Lieber Weiße Elefanten finanzieren: „Fehlende Interesse der Bahn an der Lausitz“

Screenshot sbb.ch

In Schottland war lange Zeit eine Redewendung unter der Bevölkerung geläufig, die frei übersetzt ungefähr so ging: „Das Schottische Öl, finanziert die Weißen Schwäne von London“ . (Manchmal wird dazu auch Weißer Elefant gesagt.) Gemeint war damit folgendes: Das meiste Öl von Großbritannien befand sich unter Schottischen Hoheitsgewässern und die Einnahmen hieraus wurden verwendet: Um beispielsweise Überschallflieger, wie die Concorde zu finanzieren. Das Flugzeug – inklusive deren Betrieb – war ein einziges Verlustgeschäft und musste durch Steuermittel künstlich am Leben gehalten werden. Nur hat Schottland seinerzeit recht wenig davon gehabt. Das Flugzeug flog nur von London aus ab, und war eher für die Oberschicht gedacht: Denn nur die finanziell Betuchten, konnten sich die teuren Tickets leisten. Die Concorde selbst, ist mittlerweile ausgemustert, der Begriff „Weißer Schwan oder Weißer Elefant“ hat dennoch bis heute überlebt.

Weiße Elefanten: Der Hochgeschwindigkeitszeug ICE oder wie die Provinz abgehängt wird

Auch die Lausitz finanziert „Weiße Elefanten“ von denen sie eigentlich nichts hat.

>>Stephan Kühn<<

„Seine Antwort dokumentiert leider deutlich das fehlende Interesse der Bahn an der Lausitz: Zu der explizit angesprochenen ICE-Verbindung von Berlin nach Görlitz kein Satz.“

Genau genommen ist eine ICE-Verbindung von Berlin über Cottbus und Weißwasser nach Görlitz, vielleicht mit einer Verlängerung bis ins polnische Breslau angedacht. Allerdings stellen diese ganzen Hochgeschwindigkeitsstrecken ein finanzielles und soziales Problem da.

Bau und Unterhalt von Hochgeschwindigkeitsstrecken verschlingen Unsummen

Die ICE-Verbindungen verschlingt einen erheblichen Teil der Investitionen in den Schienensektor. Zudem nutzen die Verbindungen recht wenigen Menschen etwas. Beispiel die Verbindung Hamburg – Berlin: Die Strecke wurde einst für sehr viel Geld gebaut und nach ein paar Jahren erfolgt eine teure Grundsanierung – alles auf Kosten des Steuerzahlers. Der Zug fährt ohne Halt von Hamburg nach Berlin und wieder zurück. Schön für diejenigen, die in den Städten wohnen: Alle anderen haben das Nachsehen und dürfen über ihre Steuergelder die Zugtickets mitbezahlen. Mit der einseitigen Bevorzugung von großen Städten, wird der ländliche Raum systematisch abgehängt: Geld kann man immer nur einmal ausgeben. Sicherlich wer es sich leisten kann, im Berliner Regierungsviertel zu wohnen, kann sich über eine gute Zugverbindung freuen, in der man in paar Minuten in Hamburg ist: Aber was ist mit all dem Menschen, die sich so etwas nicht leisten können?

