Kompliziert aber wird es an einem anderen Punkt: Der alltäglichen Zusammenarbeit zwischen Presse und Geheimdiensten (das sind außer dem BND noch der Militärische Abschirmdienst und der Verfassungsschutz). Einige dutzend Journalisten in Deutschland gehören zu jener Spezies, deren thematische Schwerpunkte immer wieder die Arbeit der Nachrichtendienste berühren. Für ihren Umgang mit den Diensten hat bisher nicht einmal der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) Leitlinien formuliert. Das Spannungsfeld hat dabei viele Facetten. Zum einen wollen Journalisten wissen, was die Dienste denken; die aber haben ihrerseits ein genau so großes Interesse daran zu erfahren, was die Rechercheure noch im Köcher haben. Denn auch, wenn die eine Seite die Öffentlichkeit sucht und die andere sie meidet, wird hier doch eine Gemeinsamkeit der beiden Metiers deutlich: Die Gewinnung von Informationen und das möglichst präzise Abschätzen des Wissensstandes bei allen anderen.“

 

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„Schließlich nutzen die mächtigen, intransparenten und demokratisch nicht kontrollierbaren Geheimdienste ihren Datenschatz auch zum Erhalt der eigenen Macht. Der »Staat im Staat« existiert nicht nur in der Türkei, die Dienste führen ein Eigenleben. Dabei kann eine Demokratie ohne Privatsphäre nicht funktionieren. Menschen brauchen einen »Kernbereich privater Lebensführung« zum Rückzug, zur Entwicklung und zur Reflexion. Stattdessen gibt es keine unbeobachtete Kommunikation mehr. Durch die Digitalisierung wird jede kleine Handlung von Computern verarbeitet – und damit von den Geheimdiensten abgeschnorchelt: Einkäufe, Reisen, Zahlungen, bald auch Zähneputzen und Autofahren. Und natürlich sämtliche Kommunikation und Interaktion. Das bedroht die Demokratie im Kern.“

 

>>Futurezone.de<<

„Das US-Heimatschutzministerium ( Department of Homeland Security) hat eine Ausschreibung für eine Software-Lösung veröffentlicht. Gesucht wird eine Datenbank, die Informationen zu über 290.000 „globalen Nachrichtenquellen“ sammelt und auswertet. Das klingt jetzt nicht so schlimm, bis man sich fragt, wie das Heimatschutzministerium auf die hohe Zahl von 290.000 Medien kommt. Laut der Ausschreibung handelt es sich dabei nicht nur um traditionelle Medien und ihre Web-Plattformen, wie Print, TV und Radio, sondern auch um einzelne Journalisten, Korrespondenten, Social Media Influencer, Blogger und ähnliche. Die Software soll analysieren können, wer bei welchem Thema der wichtigste Influencer ist. Zudem sollen die Daten der Influencer gesammelt werden, wie etwa Name, Wohnort, Adresse, Kontaktdaten, die Art ihrer Berichterstattung und „jede andere Information, die relevant sein könnte.“ Menschenrechtsschützer schlagen deshalb Alarm. Kritische Medien wurden schon immer überwacht. Mit diesem Programm würden jetzt aber systematisch die Aktivitäten von Bloggern und Influencern weltweit überwacht und ausgewertet werden, selbst wenn die möglicherweise keine politischen Ambitionen oder eine für die US-Sicherheit relevante Berichterstattung haben.“

Die Auswertung von Informationen nimmt bei den Geheimdiensten eine Schlüsselposition ein: Auf welchen Weg verbreiten sich Nachrichten und welcher Journalist war die ursprüngliche Quelle. Und die noch viel entscheidendere Frage: Wie kann man den Informationsfluss steuern oder wenigstens beeinflussen? Durch streuen von belanglosen oder falschen Informationen: Zu diesen Zweck treten Journalisten auf den Plan, die entweder selbst Agenten sind oder willfähig mit den Diensten zusammenarbeiten.

>>Blick<<

„Mike Hughes (61) meint es ernst: Der Verschwörungstheoretiker bastelt an einer Rakete, mit der er sich in zwei Wochen in die Luft schiessen wird. Dann könne er endlich den Beweis festhalten, dass die Erde flach sei.“

Informationssteuerung: Eine – häufig gebrauchten – Standarderklärungen der Dienste für die Agenten im Feld lautet um andere „Meinungen“ auch Gehör zu verschaffen. Klingt wenig glaubwürdig – muss es auch nicht: Denn die Agenten erhalten nicht selten dafür ein stattliches Gehalt oder andere geldwerte Vorteile.

 

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