Bestimmungen der ILO-Konvention 169: „Recht der Sorben auf Selbstbestimmung“

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Gibt es Lausitzer Sorben überhaupt? – Die Bundesregierung hat erklärt: „… auf ihrem Territorium existiere kein indigenes Volk, auf das die Bestimmungen der ILO-Konvention 169 anwendbar sein könnten.“ – Deshalb wird über die Sorben meist als merkwürdiges Folklorevolk berichtet. Und die Irreführung ist damit längst nicht abgeschlossen.

Bundesrepublik Deutschland: „Auf ihrem Territorium existiere kein indigenes Volk“

>>Saarländischer Rundfunk<<

„HörStoff – „Die Sorben – Indigene mitten in Deutschland“ – Und übersehen dabei die indigenen Völker vor der eigenen Nase. In Deutschland leben seit dem sechsten Jahrhundert, also vor der Gründung des deutschen Staates: die Sorben als „autochthones“ Volk, sprechen eine eigene Sprache, folgen eigenen kulturellen Traditionen und pflegen ein Sozialsystem, das in matriarchaler Tradition steht.“

„Und übersehen dabei die indigenen Völker vor der eigenen Nase“

Die Sorben sollen ein indigenes Volk sein? Der staatliche Rundfunk stellt indirekt eine gewagte These auf. Zumindest aus rechtlicher Perspektive ist es als falsche Tatsachenbehauptung zu werten. Denn die Bundesregierung hat dazu eine andere Auffassung bekannt gegeben.

„Bundesrepublik Deutschland als auch die Deutsche Demokratische Republik“ – „Auf ihrem Territorium existiere kein indigenes Volk“

>>Deutscher Bundestag (PDF-Datei) <<

„Bereits bei den ILO-Verhandlungen im Jahr 1989 haben sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die Deutsche Demokratische Republik erklärt, auf ihrem Territorium existiere kein indigenes Volk, auf das die Bestimmungen der ILO-Konvention 169 anwendbar sein könnten. Die gleiche Auffassung vertreten die Bundesregierung bzw. die einzelnen Bundesländer bis heute.“

Wie die Bestimmungen der ILO-Konvention 169 ausgehebelt werden

Laut Bundesregierung gibt es also kein indigenes Volk. Zwar sind Bestrebungen dies zu ändern sichtbar, aber mit wenig Aussicht auf Erfolg versehen.

„Sorben als indigenes Volk anerkennen“

>>Süddeutsche Zeitung<<

„Sorben als indigenes Volk anerkennen – Der sächsische Linke-Politiker Heiko Kosel hat die Anerkennung der Sorben als indigenes Volk gleich den Indianern oder Inuit gefordert. … Damit verknüpfte Kosel am Donnerstag das Recht der Sorben auf Selbstbestimmung in Bereichen wie Ressourcen und Umwelt, Bildung, politische Teilhabe und Selbstverwaltung. So ist es in der Konvention 169 der internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen (ILO) festgehalten.“

„Recht der Sorben auf Selbstbestimmung in Bereichen wie Ressourcen und Umwelt, Bildung, politische Teilhabe und Selbstverwaltung“

Letztendlich ist für eine Änderung keine breite Mehrheit erkennbar. Zumal der Beitrag des Saarländischer Rundfunks kaum diese Problematik näher beleuchtet, sondern er stellt die Sorben als merkwürdiges Folklorevolk dar.

Domowina gegen Sorben: „Wir Sorben wurden und werden vorgezeigt“

>>Leipziger Volkszeitung<<

„Galten die Sorben nicht offiziell als die Hätschelkinder der DDR?

Nur nach außen. Von den Sorben wurde in der DDR ein merkwürdiges Folklore-Bild produziert, das auch heute wieder Konjunktur hat. Wir Sorben wurden und werden vorgezeigt, wenn’s ums Bemalen von Ostereiern oder das Osterreiten geht. Immer wenn Ostern ist, werden wir als Folklorevolk präsentiert. Dass wir ein Kulturvolk sind mit einer Hochsprache seit der Reformation, das spielt kaum eine Rolle in der Öffentlichkeit.“

„Ein merkwürdiges Folklore-Bild produziert – Das auch heute wieder Konjunktur hat“

Auf vielen medialen Kanälen wird ein merkwürdiges Folklore-Bild über die Sorben produziert und der Beitrag des Saarländischer Rundfunks reiht sich hier nahtlos ein. Mit solchen medialen Beiträgen wird jede ernsthafte Diskussion über das Recht der Sorben auf Selbstbestimmung der Lächerlichkeit preisgegeben. Außerdem wirken sich die einseitigen präsentierten folkloristischen Traditionen negativ auf das Sorbische Selbstbild auf. Genauso wenig besteht Bayern auch nicht nur aus Bier und Lederhosen, was vermutlich viele richtige Bayern – bei soviel Einseitigkeit – aufregen würde.

Sorben: „Wir versuchen, ein zeitgenössisches Bild von Identität zu schaffen“

>>Neues Deutschland<<

„Auf der Suche nach Identität – »Wir versuchen, ein zeitgenössisches Bild von Identität zu schaffen, um gerade junge Menschen dazu zu bringen, sich wieder mit den eigenen sorbischen Wurzeln auseinanderzusetzen«, erklärt sie. … Das »Loslösen von ausschließlich folkloristischen Traditionen« und die Rückbesinnung auf die Sprache wären der »Hauptgewinn« für die sorbische Kultur.“

Sorben: „Loslösen von ausschließlich folkloristischen Traditionen“ 

Folklore ist prinzipiell nicht negativ: Aber das starke Fokussieren auf folkloristische Traditionen bringt viele Nachteile mit. Zumal es über dieses Thema innerhalb der Sorbischen Kultur lebhaft diskutiert wird. Eigentlich muss nach einem zeitgenössischen Bild von Identität niemand lange suchen: Vielfach muss nur geschaut werden, was schon längst vorhanden ist.

„Traditionelle Muster und Trachtendetails finden sich auf zeitgenössischem Design wieder“

>>Wurlawy<<

„Inspiriert von dem, was sie vor ihrer Haustür findet, haucht die Designerin den typischen sorbischen Spreewaldtrachten neues Leben ein und katapultiert sie in die Jetztzeit. Traditionelle Muster und Trachtendetails finden sich auf zeitgenössischem Design wieder. Wurlawy ist die perfekte Symbiose von Tradition und Moderne in tragbarer Mode.“

„Wurlawy ist die perfekte Symbiose von Tradition und Moderne“

Nicht nur Mode, es gibt auch Sorbische Musikgruppen die zeitgenössische Lieder spielen. Es müssen also nur die losen Enden miteinander verbunden und mit mehr Leben gefüllt werden.