„Wie oft war dann der Satz gefallen“ – „Die da oben interessiert das eh nicht“

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Die da oben machen sowieso, was sie wollen.“ – Dieser Satz ist vermutlich häufiger zu hören. Außerhalb des Regierungsviertels ist allen Anschein nach diese Position schon mehrheitsfähig. Viele Menschen haben schon längst resigniert und versuchen nur noch irgendwie ihren Alltag zu bewältigen.

„Die da oben machen sowieso, was sie wollen“

>>Armut hier und heute von Adelheid Wedel (Buch) <<

„Bin ich überhaupt daran interessiert, informiert zu werden? Oder bin ich schon so resigniert, dass ich mir sage: Die da oben machen sowieso, was sie wollen. Ich kann nicht eingreifen und ich muss selber sehen, dass ich irgendwie über die Runden komme. Mir ist völlig egal, was in dieser Gesellschaft passiert. Falls es viele Menschen gibt, die so denken, wäre das ein großer Verlust für die Gesellschaft.“

„Mir ist völlig egal, was in dieser Gesellschaft passiert“

In der Tat sind es nicht nur viele Menschen die so denken, sondern – nach Umfragen – haben sie offenbar sogar die Mehrheit erreicht: Der Glaube an die Demokratie ist weitestgehend verloren gegangen.

„Einer Studie zufolge denken mehr als 60 Prozent der Bürger, dass in Deutschland keine echte Demokratie herrscht“

>>Zeit<<

„Einer Studie zufolge denken mehr als 60 Prozent der Bürger, dass in Deutschland keine echte Demokratie herrscht. … Wegen der zunehmenden Überwachung der Bürger sei Deutschland auf dem Weg in neue Diktatur, sagten 27 Prozent der Befragten.“

„Wegen der zunehmenden Überwachung der Bürger sei Deutschland auf dem Weg in neue Diktatur“

Nur noch eine Minderheit fühlt sich der „echten Demokratie“ verbunden. Allerdings spiegelt sich diese Wirklichkeit nicht im Öffentlichen-Rechtlichen Rundfunk ab, obwohl es hierfür eine rechtliche Grundlage gibt.

„Instrument der Meinungsbildung weder dem Staat noch einer gesellschaftlichen Gruppe ausgeliefert wird“

>>Bundesverfassungsgericht<<

„Art. 5 GG verlangt jedenfalls, daß dieses moderne Instrument der Meinungsbildung weder dem Staat noch einer gesellschaftlichen Gruppe ausgeliefert wird. Die Veranstalter von Rundfunkdarbietungen müssen also so organisiert werden, daß alle in Betracht kommenden Kräfte in ihren Organen Einfluß haben und im Gesamtprogramm zu Wort kommen können, und daß für den Inhalt des Gesamtprogramms Leitgrundsätze verbindlich sind, die ein Mindestmaß von inhaltlicher Ausgewogenheit, Sachlichkeit und gegenseitiger Achtung gewährleisten.“

„Mindestmaß von inhaltlicher Ausgewogenheit, Sachlichkeit und gegenseitiger Achtung gewährleisten“

Im Rundfunkstaatsvertrag ist der Passus näher ausgeführt. Und eigentlich müsste es gerade der Rundfunk viel besser wissen: Denn viele im Filmgeschäft geben – hinter Leinwand – eine ganz andere Stellungnahme ab.

„Kamerad, was hier steht und was die da oben auf der Leinwand sagen, das sind zwei verschiedene Welten“

>>Terence Hill: Die exklusive Biografie von Ulf Lüdeke (Buch) <<

„Sein Einstieg als Synchronsprecher gelang Rainer Brandt, der schon als Schauspieler für Theater und Kino gearbeitet hatte, als Roadmovies wie Easy Rider in Mode kamen und er eines Tages eine dieser Arbeiten mit einem Regisseur unter die Lupe nahm: »Ich sah mir den Schwachsinn an, der in den deutschen Büchern stand. Dann sagte ich zum Regisseur: ›Kamerad, was hier steht und was die da oben auf der Leinwand sagen, das sind zwei verschiedene Welten. … ‹ Denn diese Filme waren ja ein Protest gegen das prüde Amerika und die ganzen Scheißer da oben.« Seine ersten und maßgeblichen Erfahrungen auf dem Gebiet der Komödie hatte der extrem humorvolle Brandt bereits längst durch die Zusammenarbeit mit Wolfgang Neuss gesammelt, für den er die Gags schrieb und der in den 60er-Jahren zu den berühmtesten Kabarettisten in Deutschland zählte.“

„Denn diese Filme waren ja ein Protest gegen das prüde Amerika und die ganzen Scheißer da oben“

Alles nur isolierte Einzelmeinungen? – Oder sieht die Wirklichkeit etwas anders aus? Selbst innerhalb der Polizei dürften solche oder vergleichbare Aussagen keinerlei Befremdung auslösen.

„Wie oft war dann der Satz gefallen“ – „Die da oben interessiert das eh nicht“

>>Polizei am Limit von Nick Hein (Buch) <<

„Wie oft war dann der Satz gefallen: «Die da oben interessiert das eh nicht. Die sind so weit von der Realität entfernt, das wird sich nie ändern.» … Oder wie es mein Exkollege Axel auszudrücken pflegte: «Der Verschleiß geht so lang weiter, bis der Laden hier zusammenbricht.» Ich hatte das anfänglich für Schwarzmalerei gehalten, bis auch ich merkte, dass der Kampf gegen Windmühlen immer mehr zur Routine wurde.“

„Der Verschleiß geht so lang weiter, bis der Laden hier zusammenbricht“

Die älteren Polizisten scheinen sich bei diesem Thema auch nur noch wenig Illusionen zu machen. Auch im Schulen ist der sprichwörtlicheKampf gegen Windmühlen“ längst zur Routine geworden.

„Mag sich nicht für »die da oben« kaputt schuften“

>>Du machst Schule! von Bettina L’habitant (Buch) <<

„Grabenkämpfe unter den Kollegen sind keine Seltenheit. Die Arbeit wird häufig ohne Freude erledigt. Der Verdienst ist knapp, die gegenseitige Wertschätzung gering, Anerkennung für erbrachte Leistung gibt es selten. Ein Lob wird meist nur zum Manipulieren genutzt: »So toll, wie Sie das machen, Frau Meier, kann das hier keiner. Können Sie das hier nicht auch noch bis morgen erledigen?« Ob einer viel oder wenig Eigenleistung erbringt, ist eher nebensächlich, der eine mag sich nicht für »die da oben« kaputt schuften, der andere lässt sich die Arbeit aufs Auge drücken und rackert sich für drei ab, ohne dass es sich auf seinem Gehaltskonto auswirken würde.“

„Grabenkämpfe unter den Kollegen sind keine Seltenheit“ – „Ein Lob wird meist nur zum Manipulieren genutzt“

Sicherlich ließen sich noch mehr Beispiele zum Thema zusammentragen und eigentlich stellt es keine echte nennenswerte Erkenntnis dar: Trotzdem findet darüber kein echter Diskurs statt und derMindestmaß von inhaltlicher Ausgewogenheit, Sachlichkeit und gegenseitiger Achtung gewährleisten“ ist ebensowenig zu erkennen.