Goldfund aus der Lausitz – Wer sollen diese Skythen eigentlich gewesen sein?

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Gold – Kann ein Zufallsfund auf einen Acker in der damaligen Lausitz noch heute die Gemüter der Historiker aus der Fassung bringen. Ganze 16 goldene Fundstücke aus God wollen sich bis heute nichts so rechts in hiesige Geschichtsbild einfügen. Allgemeinhin wird der Goldfund aus der Lausitz dem Skythen zugerechnet. Dennoch wollen die Zweifel nicht verstummen.

„16 Fundstücke bildete ein aus getriebenem Goldblech hergestellter Fisch mit verzierter Tierornamentik“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Am 5. Oktober 1882 entdeckte der Bauer Lauschke bei Vettersfelde beim Pflügen einen ungewöhnlichen Goldschatz. Glanzpunkt der 16 Fundstücke bildete ein aus getriebenem Goldblech hergestellter Fisch mit verzierter Tierornamentik. Der Fund gilt als einer der bedeutendsten dieser Art in Mittel- und Nordeuropa (heute im Pergamon-Museum in Berlin zu sehen), zugeordnet dem asiatischen Reitervolk der Skythen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. … „

Goldfund aus der Lausitz: „Zugeordnet dem asiatischen Reitervolk der Skythen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr.“

Nicht nur beim Fund selbst tun sich einige Fragen auf: Was hat überhaupt eine Goldfund aus der Lausitz – respektive der ehemalige Landkreis Guben – im Museum in Berlin zu suchen? – Wie auch immer der Goldschatz soll also vom asiatischen Reitervolk der Skythen ursprünglich her stammen. Hier wäre erstmal die Frage zu klären: Wer sollen diese Skythen eigentlich gewesen sein?

„In ethnischer Hinsicht waren die Skythen nicht einheitlich“

>>Auf den Spuren der Indoeuropäer von Harald Haarmann (Buch) <<

„In ethnischer Hinsicht waren die Skythen nicht einheitlich, sondern ein lockerer Bund von verschiedenen Stammesgruppen. Hierzu gehörten in der Mehrzahl iranische Volksgruppen, von denen einige – wie die Kallippiden, Agathyrsen («königliche Skythen»), Neuri und Budini – namentlich bekannt sind.“

„Skythen-Bild“- Wo sollen die Gruselgeschichten hergekommen sein?

Schon der griechische Geschichtsschreiber Herodot hat die Skythen gekannt. Sein überliefertes „Skythen-Bild“ und die dazugehörigen Schilderungen konnte bis heute überdauern.

Was der griechische Geschichtsschreiber Herodot über die Skythen berichtete

>>Die Folter. Eine Enzyklopädie des Grauens von Horst Herrmann (Buch) <<

„Die Skythen füllten einen Ochsenkarren mit Brennmaterial, warfen die gefesselten und geknebelten Opfer darauf, steckten Karren und Menschen an und jagten die Ochsen, die bald selbst voller Brandwunden waren, davon. … Der griechische Geschichtsschreiber Herodot (gest. nach 430 v.Chr.) berichtet über Geißelungen beim ägyptischen Fest der Isis. – Die Skythen übten die Geißelung zu Ehren der Artemis.“

„Die Skythen übten die Geißelung zu Ehren der Artemis“

Doch der griechische Geschichtsschreiber Herodot ist aus seiner „griechischen kleinen Welt“ am Mittelmeer – physisch betrachtet – niemals herausgekommen. Viele Schilderungen über Länder oder Gebiete bildeten sich bei ihm in Wirklichkeit nur über Hörensagen heraus. Dennoch haben sich seine Berichte über das antike Griechenland und Römische Reich bis in die moderne Neuzeit erhalten. Dabei sollten diese Gruselgeschichten eher mit Vorsicht genossen werden: Denn Schreiber haben über ihre „barbarischen Nachbarn“ in der Regel kein gutes Haar gelassen.

„Mediterrane Kommentatoren“ – „Stärker an sich selbst als an den barbarischen »Anderen« jenseits der Grenze interessiert“

>>Invasion der Barbaren von Peter Heather (Buch) <<

„Mediterrane Kommentatoren waren stets viel stärker an sich selbst als an den barbarischen »Anderen« jenseits der Grenze interessiert, aber selbst sie erkannten, dass es, je weiter man nach Westen kam, immer mehr dieser urbar gemachten Inseln und eine entsprechend dichtere Besiedlung gab. Sie teilten die barbarischen Bewohner der Nordeuropäischen Tiefebene in Germanen und Skythen ein.“

„Sie teilten die barbarischen Bewohner der Nordeuropäischen Tiefebene in Germanen und Skythen ein“

Genau diese Einteilung hat sich bis in die Gegenwart gehalten. Im eigentlichen Sinne stellen weder Germanen, noch Skythen einheitliche Völker, sondern es sind – nach deren Definition – nur – sehr vereinfacht – Sammelbegriffe für unterschiedliche Bewohner des damaligen Auslands dar.

„Skythen“ – „Lautete der Sammelbegriff griechisch-römischer Geographen für die Bewohner der östlichen Regionen“

>>Invasion der Barbaren von Peter Heather (Buch) <<

»Skythen« lautete der Sammelbegriff griechisch-römischer Geographen für die Bewohner der östlichen Regionen der Nordeuropäischen Tiefebene in einem Gebiet von der Weichsel und den Ausläufern der Karpaten bis zur Wolga und zum Kaukasus. In den geographischen und ethnographischen Texten der Griechen wurde dieses Gebiet oft als frostige Wildnis bezeichnet, als das archetypische »Andere«, das Gegenbild zur griechischen Zivilisation. Dementsprechend schrieb man seinen Bewohnern jedes erdenkliche unzivilisierte Verhalten zu: sie würden ihren Gegnern die Augen ausstechen, sie skalpieren und ihnen die Haut abziehen, sich tätowieren und sogar Wein unverdünnt trinken. In Wahrheit umfasste dieses »skythische« Territorium eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume.“

„Skythen“ – „Das archetypische »Andere«, das Gegenbild zur griechischen Zivilisation“

Eigentlich müssten die vermeintlichen „Weisheiten“ der griechisch-römischer Geographen und Historiker mit entsprechenden Abstand gelesen werden. Aber alleine die heutigen Definitionen bei Germanen und Skythen legen eher den gegenteiligen Schluss nahe.