Ohne Mandat: Einsätze der amtlichen Sittenwächter

Screenshot thoughtcatalog.com

Die gesellschaftlichen Anschauungen über Kleidung und Mode sind einem steten Wandel unterworfen und vieles ist individueller Geschmack. Veranstaltungen mit Kleidervorschriften bilden eher die Ausnahme und sind durchweg freiwillige Angelegenheiten. Aber verpflichtende Vorschriften bestimmte Kleider zu tragen oder dies zu unterlassen – so wie in der Vergangenheit geschehen – stellen einem anderen Sachverhalt da.

>>Leben-im-Mittelalter.net <<

“Die Bekleidung war für den Menschen des Mittelalters einer der wichtigsten Indikatoren, um den jeweiligen Stand seines Gegenübers zu erkennen. Schriftlich fixierte Kleiderordnungen schrieben den verschiedenen Ständen bindend vor, welche Kleidung als standesgemäß galt und somit getragen werden durfte.”

Erst im Zuge der Renaissance also am Ende des Mittelalter wurden die Kleidervorschriften sukzessive aufgelöst, was mehr die Folge von weltlicher Aufklärung und diversen niedergeschlagenen Aufständen  – als ein Umdenken bei dem entsprechenden Würdenträgern geschuldet war.

Screenshot de.mittelalter.wikia.com

>>Welt<<

“Vor einem Jahr war es für kurze Zeit, fast so kurz wie die umstrittenen Hotpants, um die es ging, das Diskussionsthema in Deutschland: Wie viel Haut dürfen Schüler in der Schule zeigen? Es war Sommer, es war heiß, und eine Schule in Horb am Neckar (Baden-Württemberg) hatte die Idee, in einem Elternbrief folgende Stilregel zu verfassen: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants …), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.“ … Eine Rechtsgrundlage für Kleidervorschriften gibt es nach Angaben des Kultusministeriums nicht.”

 

 

>>ADVOCARD<<

“Doch wie steht es um die modischen Wahlmög­lich­keiten der Schüler als Ausdruck ihrer Indivi­dualität? Immerhin gesteht das allgemeine Persön­lich­keitsrecht aus Art. 2 Abs. 1 Grund­gesetz (GG) jedem die grund­sätzliche Freiheit zu, sein Äußeres in puncto Kleidungswahl oder Frisur frei zu gestalten. “Die Schule ist nicht berechtigt, die eigene Moral­vor­stellung zum Gradmesser für eine korrekte Kleidung zu machen”, so eine Sprecherin des Kultus­mi­nis­teriums in Stuttgart. Bislang gebe es in Deutschland keine Kleider­ordnung an öffent­lichen Schulen.”

Die Schulpflicht stammt aus Zeiten der NS-Diktatur und das Nazi-Regime hat stets einem hohen Wert auf sittsame Kleiderordnungen gelegt.

Screenshot wgmda.de

Screensho stormfront.org

Screenshot schriftleitung.org

Screenshot lüdenscheider-zeitbilder.de

Immerhin sorgte die staatliche Schulverwaltung mit ihren “abstrakten Gedankengut” für internationale Aufmerksamkeit – wenn auch im negativen Sinne.

>>The Daily Caller<<

“The head teacher at a school in a small town in the southeast corner of Germany has sent a letter warning parents to prevent their daughters from wearing any skimpy clothing because about 200 war-displaced Syrian refugees are living in a shelter next to the school’s gym. The fifth-grade to 11th-grade school is Wilhelm-Diess-Gymnasium, reports Die Welt, a German newspaper.”

Screenshot sports.vice.com

Screenshot top-celebrities.com

Screenshot wikipedia.org

Natürlich will beim Thema Kleiderordnung das Staatsfernsehen, dem staatlichen Schulverwaltungen nicht hinten her laufen und geht forsch in Puncto Sittenwacht einem Schritt weiter: Das selbsternannte Bildungs- und Erziehungsfernsehen präsentiert sehr anschaulich: Wie sich Frauen zukünftig zu kleiden haben.

Screenshot blick.ch

>>Spiegel<<

“Alle Blicke auf sich zog jedoch zunächst Nora Illi. Die Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats der Schweiz trat vollverschleiert im Nikab auf.  … Für sie bedeute das Tragen des Nikab Freiheit und Selbstbestimmung.”

 

>>Staatsfernsehens “ARD” <<

“Er ist genau genommen eine “Demokratie-Abgabe” (gemeint ist die GEZ-Steuer, Anmerkung der Redaktion). Ein Beitrag für die Funktionsfähigkeit unseres Staatswesens und unserer Gesellschaft.”

