Lausitzer Geschichte: Als das Marbodreich dem Römischen Reich die Stirn bot

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Über das Marbodreich und seinem König Marbod ist nicht allzu viel historisch gesichert: Die wenigen erhaltenen Schriften rühren fast ausschließlich von römischer Autoren her und sind entsprechend eingefärbt. Noch nicht mal die exakten Grenzen des Marbodreichs lassen sich rekonstruieren.

Das mystische Marbodreich und sein geheimnisvoller König

Allerdings hat sich das fast schon mystische Marbodreich als ebenwürdiger Gegner des Römischen Reiches erwiesen. Zudem können durchaus auch Lausitzer an der Seite von Marbod gekämpft haben. Denn es ist durchaus möglich: Das König Marbod auch über die Lausitz herrschte.

Die Lausitz und König Marbod versus seine Gegenspieler

>>Invasion der Barbaren von Peter Heather (Buch) <<

„Wenn wir daher vom germanischen Europa sprechen, meinen wir in Wirklichkeit das germanisch dominierte Europa, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die gesamte Bevölkerung dieses wahrlich riesigen Gebiets – das teilweise erst kurz zuvor militärisch unterworfen worden war – in ihren Glaubensvorstellungen und sozialen Gepflogenheiten kulturell homogen war oder dass alle dieselbe Sprache sprachen. »Skythen« lautete der Sammelbegriff griechisch-römischer Geographen für die Bewohner der östlichen Regionen der Nordeuropäischen Tiefebene in einem Gebiet von der Weichsel und den Ausläufern der Karpaten bis zur Wolga und zum Kaukasus.“

Skythen und Germanen: „Sammelbegriffe griechisch-römischer Geographen“

Was die Römer als „Germanen“ bezeichneten, das waren wiederum für die Griechen die „Skythen“ . Noch heute wird mit jenen Begriffen gearbeitet, obwohl sie eine ganz andere Aussagekraft haben. Die vermutlich passende Übersetzung von „Germanen“ oder „Skythen“ dürfte wohl der heutige Begriff „Ausländer“ sein. Unter „Germanen“ verstanden die Römer jene Stämme, die jenseits der Römischen Grenzen siedelten. Diese teilten sich hauptsächlich nur eine wesentliche Gemeinsamkeit: Die Feindschaft gegenüber dem Römischen Reich.

Als das Marbodreich dem Römischen Reich die Stirn bot

Dabei achteten die Römer peinlich darauf: Das kein ebenbürtiger Gegner entstehen konnte. Doch mit dem Marbodreich schickte sich ein König an: Dem Römischen Reich die Stirn zu bieten.

„Marbodreich war rund 30 Jahre lang ein relativ stabiles Gebilde“

>>Balázs Komoróczy von der Akademie der Wissenschaften in Brno (Tschechien) <<

„Das Marbodreich war rund 30 Jahre lang ein relativ stabiles Gebilde mehrerer Stämme. Die Römer mussten also wohl oder übel mit diesem Machtfaktor rechnen. Einige schriftliche Quellen sprechen davon, dass Rom versuchte, das Reich militärisch zu erobern oder zumindest in die Schranken zu weisen. Augustus´ Adoptivsohn Tiberius wurde jedenfalls im Jahr 6 nach Christus mit einem Feldzug gegen Marbod beauftragt.“

Marbodreich: „Die Römer mussten also wohl oder übel mit diesem Machtfaktor rechnen“

König Marbod stand einst selbst im römischen Diensten und war deshalb mit der Strategie des Römischen Reiches vertraut. Vergleichbar wie Arminius nutzte er die Schwächen der Römischen Streitkräfte aus. Trotz einer ausgesandten Armee konnten die Römer das Marbodreich militärisch nicht bezwingen. Zudem hatten die Römer auch an anderen Grenzabschnitten mit vergleichbaren Gegenspielern zu kämpfen.

„Der König der Markomannen – Marbod“ 

>>Als die römischen Adler sanken: Arminius, Marbod und die Legionen des Varus von Walter Böckmann (Buch) <<

„Im vorliegenden Fall sind dies Arminius und seine germanischen Mit- und Gegenspieler, allen voran die Cheruskerführer Segestes und Inguiomar und der König der Markomannen, Marbod. Diesen gegenübergestellt werden Personen und Kultur ihrer römischen Widersacher: Augustus und Tiberius als Kaiser sowie Tiberius, Drusus und Germanicus als große Soldaten und Strategen. Diese Römer haben mit den Cheruskern zwar zur selben Zeit, keineswegs aber in einer vergleichbaren Epoche ihrer kulturellen Entwicklung gelebt.“

Marbod & Arminius: „Personen und Kultur ihrer römischen Widersacher“

Auch die berühmte Schlacht am Teutoburger Wald fällt genau in diese geschichtliche Epoche hinein. Das Marbodreich ging auch nicht militärischen Kriegen, sondern aus anderen Grunden unter. Mit dem Tod von König Marbod starb zwar zugleich nicht auch das Marbodreich aus. Allerdings seine Nachfolger erwiesen sich nicht als allzu fähig. Die Römer integrieren erfolgreich gegen die Könige des Marbodreichs und unterminierten so seine Herrschaft, was vermutlich zum Verschwinden des frühen Staates führte.

Herrschte König Marbod über die Lausitz?

Über das Marbodreich selbst ist nicht allzu viel bekannt: Das wenige Wissen stammt fast ausschließlich aus Federn römischer Autoren und ist entsprechend eingefärbt. Nichtmal die genauen Grenzen des Marbodreichs können rekonstruiert werden. Deshalb ist es durchaus möglich, das König Marbod auch über die Lausitz herrschte.

 

–W E R Β U Ν G–

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