Passivradar: Entzauberte Mythos der Tarnkappentechnik

Screenshot youtube.com

Die hohen Kosten der Tarnkappentechnik werden meist mit den Vorteilen der „Unsichtbarkeit“ gegenüber den Radar begründet. Allerdings gibt es Systeme, die diesen taktischen Vorteil zunichte machen.

>>Flug Revue<<

„Ein Passivradar sendet keine eigenen Strahlen aus, sondern nutzt zur Objektortung die Reflektionen von anderen Sendern, wie etwa Rundfunk- oder Fernsehstationen. Die Position eines Flugzeugs kann dabei aus den Unterschieden zwischen den ursprünglich ausgesandten und den vom Flugzeug reflektierten Signalen ermittelt werden.“

 

>>Fraunhofer-Gesellschaft<<

„Passivradar spielt gerade im Bereich der verdeckten Aufklärung eine zunehmend stärkere Rolle. Am Fraunhofer FHR untersucht eine Forschergruppe, wie diese Technologie auf mobilen Plattformen angewendet werden kann. Stationäre passive Radarsensoren und Radarnetze haben in verschiedenen Feldversuchen ihre Leistungsfähigkeit gegenüber Luft- und Bodenzielen nachgewiesen. Schlauchboote sowie Kleinflugzeuge konnten zuverlässig detektiert werden. Beim Passivradar emittiert das System keine eigenen Signale, sondern nutzt bereits vorhandene Signale wie die von DVB-T oder Mobilfunk. Damit kann eine Ortung des Radars nahezu ausgeschlossen werden. Ein wesentliches Interesse an passiver Ortung liegt also in der verdeckten Aufklärung begründet. Diese Anwendung soll künftig auch für mobile Plattformen zur Verfügung stehen. Passivradar kann durch zunehmende Miniaturisierung verkleinert werden und wird somit auch für mobile Plattformen interessant. Der von den Sendernetzen genutzte Frequenzbereich (VHF/UHF) erweist sich als besonders günstig im Hinblick auf die Wellenausbreitungscharakteristik und das Rückstreuverhalten der zu erfassenden Objekte. So können unter bestimmten Voraussetzungen sogar Objekte entdeckt werden, zu denen vom Empfänger aus keine direkte Sichtverbindung (line-of-sight) besteht. Es wurden daher verstärkt Anstrengungen unternommen, die Operationsbedingungen für den erfolgreichen Betrieb von Passivradar-Sensoren, z. B. auf Schiffen in Küstennähe, zu erforschen. Im Unterschied zum stationären Betrieb muss beim mobilen Einsatz die Eigenbewegung der Trägerplattform kompensiert werden. Denn durch die Eigenbewegung erzeugt die Plattform einen Doppler, der zur Signalverzerrung führt und damit die Performance des Systems beeinträchtigt. Um nun aus den »belauschten« Echos auf ein Ziel im Überwachungsgebiet des Radars schließen zu können, muss das vom Sender direkt empfangene Referenzsignal bewegungsunabhängig rekonstruiert werden. Das Fraunhofer FHR hat dieses Problem gelöst, indem der Bewegungsdoppler der Plattform durch die Analyse der Pilotträger des DVB-T-Direktsignals bestimmt wird, was die erforderliche Kompensation der Signalverzerrung ermöglicht. Die DVB-T-Netze im Bereich der Bundesrepublik Deutschland werden als sogenannte Gleichwellennetze betrieben, das heißt alle Sender des Netzes strahlen zur selben Zeit kohärent dasselbe Signal ab. Darum sind besondere Anstrengungen erforderlich, denn ein einzelnes Ziel kann aufgrund der Beleuchtung durch die unterschiedlichen Sender mehrere Echos zum Passivradar reflektieren. Um das Zielecho eindeutig einem Sender zuordnen zu können, ist eine genaue Zielrichtungsortung und Zielverfolgung erforderlich. Die Lösung dieses Mehrdeutigkeitsproblems ist Voraussetzung, um es dem Passivradar zu ermöglichen anschließend Entfernung und Geschwindigkeit des Ziels zu bestimmen.“

 

>>Spiegel<<

„Denn das Passivradar bedroht nicht nur Tarnkappenbomber, sondern auch gewöhnliche Jagdbomber und Jagdflugzeuge. Deren bester Schutz vor Luftabwehrraketen sind bisher die eigenen Waffen: Sobald eine Abwehrbatterie ihr Suchradar einschaltet, können die Piloten spezielle Raketen abfeuern, die auf dem Ortungsstrahl ins Ziel finden. Gibt es ihn nicht mehr, wissen die Piloten nicht, wo die Abwehrstellung steht – sie können nicht einmal mehr ahnen, dass sie überhaupt ins Visier genommen werden. Gegen einen mit Passivradar ausgestatteten Gegner werde die gewohnte Lufthoheit deshalb nur schwer zu erringen sein, glaubt Westra. In ein fremdes Land einzurücken, etwa mit einer Landung am Strand, „wird eine entsprechend größere Herausforderung sein“. Zwar werden die Luftstreitkräfte der Welt wegen des Passivradars nicht aufhören, Stealth-Flugzeuge zu entwickeln.“

 

>>Welt<<

„Hensoldt-Projektmanager Frank Bernhardt ist stolz, dass es nach mehreren Jahren Entwicklung inzwischen in weniger als 1,5 Sekunden gelingt, aus dem immensen Funkwellendurcheinander die Flugroute eines Objektes genau zu verfolgen. Das Passivradar könne große Flugzeuge bis auf 250 Kilometer Entfernung aufspüren – wenn es mindestens zwei oder drei aktive UKW-Radio- oder TV-Sender im Umfeld gibt. Kleinere Flugzeuge oder Flugdrachen können in bis zu 100 Kilometer Entfernung auf etwa 50 bis 100 Meter genau entdeckt werden.“

Neben Passivradar: Finden parallel dazu auch Entwicklungen des Quantenradar statt. Dieses ist ebenfalls geeignet, um sogenannte Tarnkappenflugzeuge aufzuspüren. Und auch beim konventionellen Radar, ist der technologische Fortschritt keinesfalls stehen geblieben.

 

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