Kriminalität & Verkehrssicherheit: Wie sicher ist der Schulweg wirklich?

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Unterm Titel: „Warum Kinder den Schulweg selbst gehen sollten“ oder der Beitrag „Elterntaxi – falsche Starthilfe für den Schultag“ liefert der Öffentliche-Rundfunk in regelmäßigen Abständen diverse „Ratschläge“ für Eltern ab. Tenor ist immer derselbe: Selbst kleine Kinder sollen ihren Schulweg gefälligst alleine bewältigen. Jedoch werden dabei die entscheidenden Gefahren ausgeblendet.

Kriminalität & Verkehrssicherheit – Warum das Elterntaxi die bessere Alternative darstellt

>>Staatsfunk „Mitteldeutsche Rundfunk“ <<

„Warum Kinder den Schulweg selbst gehen sollten – Eins vorweg. Ja, es gibt sicher Gründe, warum Schüler nicht anders zur Schule kommen als mit dem Elterntaxi. … Aber trotzdem sind es vermutlich weniger als man denkt. Nehmen wir an, es gibt einen funktionierenden Nahverkehr, Schulbus oder einen Schulweg, den man zu Fuß schafft. Was bleibt dann noch übrig? Eigentlich nur Gründe, die gegen das Elterntaxi sprechen.“

„Eigentlich nur Gründe, die gegen das Elterntaxi sprechen“

Warum spricht sich der staatliche Rundfunk überhaupt gegen das Elterntaxi aus? – Eigentlich wird nur ein Grund angeführt: Regelmäßig vor der ersten Schulstunde ist ein reger Betrieb von Autos vor der Schule zu verzeichnen. Allerdings ist dieses Chaos wohl eher auf bauliche Fehlplanungen zurückzuführen. Schließlich ist an Flughäfen ein noch regerer Autoverkehr von Ab- und Anreisenden zu sehen, ohne dass es zu Chaos führt. Im Prinzip dreht sich der Bericht allein um die Frage der Verkehrssicherheit herum und dazu werden noch irreführende Zahlen angeführt.

„Ist der Schulweg im Elterntaxi sicherer?“

>>Staatsfunk „Mitteldeutsche Rundfunk“ <<

„Ist der Schulweg im Elterntaxi sicherer? Nicht unbedingt. In der Broschüre „Das ‚Elterntaxi‘ an Grundschulen“ zitiert der ADAC aus einem Bericht des Statistischen Bundesamtes. Das hatte … die Zahlen verletzter Sechs- bis Neunjähriger bei Verkehrsunfällen ermittelt. Traurige Spitzenreiter der Zählung mit 3.247 Verletzten sind die Autokinder. Unter Fußgängern gab es 2.328 Verletzte, unter Radfahrern waren es mit 1.860 noch weniger. „

Irreführung mit Zahlen: „Zahlen verletzter Sechs- bis Neunjähriger bei Verkehrsunfällen ermittelt“

Ein typische Fall wo sprichwörtlich Äpfel mit Birnen verglichen werden: Die Zahlen sind nicht auf dem „Schulweg“ sondern auf die Verletzten im allgemeinen Straßenverkehr bezogen. Zu allen Überfluss wurde die Relation einfach ausgeklammert und damit lassen sie keine Aussage zu. Einfaches Beispiel: Fast keine Kinder wurden beim Hubschrauberabsturz auf dem Schulweg verletzt. Also müsste nach dieser Logik der Hubschrauber das sicherste Verkehrsmittel sein. Bei dieser Betrachtung wurde die Kilometerleistung des einzelnen Verkehrsmittels einfach unbeachtet gelassen.

„Das Fahrrad ist das gefährlichste Verkehrsmittel überhaupt in Deutschland“

>>Stern<<

„Es deutete sich schon an, nun ist es amtlich: Das Fahrrad ist das gefährlichste Verkehrsmittel überhaupt in Deutschland. Offiziell gilt das Ziel „Null“ bei den Verkehrstoten, doch die Unfallzahlen beim Rad gehen in eine andere Richtung. … Auch wenn ein Kfz beteiligt ist, wird gemeldet, weil dann der Unfall fast immer an die Versicherung weitergereicht wird. Bei leichteren oder auch mittleren Verletzungen von Radfahrern gibt es eine erhebliche Dunkelziffer, wie Untersuchungen zeigen. Tatsächlich dürften das Unfall- und Verletzungsrisiko mit dem Rad weit höher sein als die Statistik verrät.“

„Unfall- und Verletzungsrisiko mit dem Rad weit höher sein als die Statistik verrät“

Gemessen an Kilometerleistung stellt das Fahrrad das gefährlichste Verkehrsmittel dar. Auch Fußgänger sind fast genauso unsicher unterwegs. Anders als der staatliche Rundfunk zu suggerieren versucht: Das Auto schneidet beim Punkt Verkehrssicherheit gar nicht mal so schlecht ab und die Autohersteller haben hierzu – sprich Airbag, Knautschzonen, etc. – viel getan. Dagegen sind Fahrradfahrer und Fußgänger weitestgehend schutzlos unterwegs. An anderer wichtiges Kriterium wird beim staatlichen Rundfunk komplett unterschlagen: Wie sieht es – abseits der Verkehrssicherheit – mit der persönlichen Sicherheit aus? Immerhin handelt es sich hierbei um minderjährige Kinder und diese können leicht Opfer von Gewalttaten werden.

„Mädchen in Eisenhüttenstadt mehrfach bedrängt“

>>Märkische Oderzeitung<<

„Mädchen in Eisenhüttenstadt mehrfach bedrängt – Noch in der Regionalbahn, sprachen sie zwei Unbekannte an, welche sie später am Bahnhof noch zu zweit verfolgten. Gegen 18 Uhr wurde sie dann von einem Mann bedrängt.“

„Noch in der Regionalbahn, sprachen sie zwei Unbekannte an“

Ganz allgemein lädt der sehr heruntergekommene Regionalbahnhof Eisenhüttenstadt – wie viele Bahnhöfe – eher zum gruseln ein. Häufig treiben sich in dieser Gegend viele dubiose Gestalten herum. Selbst so mancher Hauptbahnhof hat sich zu eine Art von „zentralen Treffpunkt“ nicht nur von Zügen entwickelt.

„Seit Jahren kämpft Bremen gegen das schlechte Image seines Hauptbahnhofes“

>>T-Online<<

„Seit Jahren kämpft Bremen gegen das schlechte Image seines Hauptbahnhofes. Doch trotz zahlreicher Maßnahmen verschärft sich die Situation dort weiter und führt dazu, dass immer mehr Menschen aus Angst den Ort umgehen. … Laut Behördenangaben sorgt insbesondere die Crackszene für Unrat und Unruhe am Bahnhof.  … Unweit eines Kinderspielplatzes liegen gebrauchte Spritzen und andere unschöne Hinterlassenschaften auf dem Boden.“

„Unweit eines Kinderspielplatzes liegen gebrauchte Spritzen“

Selbst Erwachsenen sollten diese Orte lieber meiden und Kinder unbeaufsichtigt dort hinzu schicken: Darüber sollte man lieber nicht mal nachdenken. Ganz allgemein sollte die Sicherheitslage ohnehin nicht mehr mit der Vergangenheit verglichen werden.