Die Vollverschleierung für Frauen bedeutet also nach Ansicht des Staatsfernsehens “Freiheit und Selbstbestimmung” – was gut zu deren eigener Philosophie passt: Denn die GEZ-Steuer soll nach deren Sichtweise im selben Kontext betrachtet eine sogenannte “Demokratie – Abgabe” sein. Das mag alles wie Satire klingen – ist aber durchaus ernst gemeint. Wer sich die Mühe macht und über dem Tellerrand schaut, erkennt sehr wohl, das behördlich erlassene Vorschriften keineswegs einfach hingenommen werden, sondern Menschen Widerstand organisieren und Öffentlichkeitswirksam auch leisten.

>>Frankfurter Rundschau<<

“Wie viel Bein darf eine Frau zeigen, wenn sie in die Knesset will? Diese heikle Frage treibt seit Tagen Einlasskontrolleure an Israels ehrwürdigem Parlament um, die bereits mehrere Assistentinnen von Abgeordneten wegen zu kurzer Röcke nach Hause schickten.  Am Mittwoch reichte es den parlamentarischen Mitarbeiterinnen. Auf Verabredung erschienen gleich vierzig von ihnen in schwarzen Leggings und Kleidern, die eine Handbreite über dem Knie endeten, um gegen den neuen Dresscode zu demonstrieren. Soviel geballte Weiblichkeit stellte für die Wächter am Knesset-Tor, die bislang mehr auf Sicherheit als auf Sittsamkeit zu achten hatten, allerdings eine gewisse Überforderung dar. Einige der Frauen wurden durchgewinkt, andere über eine Stunde festgehalten.  Welche Rocklänge dem gebotenen Respekt vor dem Parlament entspricht, lässt sich offenbar nur subjektiv definieren. Es sei geradezu surreal, erregte sich eine Abgeordneten-Sprecherin im kurzen Kleid, dass sie heute genau das gleiche trage wie vor zwei Wochen, als es damit überhaupt kein Problem gegeben habe. … Mehrere gewählte Knesset-Mitglieder aus der Opposition eilten jedenfalls den Frauen zur Seite. Manuel Trajtenberg von der Zionistischen Union ging noch einen Schritt weiter und knöpfte sich seelenruhig das feine Anzugshemd auf, bis er im Unterhemd dastand.  „Wenn ich so rein kann“, verkündete der 66-Jährige unter allgemeinen Gejohle, „können auch die anderen reingelassen werden.“ Zumindest die Lacher hatte Trajtenberg auf seiner Seite. „Damit ihr morgen nicht alle in einer Burka erscheinen müsst.“ Zu dem Protest aufgerufen hatte die Gewerkschaft der Knesset-Angestellten mit einer sehr ernstgemeinten Ansage. Es gehe ihr nicht um Provokation. Man wolle lediglich klarstellen, dass anständige Kleidung nicht in fundamentalistischer Weise zu interpretieren sei. „Wir respektieren die Knesset und ziehen uns entsprechend an.“  Wenn hingegen, wie am Sonntag geschehen, fünf männliche Knesset-Kontrolleure den Rocksaum einer parlamentarischen Assistentin inspizierten, würden Frauen zu Objekten degradiert.”

 

>>Focus<<

“Die Jung-Politikerin (Nikita Klæstrup – Dänemark, Anmerkung der Redaktion) hatte zuvor schon mit einem sehr freizügigen Kleid auf einer Parteifeier auf sich aufmerksam gemacht. Im Interview mit der „Bild“ überraschte sie nun mit der Aussage, der Großteil ihrer Kleidung sei konservativ, sie “habe aber keine einzige Hose”. … Das Kleid, das sie auf der Parteiveranstaltung getragen habe, sei das offenherzigste, das sie besitze. Sie habe es zudem nur getragen, weil sie privat und nicht als Repräsentantin der Partei auf der Feier gewesen sei.”

Screenshot stackumbrella.com

Eigentlich sind von Amtswegen Behörden dazu verpflichtet gesellschaftliche Maßstäbe zu akzeptieren und diese zu verteidigen. Stattdessen schwingen sie sich eigenmächtig zu selbsternannten Sittenwächtern ohne rechtliche Grundlage auf und zwingen Bürgern dazu im Sinne der Amtsanmaßung ihre umstrittenen Ansichten zu befolgen.

Screenshot tout-bon.com

Screenshot decostar-createur.fr

Screenshot fashionmusingsdiary.com

 

 

 

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