Warum der Wolf die Nähe des Menschen sucht

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Wölfe verhalten sich von Natur aus vorsichtig dem Menschen gegenüber, weshalb sie selbst in unserer Kulturlandschaft ohne Jagddruck eine Begegnung mit den Menschen meiden.“ Das ist keine willkürliche Meinung, sondern die offizielle Haltung zum Thema – Wolf. Nur fördert die reale Wirklichkeit, ein ganz anderes Wolfsverhalten zu Tage. Tatsächlich sucht der Wolf regelrecht die Nähe des Menschen und das hat wissenschaftlich belegte Gründe.

Wölfe spazieren durch Dörfer

>>Der Tagesspiegel<<

„Als Erstes sah der Mitarbeiter eine Blutspur, fünfzig Zentimeter breit. „Die Spur führte aus dem Stall heraus und an ihrem Ende lag ein Pansen“, sagt Silvia Balzer, Geschäftsführerin der Agrargenossenschaft Trebitz-Klein Muckrow bei Lieberose im Brandenburger Landkreis Dahme-Spreewald. „Was sonst noch von dem Kälbchen übrig geblieben war – Schädel und Hinterbeine –, fand unser Mitarbeiter etwas weiter weg. Die haben das Tier förmlich zerrissen.“ Die Beute wurde nach draußen gezerrt Gemeint sind Wölfe, und zwar mehrere – da ist sich Silvia Balzer sicher.“

Wölfe: „Die haben das Tier förmlich zerrissen“

Das Kalb wurde in einem Stall – also in unmittelbarer Nähe des Menschen – gerissen. Der vermeintlich „scheue Wolf“ spaziert also in Wirklichkeit durch die Dörfer und dringt sogar in Gebäude ein. Wie passt dieser Vorfall also zur amtlichen Haltung? – Dazu gibt es keinen offiziellen Kommentar.

Wölfe dringen in Gebäude ein

>>Bild<<

„Prof. Dr. Dieter Rost (77), Vize-Chef der AG Wolf des Landesjagdverbandes, sagt: „Als meine Tochter vom ärztlichen Sonntagsdienst kam, ging sie gegen 20 Uhr zum Joggen. Auf dem Wanderweg am Mönchswalder Berg hörte sie plötzlich lautes Knacken. Da rannte der Wolf auf sie zu und ging ihr zwischen die Beine – ein Rüde, der sogar einen Peilsender am Halsband trug. Als sie schrie, wich der Wolf zurück, verschwand im Wald.“

„Da rannte der Wolf auf sie zu“

Laut staatlichen Rundfunk soll es sich um keinen Wolf, sondern um Wolf-Hund-Mischling gehandelt haben, der angeblich frei in der Wildbahn herumläuft. Die ganze Argumentation ist hierbei regelrecht hanebüchen. Ein frei laufender Wolfshybrid ist für gewöhnlich viel gefährlicher als ein reinrassiger Wolf, weil sein Verhalten vollkommen unberechenbar ist. Der Artikel im staatlichen Rundfunk – suggeriert zwar Entwarnung – aber eigentlich bedeutet die gezogene Schlussfolgerung: Eine erhöhte Gefahr. Doch die ganze These von Wolf-Hund-Mischling mit Sendehalsband: Die steht allerdings auf sehr wackligen Beinen.

Die umstrittene These von Wolf-Hund-Mischling mit Sendehalsband

Welche staatliche Stelle sollte solche Tiere in freier Wildbahn herumlaufen lassen? Dazu schweigt sich der staatliche Rundfunk aus. Es wird zwar angedeutet, dass in der Tschechoslowakei solche Tiere in der Vergangenheit gezüchtet wurden – was zwar stimmt – aber die Mischlinge wurden keineswegs ausgesetzt. Die gezielte Zucht wurde schon vor Jahrzehnten eingestellt und von verwilderten tschechischen oder slowakischen Wolshybiden war bisher auch nichts bekannt. Das Framing des staatlichen Rundfunk soll auf darauf abzielen: Das ein Wolshybrid aus Tschechien der angebliche Übeltäter sein soll.

Wolfspolitik: Zwischen Halbwahrheiten und dubiosen Gutachten

Dazu wird ein ominöses Gutachten in Spiel gebracht, was praktischer Weise nicht öffentlich einsehbar ist. Die einfachste Erklärung dürfte aber sein: Es war ein Wolf und die staatlichen Stellen behaupten schlicht die Unwahrheit. Im Allgemeinen ist der Fall aber sehr Typisch: Beschwichtigungen, Verharmlosen und das ganze anschließend Framen mit Halbwahrheiten. In diesen ganzen undurchsichtigen Geflecht, sind also offizielle Verlautbarungen mit äußerster Vorsicht zu genießen.

Professor für Wildökologie: Warnt vor „unrealistischen Wolfsbild“

>>Focus<<

„Sven Herzog ist Professor für Wildökologie an der Technischen Universität Dresden und warnt ebenfalls vor einem unrealistischen Wolfsbild. … „Die Raubtiere sind aber nur scheu, wenn sie gejagt werden, wie etwa in Russland und Estland.“ In Deutschland fehlten ihnen die negativen Erfahrungen, um sich von Menschen fernzuhalten.“

Wölfe: „Nur scheu – wenn sie gejagt werden“

Diese wissenschaftliche Stellungnahme steht im eklatanten Widerspruch zur amtlichen Verlautbarung: „Wölfe verhalten sich von Natur aus vorsichtig dem Menschen gegenüber, weshalb sie selbst in unserer Kulturlandschaft ohne Jagddruck eine Begegnung mit den Menschen meiden.“ Auch die Praxis zeigt vielmehr, dass der Wolf keineswegs Scheu ist, sondern vielmehr die Nähe des Menschen regelrecht sucht.

 

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