Sorben als Indigenes Volk: Die Fehlende offizielle Anerkennung

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Indigene Völker leben fast überall auf der Welt. Das Wort „indigen“ stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet: „Einheimisch“ oder „Eingeboren“ . Die Indigene Bevölkerungen werden häufig vereinfacht als „Ureinwohner“ bezeichnet, obwohl diese Bezeichnung bei vielen Volksstämmen auch Irreführend sein kann: Denn im Laufe der Geschichte gab es viele Wanderungsbewegungen und die allermeisten „Ureinwohner“ sind deshalb bereits ausgestorben. Doch auch diejenigen – die danach kamen – leben mitunter schon seit Jahrtausenden auf ein und den selben Platz. Die Sorben gelten zwar allgemeinhin als Indigenes Volk: Aber ihnen fehlt die offizielle Anerkennung: Über die Gründe will sich nur sehr Selten jemand äußern.

Indigenes Volk: Die Fehlende offizielle Anerkennung

>>Welt<<

„Sorben, wo liegt das denn? Wer jetzt hektisch mit dem Finger auf dem Globus nach einem Land sucht, das der Erinnerung nach irgendwo in der Nähe von Polen liegt, dem sei gesagt, dass die Bezeichnung „Sorben“ keinen Ort meint, sondern ein westslawisches Volk, das kein eigenes Land besitzt, sondern als anerkannte nationale Minderheit in Deutschland lebt.“

Sorben: „Minderheit in Deutschland“

Die Sorben sind zwar als nationale Minderheit in Deutschland anerkannt: Aber bis heute fehlt die offizielle Anerkennung als Indigenes Volk nach der ILO-Übereinkommens 169.

„Kulturelle Distanzierung von der dominanten Kultur des Staates“

>>Deutscher Verband der freien Übersetzer und Dolmetscher<<

„Eine Definition der Vereinten Nationen beschreibt als Kriterien für „indigen“: Historische Kontinuität (territoriale Bindung), Marginalität (heutige Randstellung wegen Besiedlung/Eroberung von außen), kulturelle Distanzierung von der dominanten Kultur des Staates (eigene Kultur, eigene Organisationsformen), Selbstidentifikation.“

„Eigene Kultur -Eigene Organisationsformen“

>>Die Linke<<

„Zu den indigenen Völkern gehören z.B. die Indianer Nord- und Südamerikas, die Inuit der Polarregion, die Sami in Nordeuropa, die Aborigines in Australien und die Maori in Neuseeland. Nach der Rechtsdefinition des ILO-Übereinkommens 169 ist der Begriff so definiert: „Dieses Übereinkommen gilt für […] Völker in unabhängigen Ländern, die als Eingeborene gelten, weil sie von Bevölkerungsgruppen abstammen, die in dem Land oder in einem geografischen Gebiet, zu dem das Land gehört, zur Zeit der Eroberung oder Kolonialisierung oder der Festlegung der gegenwärtigen Staatsgrenzen ansässig waren[…]“. Auch die Sorben sind ein indigenes Volk.“

„Auch die Sorben sind ein indigenes Volk“

Außerhalb offizieller Anerkennung: Gelten die Sorben fraglos als Indigenes Volk. Selbst die Landeshauptstadt Dresden geht auf einen Sorbischen Namen „Drježdźany“ zurück. „Dresden“ oder im Altsorbischen für Drežďany was für Sumpf- oder Auwaldbewohner stehen kann. Auch Städte wie Kamenz – Sorbisch „Kamjenc“ oder kamjeń was „Stein“ bedeutet. In der Geschichtsschreibung wird der slawische Anteil fast immer verkürzt dargestellt: Dabei haben die meisten Menschen in der Lausitz: Vorfahren mit Sorbischen Wurzeln.

Der slawische Anteil wird fast immer verkürzt dargestellt

Ob die Sorben zu den indigenen Völkern gehören? Diese Frage stellt sich in der Praxis so eigentlich nicht. Dennoch gibt es zahlreiche – vor allem einflussreiche – Gegner des ILO-Übereinkommens 169.

Sorben als indigenes Volk und ihre einflussreichen Gegner

>>Marcel David Braumann<<

„Da erfahren wir auf Wikipedia unter „Absicht und Bedeutung“ der Konvention als maßgebliches Merkmal solcher indigenen Völker: „Ihre oftmals jahrtausendealten Kulturen unterscheiden sich zumeist durch ihre besondere Beziehung zur Natur von der herrschenden westlichen Kultur.“ Ich kenne bisher keinen einzigen Sorben, der diesen Satz bezogen auf das sorbische Volk unterschreiben würde.“

Sorben: Fadenscheinige Begründungen um die Anerkennung zu verhindern

Die Argumentation gegen die ILO-Übereinkommens 169 kann schon als sehr „kreativ“ und teilweise „gewagt“ gelten. In solchen wichtigen Fragen ausgerechnet auf „Wikipedia“ zu verweisen: Lässt schon erahnen, dass da nicht allzu viel Ernsthaftigkeit zu erwarten ist. Besonders wenn man bedenkt: Das es auch eine Ausarbeitungen des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags zu dem Thema gibt.

Domowina: Ein zahnloser Tiger

>>Wikipedia<<

„Ihre oftmals jahrtausendealten Kulturen unterscheiden sich zumeist durch ihre besondere Beziehung zur Natur von der herrschenden westlichen Kultur“

Wie die Sorbische Kultur marginalisiert wird

Einerseits, ist die ILO-Übereinkommens 169 sehr weit gefasst. Anderseits, relativiert das Wörtchen „zumeist“ die ganze Aussage. Jedoch mit solch fadenscheinigen Begründungen wird die offizielle Anerkennung der Sorben als indigenes Volk verhindert.

Domowina – Ein gewöhnlicher Verein als offizielle Vertretung der Sorben?

Nichtdestotrotz, stehen auch ganz andere Interessen im Raum. Die Domowina gilt formal als offizielle Vertretung „aller Sorben“ :Auch wenn sie nur als normaler Verein eingetragen ist und lediglich ein paar Tausend Mitglieder hat. Eine echte Vertretung sieht gewiss anders aus. Selbst die meisten Abwasser-Entsorgungsunternehmen firmieren als Körperschaft des Öffentlichen-Rechts und nicht als schnöder „Verein“ .

Kritiker der Domowina gelten automatisch als „Feinde“ der Sorben

Seit DDR-Zeiten ist die Domowina sehr nah am Staat gebaut und ist abhängig von staatlicher Unterstützung: Auch deren meisten Mitglieder sind irgendwie in staatliche Strukturen eingebunden und trauen sich sehr selten ein – echtes – kritisches Wort zu sagen. Kritiker der Domowina gelten automatisch als „Feinde“ aller Sorben. Wenig Verwunderlich: Auch über die Artikel Lausitzer Allgemeine Zeitung zum Thema Sorben hat man sich lautstark beschwert. Allzu viel Kritik an der Domowina ist halt nicht gern gesehen und mag sie noch so konstruktiv sein. Bestenfalls hinter vorgehaltener Hand oder unter vier Augen sind sachliche Gespräche möglich. Aber alleine die Existenz des Serbski Sejm zeigt: Das nicht alle Sorben pauschal hinter der Domowina stehen.

Verbandsklagerecht: Die Anerkennung der Sorben als indigenes Volk herbei führen

Dabei hätte die Domowina durchaus Möglichkeiten: Alleine über das Verbandsklagerecht könnte sie die Anerkennung der Sorben als indigenes Volk herbei führen. Über genügend finanzielle Ressourcen würde sie allemal verfügen.

 

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