Was der „Haltungsjournalismus“ wirklich über sein Publikum denkt

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Anonyme Briefe. Öffentlich Anschuldigungen. Hinterm Rücken gestickt Intrigen. Kein Fernsehspielfilm, sondern vielmehr die gelebte Realität hinter dem Fernsehkulissen. Der staatliche Rundfunk ist geprägt von Streitereien. Oder mit anderen Worten: „Wir fetzen uns gerne und oft.“ Zuschauer und Gäste bekommen dabei auch „ihr Fett“ ab. Was die Nachrichtenansager über ihr Publikum wirklich denken: Das sei – angeblich – keine Nachricht wert.

Anonyme Briefe: Die Angst vor dem Chefredakteur

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„In einem Brandbrief erheben ARD-Mitarbeiter gegen den Chefredakteur der ARD-Nachrichten Kai Gniffke schwere Vorwürfe. In dem Brief wird beschrieben, dass die Nachtschicht (21:45 bis 6 Uhr) bei ARD-aktuell für TV-Redakteure abgeschafft wurde. Diese war dafür da, um aktuelle Nachrichten auch in der Nacht zu produzieren. Stattdessen gebe es jetzt nur noch eine Kurzausgabe der „Tagesschau“ (zwischen 2:40 Uhr und 4:40 Uhr).“

Hinterm Rücken: Heimliche Programmänderungen

Der Brief ist anonym verfasst – Grund: Die Angst vor dem Chefredakteur. Weiter ist im Brief von fragwürdigen Umschichtungen von Geld die Rede, um: „Löcher im Dienstplan stopfen“ . Der Sender selbst verweigert dazu jegliche Stellungnahme, mit der vielsagenden Begründung: „Wir pflegen im NDR eine Kultur der offenen Kritik und äußern uns deshalb zu anonymen Zuschriften grundsätzlich nicht“ – Wäre dem tatsächlich so: Wären anonyme Beschwerdebriefe von Mitarbeitern, die sich über ein „Klima der Angst“ beklagen wohl überflüssig.

Claus Kleber: „Wir fetzen uns gerne und oft“

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„Claus Kleber: „Wir fetzen uns gerne und oft“, sagt der ZDF-Moderator im journalist-Interview.“

Nach einer  „Kultur der offenen Kritik“ sieht das nicht unbedingt aus. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, dass die Mitarbeiter hoffnungslos in Intrigen verstrickt sind: Und die obersten Bosse gewissermaßen die „größten Keulen“ schwingen.

„Kultur der offenen Kritik“ – Oder Kultur der permanenten Angst?

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„Im journalist-Interview sagt Kleber: „Ich habe noch keinen Beitrag moderiert, den ich nicht senden wollte.“ Als Haltungsjournalismus will der ZDF-Moderator das jedoch nicht verstanden wissen: „Ich habe Schwierigkeiten mit dem Begriff, weil Haltung oft als Feigenblatt für Denkfaulheit dient.“

Intrige gegen Anja Reschke: „Haltung oft als Feigenblatt für Denkfaulheit“

Auch die Verneinung des „Haltungsjournalismus“ steht im direkten Widerspruch zu Äußerungen von Anja Reschke: Ihr reicht Haltung bei weitem nicht aus und sie fordert stattdessen – mehr oder weniger – offen ein Erziehungsfernsehen. Die internen Grabenkämpfe finden also teilweise in der Halböffentlichkeit statt. Natürlich wissen die Protagonisten ganz genau: Wem sie mit diesem „zweideutigen Ansagen“ treffen wollen.

Wie der Journalismus Haltung einnimmt

Einblicke in die interne Welt des Staatsfunks, bieten häufig ehemalige Mitarbeiter: Die langjährige Fernsehjournalistin Katrin Huß, wurde nach einem Interviewwo ein Gast offensichtlich zu viel Reden durfte – regelrecht durch ihren Vorgesetzten in die Mangel genommen.

„Was Herr Prof. Maaz für ein Mensch sei“ – „Nicht ganz dicht ist“

>>Die traut sich was!: Geschichten aus dem Leben einer Fernsehjournalistin von Katrin Huß (Buch) <<

„Er fragte, ob ich denn nicht wüsste, was Herr Prof. Maaz für ein Mensch sei und das man nicht alles, was der Mann sagt, einfach so stehen lassen konnte, schließlich sei er schon über siebzig Jahre alt. Dabei machte er eine Handbewegung vor dem Gesicht, die man verwendet, wenn man damit ausdrücken will, dass jemand nicht ganz dicht ist. »Sie sind haftbar und verantwortlich für das, was die Gäste in der Sendung sagen, und Sie haben politisch einzuschreiten im Sinne des MDR.« Dieser Satz hat sich Wort wörtlich in mein Gedächtnis eingebrannt und ich habe ihn mir danach aufgeschrieben. Was genau war denn im Sinne des MDR?

„Die Partei, die Partei, die hat immer recht“

Mir kam das Lied in den Kopf: »Die Partei, die Partei, die hat immer recht.« Ich versuchte, mich zu rechtfertigen und meinen Chefredakteur darauf hinzuweisen, dass die Quote der Sendung außerordentlich gut, mein Gesprächskonzept von der Redaktion abgenommen worden war, ich als Journalistin neutral zu bleiben hatte und es eine Menge positive Zuschriften seitens der Zuschauer gab. Er widersprach mir und meinte, es hätte auch negative Zuschriften gegeben. Als ich darum bat, diese sehen zu dürfen, wurde er laut und brüllte: »Die muss ich Ihnen nicht zeigen!« Dann bemerkte er weiter: »Als Sie die Frage von Sigmar Gabriel stellten, zum Thema Rechtsextremismus bei Pegida, da beugten Sie sich zu ihrem Studiogast vor. Wenn man jetzt Ihre Körpersprache analysieren würde, könnte man meinen, Sie stimmen dem Ganzen zu.« Ich bekam Angst und ein ganz komisches Gefühl. Was sollte dieses Gespräch? Sollte ich in die rechte Ecke gedrängt werden?“

„Sie haben politisch einzuschreiten im Sinne des MDR“

Einen angesehenen Psychoanalytiker als „nicht ganz dicht“ mit einer Handbewegung darzustellen, ist schon – „sehr gewagt“ . Selbst die eignen Zuschauer werden abwertend behandelt, dafür liefert die ehemalige Fernsehjournalistin zahlreiche Beispiele ab: Es ging sogar soweit, dass das eigene Publikum nicht einmal mehr von hinten gezeigt werden durfte. Der Sender „MDR“ will sich zum Buch überhaupt nicht äußern. Möglicherweise ist es nicht „im Sinne des MDR“ öffentlich darüber zu berichten: Was der Sender über seine Zuschauer und Beitragszahler wirklich denkt?

 

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