ICE-Verbindungen: Wie die Provinz systematisch abgehängt wird

Die Anschaffung des ICE-Zugs stellt dabei noch den geringsten Ausgabenposten da. Der Streckenbau ist die eigentliche finanzielle Herausforderung. Hochgeschwindigkeitsstrecken vertragen nur langgezogene Kurven, allein die Streckenplanung ist eine technische Herausforderung. Bahnüberquerungen müssen entweder als Tunnel oder als Brücken gebaut sein. Der Schienenstrang müsste eigentlich auf ganzer Länge eingezäunt sein, weil ein Zusammenstoß mit Tieren fatale Folgen haben kann. Der Schienenweg selbst, verträgt bei derartig hohen Geschwindigkeiten wenig Spiel, weshalb sich der Gleisbau viel aufwendiger gestaltet und die Wartung somit häufiger und anspruchsvoller ist. Auch sind allgemein mehr Kunstbauten erforderlich, weshalb die ICE-Verbindung von München nach Berlin, scherzhaft als „U-Bahnbezeichnet wird. Ein großer Teil der Strecke verläuft nämlich unterirdisch als Tunnel. Ähnliche Probleme tauchen ebenso bei der angedachten ICE-Verbindung von Berlin über Cottbus und Weißwasser nach Görlitz auf. Einerseits, die Strecke würde nur nach Berlin, bestenfalls bis nach Breslau führen. Anderseits, wo würde der Zug eigentlich halten? In Cottbus und Görlitz? Vielleicht noch in Weißwasser, in Niesky sicherlich nicht mehr? Die Entfernungen sind für einen ICE viel zu gering, schon bei normalen Betrieb, brauchen diese Art von Züge einige Kilometer um zu beschleunigen und dann wieder zu bremsen. Die zu erreichenden Geschwindigkeiten, rechtfertigen eigentlich keine Hochgeschwindigkeitsstrecke, außerdem schaffen auch gewöhnliche Triebwaagen dieses Tempo. Das Bild oben zeigt ein Zug der Schweizer Bundesbahn den SBB RABe 502, mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 200 Stundenkilometern.

Ohne Substanz – Politikum ICE: Gewöhnliche Triebwaagen können auch 200 Stundenkilometer fahren

Noch dazu hat ein ICE immer Vorfahrt. Bedeutet: Im angedachten Bahn-Szenario würden die Züge zwar in Cottbus und Görlitz halt machen, aber den übrigen Güter und insbesondere Regionalverkehr behindern. Grundsätzlich wäre der Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke Cottbus, Görlitz bis weiter nach Liberec/Prag als Verkehrskorridor begrüßenswert. Auch viele Bahnhöfe müssten dringend Instand gesetzt werden. Aber davon ist ja keine Rede: Es geht nur um die – eher politische Frage – ob ein ICE in der Lausitz hält oder eben nicht. Der ICE: Ein moderner Weißer Elefant. Die Realität im Bahnverkehr sieht gewiss ganz anders aus.

>>Alles-Lausitz.de<<

„Unwürdig für „Europastadt“: Es fahren Züge ins Nirgendwo … Pünktlich um 11.07 Uhr ist der Zug nach Grünberg abgefahren, der weder angeschlagen ist noch durchgesagt wurde. … Erst im Februar wurde die Verbindung in die Hauptstadt der Woiwodschaft Lebus (Woj. lubuskie) aufgenommen. Aber ist der Bahn die Verbindung bereits lästig oder schämt man sich ihrer und will diese abschütteln? Der Niederschlesische Kurier war Zeuge, wie ein nach Studium des Fahrplanaushangs, Blick auf die Anzeigetafel und fehlender Durchsage entnervter Tourist, der wohl einen Tagesausflug unternehmen wollte, völlig konfus abdrehte. Kurz darauf geht die Fahrt für den 11.07-Uhr-Zug los, den man wie die Verbindung um 9.07, 15.07 und 17.07 Uhr zwar unter der polnischen Internetverbindungssuche rozklad-pkp.pl findet, nicht jedoch im deutschen Bahnportal www.bahn.de und eben auch nicht auf Aushängen oder Durchsagen im Görlitzer Bahnhof. Wer unter www.bahn.de die Direktverbindung online sucht wird gar nicht fündig … „

Bahnbetrieb in der Praxis: „Es fahren Züge ins Nirgendwo

Es fahren Züge ins Nirgendwo“ – kein Abenteuerroman, sondern der Alltag im Lausitzer Bahnverkehr. Während man in fernen Berlin von irgendwelchen Hochgeschwindigkeitsstrecken träumt, sieht die Realität Vorort doch sehr ernüchternd aus.

 

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