Rentenversicherung: „Das ist Solidarität für Geisterfahrer“

Screenshot vimeo.com

Das Rentenniveau wird weit unter 48 Prozent sinken und die meisten Bezieher einer gesetzlichen Rente müssen in Zukunft mit  – Hartz IV für das Alter – der sogenannten Grundsicherung auskommen. Auch private Altersvorsorge schützt keineswegs vor Altersarmut. Die politischen Weichen dafür wurden bereits gestellt und das alles offenbart: Wie unsolidarisch der Staat mit den Rentnern umgeht.

>>Zeit<<

„Dafür, dass vor allem die jüngeren Rentnerinnen und Rentner von Armut betroffen sind, ist auch das immer weiter abgesenkte Rentenniveau verantwortlich: 1990 lag es vor Steuern noch bei 55,1 Prozent des durchschnittlichen Jahreseinkommens, 2016 bei 48 Prozent. … Der durchschnittliche Bedarf der Grundsicherung lag im Dezember 2015 laut dem fünften Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung bei 785 Euro. Die Grundsicherung ist in teueren Großstädten zwar höher, weil das Existenzminimum für jeden individuell berechnet wird. Aber sie reicht in teureren Städten bei Weitem nicht aus, um ein würdiges Leben zu führen. … Dass die Grundrente nur nach einer Bedürftigkeitsprüfung ausgezahlt werden soll, ist äußerst problematisch: Das heißt wieder mehr Bürokratie, Gang zu den Ämtern, Sozialkontrolle und Demütigung. Schon heute werden Bedürftige ja bereits auf Herz und Nieren regelmäßig geprüft, wenn sie Grundsicherung beantragen. Eine Gesprächspartnerin, die so ihre Rente aufstockt, musste begründen, weshalb sie Extra-Reisegeld für den Besuch ihrer Schwester benötigte und einmal mehr auf dem Amt ihr Privatleben offenbaren.“

 

>>T-Online<<

„Alle, die 2005 oder vorher Rentner geworden sind, müssen mindestens 50 Prozent der Rente versteuern. Der Steueranteil wird jeweils zum Renteneintritt festgelegt und bleibt dann für die gesamte Bezugsdauer der Altersbezüge gleich. Bis 2020 steigt der zu versteuernde Anteil für die jeweiligen Neurentner des betreffenden Jahres in Schritten von zwei Prozentpunkten bis auf 80 Prozent. Zwischen 2021 und 2040 betragen die Schritte nur noch einen Prozentpunkt. Damit müssen die Neurentner des Jahres 2040 ihre Altersbezüge zu 100 Prozent versteuern. Wer 2015 in Rente gegangen ist, versteuert lebenslang 70 Prozent. … Da auch Formen der privaten Altersvorsorge wie die Riester-, Rürup- oder Betriebsrenten zu Zeiten der Einzahlung steuerbegünstigt sind, zählen sie bei der nachgelagerten Besteuerung mit. Diese Rentenzahlungen müssen jedoch vollständig versteuert werden.“

 

>>n-tv<<

„Rentner müssen unter Umständen Steuern zahlen, die Sozialabgaben schlagen aber meistens heftiger ins Kontor. Auch wenn die Zahlen in der Renteninformation beruhigend klingen, sollte man nachrechnen, was davon übrige bleibt. Die Renteninformation klingt relativ vielversprechend: 1500 Euro soll die 50-jährige Ingenieurin bekommen, wenn sie wie bisher weiter arbeitet und wie vorgesehen mit 67 Jahren in Rente geht. Da wäre doch auch ein früherer Ausstieg aus dem Arbeitsleben machbar, oder? Nicht unbedingt. Denn bei den 1500 Euro handelt es sich um einen Bruttowert. Auf die Rente muss man nicht nur Steuern zahlen, sondern auch Sozialabgaben. Und die sollte man einkalkulieren, egal ob man über einen vorzeitigen Rentenausstieg nachdenkt oder darüber, wie groß die Rentenlücke ist, die man noch schließen muss. … Gesetzlich versicherte Rentner kommen in der Regel besser weg. Sie sind automatisch in der gesetzlichen Krankenversicherung für Rentner (KVdR) pflichtversichert. Der Beitragssatz liegt aktuell bei 15,5 Prozent, 7,3 Prozent davon übernimmt aber die Deutsche Rentenversicherung. Bleiben noch 8,2 Prozent. Rechnet man dann noch zwei Prozent für die Pflegeversicherung hinzu, kommt man auf insgesamt 10,2 Prozent, die von der Bruttorente abgezogen werden müssen. Im Fall der Ingenieurin wären das 153 Euro.“

 

>>Norbert Blüm<<

„Das ist ein Skandal. Denn jetzt zahlen die Schwächeren die Rechnung für eine Leistung, die die Stärkeren bekommen. Das ist Solidarität für Geisterfahrer. … Das verstehe ich auch nicht. Meine Partei, die CDU, hat damals gegen die Riester-Rente gestimmt. Heute ist sie ihr letzter Verteidiger. Dabei verschleudert der Staat Milliarden für die Zuschüsse zur Riester-Rente. Flösse dieses Geld in die gesetzliche Rente, wären alle Probleme gelöst. Es gibt nur zwei Gewinner der Riester-Rente: Allianz & Co. – und die Arbeitgeber, die keinen Arbeitgeberbeitrag mehr bezahlen.“

Wobei die sogenannte Rürup-Rente auch nicht besser ist: Das dorthin fließende Geld wäre bei den Rentnern besser aufgehoben. Durch die Tatsache: Das Renten steuer- und abgebapflichtig sind, sinkt das Rentenniveau – praktisch durch die Hintertür – unter 48 Prozent. Die sogenannten Riester-Renten und Rürup-Renten sind lediglich ein gutes Geschäft für Versicherungen und Banken, welche diese Produkte vertreiben. Nicht zuletzt das Finanzamt verdient an der Altersarmut kräftig mit: Auf diese Weise können Einkommen doppelt besteuert werden.

 

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