„Kann ich mir ein Kind leisten?“ – Demografischen Wandel: „Heute leben in der Lausitz deutlich weniger Menschen“

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Können wir uns Kinder leisten?“ – Solche und vergleichbare Frage werden in vielen Foren und Unterhaltungen eifrig diskutiert. Selbstverständlich ist der Kinderwunsch nicht nur als finanzieller Gesichtspunkt zu betrachten: Dennoch nimmt dieser Punkt eine entscheidende Rolle ein.

„Kann ich mir ein Kind leisten?“ – „Von Kinderlachen kann man sich kein Essen kaufen“

>>Elle.de<<

„Kann ich mir ein Kind leisten? … Aber warum wird es von Eltern erwartet, dass sie diese Kostendifferenz selbst stemmen? Weil die Eltern ja auch etwas zurückbekommen für das Geld, lautet oft die Begründung: unschätzbare emotionale Momente, die einen alle Existenzsorgen vergessen lassen. Nur leider gibt es da ein Problem: Von Kinderlachen kann man sich kein Essen kaufen. … Diese Eltern leiden an den Strukturen, denn die Familienleistungen reichen einfach nicht. Diesen Frauen zu sagen: „Tja, hättest du mal kein Kind gekriegt, dann könntest du jetzt im Porsche sitzen“, ist einfach nur herzlos und geht auch völlig am Problem vorbei.“

„Existenzsorgen“ – „Eltern leiden an den Strukturen, denn die Familienleistungen reichen einfach nicht“

Die Existenzsorgen bei Eltern sind keinesfalls unbegründet. Natürlich gibt es dazu jede Menge an Rechenbeispielen. Ungeachtet dessen sollte ein grundlegendes Problem beachtet werden: Zum Verdienstausfall kommen noch steigende Kosten – beispielsweise für eine größere Wohnung – hinzu. Gerade diese Kombination ruft bei vielen Eltern – zu recht – viel Unwohlsein hervor. Zumal die finanzielle Basis eines oder beider Elternteile schnell vollkommen wegbrechen kann.

„Feste freie Mitarbeiter“ – „Eigentlich sind sie Scheinselbstständige“

>>Vögeln fürs Vaterland? Nein danke! von Kerstin Herrnkind (Buch) <<

„Ein Journalist, der als »fester freier Mitarbeiter« für einen Radiosender arbeitete, gönnte sich nach der Geburt seines Sohnes Elternzeit. »Feste freie Mitarbeiter« sind moderne Leibeigene. Obwohl sie nicht fest angestellt sind, sitzen sie so gut wie jeden Tag in der Redaktion, nehmen an Konferenzen teil, bekommen Themen zugeteilt. Bezahlt werden sie pro Veröffentlichung oder kriegen eine monatliche Pauschale. Eigentlich sind sie Scheinselbstständige, die Arbeitsministerin … bekämpfen will. Doch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelten Sonderregeln. Deshalb sind diese festen Freien immer verfügbar, aber rechtlich nicht so abgesichert wie Angestellte. Für den Radiosender bequem. Für Mitarbeiter riskant, wie der Wirtschaftsjournalist schmerzlich erfahren musste. Als er aus der Elternzeit zurückkam, erhielt er kaum noch Aufträge, obwohl er als Wirtschaftsjournalist einen herausragenden Ruf genoss – über die Grenzen des kleinen Bundeslandes hinaus, in dem er arbeitete. Er zog vors Arbeitsgericht. Und verlor. Feste Freie hätten halt kein Recht darauf, für den Sender zu berichten, meinten die Richter.“

„Aus der Elternzeit zurückkam“ – „Freie hätten halt kein Recht darauf, für den Sender zu berichten, meinten die Richter“

Sind es alles nur bedauerliche Einzelfälle? Tatsächlich ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eher Wunschdenken geblieben. Alleine die Gründe für Schwangerschaftsabbrüche – ohne medizinische Gründe – sagen eigentlich schon alles aus. Die materiellen Ängste stellen eine ernstzunehmende Größenordnung dar.

„Frage“ – „Wie gut und wie lange Frauen verwertbar sind“

>>Feindbild Mutterglück von Antje Schmelcher (Buch) <<

„Die Lösung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie werde so auf die Ebene der Technik verlagert: »Wir frieren unsere Eizellen ein, anstatt uns gegen die Anforderungen der Arbeitsgesellschaft mit 40-Stunden-Wochen, Zweijahresverträgen und Dauererreichbarkeit zu wehren, die jedes harmonische Miteinander von Arbeit und Leben (auch ohne Kinder) schwer möglich macht.  … « Was in der Emma-Ausgabe »Mutter werden mit 50 plus« als feministischer Befreiungsschlag verkauft werden soll, hat eine durchaus anti-feministische Kehrseite. Wie im Arbeitsmarktfeminismus geht es auch hier um die Frage, wie gut und wie lange Frauen verwertbar sind. Der Aufschub einer Schwangerschaft geschieht meist aus ähnlichen Gründen wie ein Schwangerschaftsabbruch. … Rückschlüsse über die Ursachen sind kaum möglich, doch bei Pro Familia wird darauf hingewiesen, dass die materiellen Ängste unter den betroffenen Frauen zugenommen hätten. Doch nicht nur der Druck auf potenziell werdende Mütter steigt. Auch die Frauen, die schon Kinder haben, weisen vermehrt auffällige Symptome von Überlastung auf. Mehr als zwei Millionen Mütter sollen heute behandlungsbedürftig sein, sagt das Müttergenesungswerk. Nie war die Burn-out-Quote unter Müttern größer.“

„Schwangerschaftsabbruch“ – „Die materiellen Ängste unter den betroffenen Frauen zugenommen“

Das persönliche Elternglück ist also auf die finanziellen Möglichkeiten beschränkt. Dies lässt sich auch an ganz anderer Stelle beobachten. Der demografische Wandel wird gerne als eine Art „Naturgewalt“ dargestellt. Frei nach dem Motto: Man kann nichts tun, wenn die Menschen keine Kinder bekommen wollen.

„Demografischen Wandel “ – „Heute leben in der Lausitz deutlich weniger Menschen“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Heute leben in der Lausitz deutlich weniger Menschen als noch vor zwei Jahrzehnten. Und diese Entwicklung geht weiter. Aus dem demografischen Wandel automatisch Anpassung, Schließung, Rückbau und … 1990 haben in der Lausitz noch knapp 1,4 Millionen Menschen gelebt. … Eine Studie des Berlin-Institutes für Bevölkerung und Entwicklung für den Brandenburger Landtag hat den Politikern ins Stammbuch geschrieben, die zu erwartenden Veränderungen offensiv zu kommunizieren. … Es wird die These unterstützt, dass der negativ belastete „demografische Wandel“ zuerst eine Gestaltungsaufgabe ist – die es anzupacken gilt.“

„1990 haben in der Lausitz noch knapp 1,4 Millionen Menschen gelebt“

Alleine seit der Wiedervereinigung hat die Lausitz einem großen Teil seiner Menschen verloren. Sicherlich geht vieles auch auf Fortzüge zurück. Dennoch ist der Anteil an prekären beruflichen Verhältnissen nicht zu unterschätzen. Die Wegzüge aus der Lausitz und Kinderlosigkeit gehen letztendlich auf die selben Gründe zurück. Der demographische Wandel ist am Ende politisch so gewollt.