Kulturelle Hegemonie: Warum die Sorbische Kultur im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk kaum eine Rolle spielt

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Wird am Beispiel des Sandmännchens – mit Sorbischer Synchronisation – die kulturelle Hegemonie deutlich? – So leicht ist die Frage keineswegs zu beantworten. Aber das Sorbische Sandmännchen lässt sich durchaus als Paradebeispiel ansehen. Selbst im Sorbischen Rundfunk – durch Gebührengelder finanziert – ist die Sorbische Kultur regelrecht in ihrer Existenz bedroht.

Kulturelle Hegemonie: „Sorbisch lernen mit dem Sandmännchen“

>>Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus<<

„Sorbisch lernen mit dem Sandmännchen … Die ersten Folgen über die Sagengestalt wurden 1959 produziert und im Deutschen Fernsehfunk der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und mit gleichem Konzept im ARD in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) ausgestrahlt. Sorbisch lernte das Männchen mit Bart erst später: Im Jahr 1996 flimmerte mit dem Sandmännchen die erste MDR-Fernsehsendung in Obersorbisch über die Bildschirme.“

Kulturelle Hegemonie: Warum Sorbische Sagengestalten im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk keine Rolle spielen

Grundsätzlich ist nichts gegen das Sorbische Sandmännchen einzuwenden: Aber im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk werden keine Gegenbeispiele gebracht. Dabei sind viele Sorbische Sagengestalten tief in der Lausitz verwurzelt. Alleine die Popularität rund um die Zwerge Lutki aus der Lausitzer Sagenwelt stehen für sich selbst: Es gibt ein Lutki-Paradies als Ferienwohnung, eine Lutki-Apotheke und die KindertagesstätteLutki” . – Auf die Unvollständigkeit „Lutki-Beispiele“ wird hingewiesen. Nur die Lutki haben im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk praktisch noch nie eine Rolle gespielt. Dafür wird das Sandmännchen in Sorbischer Sprache ausgestrahlt. Die Sorbische Kultur geht im Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk unter und es werden einfach nur die selben Themen in Sorbischer Sprache gebracht. Genau dafür wurde die Begrifflichkeit „kulturelle Hegemonie“ geprägt.

Kulturelle Hegemonie in der Sorbischen Lausitz: Lutki versus Sandmännchen

>>Ludwig-Maximilians-Universität München<<

„Die „kulturelle Hegemonie“ ist ein Konzept des marxistischen Intellektuellen Antonio Gramsci (1891-1937). … Bereits 1985 war dieses Konzept von dem rechtsextremen französischen Autor Alain de Benoist in dessen Standardwerk „Kulturrevolution von rechts“ erstmals für die neue Rechte reklamiert worden. In Deutschland wurde es namentlich vom rechtsextremen Autor Armin Mohler aufgegriffen und verbreitet.“

Kultur der Lausitzer Sorben: Die Reduzierung auf Sprache und Folklore für Touristen

Über Antonio Gramsci kann sich jeder seine eigene Meinung bilden: Dennoch ist Begrifflichkeit „kulturelle Hegemonie“ grundsätzlich als wertneutral anzusehen und genau jenes trifft auf die Sorbische Kultur zu: Besonders im Öffentlichen-Rundfunk werden die Sorben auf die Sprache und etwas Folklore für die Touristen reduziert. Dabei könnte es ganz anders laufen: Schließlich sind Gegenbeispiele durchaus vorhanden, was der Film „Krabat“ recht deutlich zeigt.

Sorbische Sagengestalt Krabat: „Ein millionenfach verkaufter Roman“

>>Filmstarts.de<<

„Krabat – Ein millionenfach verkaufter Roman sorgt für anhaltende Begeisterung beim jungen Publikum. Er erzählt die Geschichte eines Zauberlehrlings, der sich seiner Verantwortung stellen und gegen die Schwarze Magie zu Felde ziehen muss.“

Sorbische Sagengestalt Krabat: „Er erzählt die Geschichte eines Zauberlehrlings“

Die Sorbische Sage wurde aber durch ein amerikanisches Filmstudio realisiert. Trotz Milliarden an Rundfunkgebührengeldern wurde keine andere Sorbische Sage im vergleichbarer Qualität faktisch verfilmt. An Sorbischer Literatur oder Sagen dürfte wohl kaum ein Mangel herrschen.

 

Originally posted 2021-09-06 17:52:11.