Abgehängt im Schienenverkehr: Warum der ländliche Raum benachteiligt wird

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Beim Schienenverkehr wird der ländliche Raum systematisch benachteiligt. Ein erheblicher Teil der finanziellen Mittel fließen zu Schnellbahnstrecken hin, wovon praktisch ausschließlich nur die Bewohner von Großstädten profitieren. Die Schnellbahnstrecke von Berlin nach München durchquert in Nord-Süd-Richtung beinahe einmal komplett die Republik und lässt dabei sogar so manches Bundesland einfach links liegen.

Regionalbahnen fehlt es an Geld: Während sich Großstädter über ein enges Schnellbahnnetz freuen dürfen

Der Leidtragende einer solchen Bahnpolitik ist der ländliche Raum. Zwar dürfen auch die Bewohner eines winzigen Dorfes – über ihre Steuern – sich unfreiwillig an solchen ICE-Strecken beteiligen: Aber außer Bahn-Lärm und Dreck von Baustellen ziehen sie aus solchen Verbindungen keinerlei Nutzen heraus. Das Geld spielt bei solchen Hochgeschwindigkeitsstrecken ohnehin keine Rolle mehr. Gleichzeitig scheitern kleine regionale Bahnen – die den ländlichen Raum anbinden – an banalen finanziellen Mitteln.

„Nirgendwo hat es die Bahn so krachen lassen“

>>Handelsblatt<<

„Nirgendwo hat es die Bahn so krachen lassen wie im Thüringer Wald: 22 Tunnel wurden für die Sprinter-Trasse von Berlin nach München durch das Mittelgebirge gesprengt.“

„Sprinter-Trasse von Berlin nach München“

Würde man alle Tunnel auf der Strecke – theoretisch – zusammenlegen, wäre dieser knapp 64 Kilometer lang. Um das Ausmaß zu verstehen: Nur rund 20 Kilometer mehr und es hätte gereicht, um Nordamerika und Asien über die Beringstraße miteinander zu verbinden. Dieses fiktive Beispiel zeigt aber auch: Welche aberwitzigen Dimensionen solche Bahnprojekte mittlerweile angenommen haben.

Schnellbahn: Tunnellänge hätte fast gereicht um Nordamerika und Asien über die Beringstraße miteinander zu verbinden

Im Gegensatz zum regionalen Schienenverkehr fließen in ICE-Trassen enorme Summen hinein. Kaum ein Hochgeschwindigkeitszugprojekt scheint zu Größenwahnsinnig zu sein, um es nicht doch umzusetzen. Das Geld spielt dabei sowieso keine Rolle mehr. Aber mit dem Bau ist eben nicht getan, sondern solche Stecken müssen auch unterhalten werden: Das kostet ebenfalls überdurchschnittlich viel Geld, weil die Sicherheitsanforderungen – Aufgrund der exorbitanten Geschwindigkeiten – viel höher liegen.

Wer profitiert von solchen Hochgeschwindigkeitsstrecken?

Aber die entscheidende Gretchenfrage lautet: Wer zieht aus solchen Hochgeschwindigkeitsstrecken einem Nutzen heraus? Eigentlich nur die Bewohner der urbanen Großstadt. Neben dem Flugzeug können sich nun die Einwohner von Berlin und München auch über einem Hochgeschwindigkeitszug freuen. Kurzum: Eine durch Steuergeld subventionierte Konkurrenz zum Flugzeug. Dem Sinn solcher Projekte will hierbei nur die Politik erkennen.

Schnellfahrstrecke Berlin – München: Ganze Bundesländer bleiben links liegen

Das beste Beispiel ist hierfür die Schnellfahrstrecke Berlin – München wo „es die Bahn so krachen lassen“ hat. Die Strecke schneidet die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Thüringen und Bayern an. Das Flächenland Brandenburg geht dabei komplett leer aus. In Thüringen hält der Zug auch nur sporadisch in Erfuhrt an. Der echten Profiteure sind die Großstädte Berlin und München. Für den ländlichen Raum bleibt der Dreck der Bauarbeiten, eine zweigeteilte Landschaft und der Lärm der vorbei-donnernden Züge übrig.

„Die Bahn subventioniert laut EU illegal ihren Fernverkehr“

>>Welt<<

„Die Bahn subventioniert laut EU illegal ihren Fernverkehr.“

Schnellfahrstrecken: Die Bewohner des ländlichen Raums haben nur die Nachteile

Tatsächlich lassen sich solche Schnellfahrstrecken kaum wirtschaftlich betreiben. Die Hochgeschwindigkeitszüge stehen gewissermaßen sinnbildlich für den abgehängten ländlichen Raum da. Besonders deutlich zeigt es sich am direkten Vergleich zu regionalen Bahnen hin.

Der Name „Löbauer Zittauer Eisenbahn“ verrät schon, dass die Strecke die ehemaligen Kreisstädte Löbau und Zittau verbindet

>>Pro Herrnhuter Bahn<<

„Der Name „Löbauer Zittauer Eisenbahn“ verrät schon, dass die Strecke die ehemaligen Kreisstädte Löbau und Zittau verbindet. Dabei kontaktiert sie ebenfalls die Orte Mittelherwigsdorf, Oderwitz, Ruppersdorf, Ober- und Niedercunnersdorf (heute Gemeinde Kottmar), Großschweidnitz und die weltbekannte Stadt Herrnhut.“

 Herrnhuter Bahn: Bindet eine ganze Region an das Schienennetz an

Der Name „Herrnhuter Bahn“ rührt eigentlich aus eine umgangsprachlichen Bezeichnung her. Denn die Herrnhuter Bahn verbindet nicht nur die beiden Städte Löbau und Zittau miteinander, sondern sie bindet eine ganze Region an das Schienennetz an. Daher auch der Name „Herrnhuter Bahn“ – denn ungefähr im Zentrum der Strecke befindet sich die weltbekannte Stadt Herrnhut mit ihren Herrnhuter Sternen.

 Herrnhuter Bahn: Wiederbelebung scheitert am Geld

Die Strecke ist zur Zeit stillgelegt. Die Wiederbelebung der Herrnhuter Bahn wird immer wieder auf die lange Bank geschoben und als Grund müssen fehlende finanzielle Mittel herhalten. Gerade an solchen Bahnstrecken zeichnet sich die Benachteiligung des ländlichen Raums ganz besonders deutlich ab.

 

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