Bildungsautonomie: Eine Sorbische Universität für die Lausitz?

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Eine Sorbische Universität für die Lausitz? Die Bildungsautonomie fängt aber eher im kleinen Rahmen an. In der Lausitz sind die Sorbischen Einflüsse – alleine durch die Ortsschilder – unübersehbar. Gleichzeitig wird in den staatlichen Schulen recht wenig darüber vermittelt. Daher haben viele Lausitzer ihre Wurzeln erst im Erwachsenenalter entdeckt und fangen an, ihre eignen Kinder in Sorbische Kindergärten zu schicken. Teilweise sollen Zahlen von mindestens 700.000 Menschen im Raum – mit Sorbischen Wurzeln – stehen.

700.000 Menschen: Welches Potential hätte eine Sorbische Universität für die Lausitz?

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„Dr. Walde:

„Die Wähler müssen nicht sorbisch sprechen. Es genügt ein einziges Merkmal unserer Ethnie. Dazu gehören sorbisch-wendische Ahnen, Verständnis für unsere Kleider und Tradition, historisches Bewusstsein. Das sind mindestens 700 000 Wahlberechtigte.“

Warum ist die Welt der Sorben ist in Wandlung begriffen?

Sicherlich mutet – ohne den nötigen Kontext – diese Aussage für Außenstehende recht seltsam an. Denn die Welt der Sorben ist in Wandlung begriffen. Vergleichbar wie der Serbski Sejm sind viele Sorbische Initiativen durch engagierte Bürger entstanden. Mitunter fangen viele Menschen erst im Erwachsenenalter ihre Sorbischen Wurzeln – ohne wirkliche Sorbischkentnisse – zu entdecken und lassen ihre Kinder in einen Sorbischen Kindergarten besuchen.

„Viele Eltern haben erkannt, dass die sorbische Sprache ein Schatz ist“

>>Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus<<

„Viele Eltern haben erkannt, dass die sorbische Sprache ein Schatz ist – Soll mein Kind im Kindergarten Sorbisch lernen, auch wenn ich die Sprache selbst nicht spreche? Und wie lernt mein Kind dort eigentlich die zweite Sprache?“

„Soll mein Kind im Kindergarten Sorbisch lernen, auch wenn ich die Sprache selbst nicht spreche?“

Natürlich ließe es sich leichtfertig als Einzelfall abtun: Aber bei genauer Betrachtung sieht die Lage ganz anders aus. In manchen Kindergärten stellen tatsächlich deutschsprachige Eltern die absolute Mehrheit dar.

Lausitzer Renaissance: Warum viele Eltern das Sorbisch neu entdecken

>>Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus<<

„Ihr betreut bei euch in der Kita „K wódnemu mužej“ in Malschwitz rund 50 Kinder und sprecht mit ihnen Sorbisch. Wie viele Kinder kennen die Sprache schon von zu Hause?

Tatsächlich spricht kein Kind, das zu uns kommt, bereits Sorbisch oder hatte damit viele Berührungspunkte.

Wie kommt es, dass deutschsprachige Eltern ihre Kinder in einer sorbischen Kita betreuen lassen?

Ich glaube, viele Eltern in der Region haben erkannt, dass die sorbische Sprache ein Schatz ist, etwas ganz Besonderes. … „

„Viele Eltern in der Region haben erkannt“ – „Die sorbische Sprache ein Schatz ist“

Dennoch treten in der Schule die Schattenseiten der Bildungspolitik überdeutlich hervor. Es fehlen nicht nur Lehrer, sondern einige Sorbischlehrer weisen eklatante Bildungslücken auf.

„Die Lehrerin kann doch gar kein Sorbisch!“

>>Neues Deutschland<<

„Die Lehrerin kann doch gar kein Sorbisch! Sie sagt nur immer: ›Dobry źeń.‹« Das ist Niedersorbisch und heißt: »Guten Tag.« Viel mehr von dieser in der Niederlausitz nur noch wenig verwendeten Sprache der slawischen Minderheit beherrscht die Lehrerin angeblich nicht. Dabei soll sie Niedersorbisch unterrichten.“

Warum der Wortschatz mancher Lehrer nur für „Guten Tag“ auf Sorbisch reicht?

Die Verhältnisse dürften mitnichten für Verwunderung sorgen. Der Sorbischunterricht wird teilweise durch Quereinsteiger und teilweise tschechischen Muttersprachlern verrichtet. Allzu viel Qualität sollte also nicht gefordert werden. Aber damit längst nicht genug: Die Bildungsluft nach oben geht faktisch schon beim Gymnasium aus.

„Sorbische Gymnasium führt seine Schüler zur allgemeinen Hochschulreife“

>>Sorbisches Gymnasium Bautzen<<

„Das Sorbische Gymnasium führt seine Schüler zur allgemeinen Hochschulreife und unterstützt sie bei der Entwicklung ihrer sorbischen Identität. Das Sorbische Gymnasium fördert die Entwicklung der sorbischen Sprache und Kultur und führt seine Schüler zur qualifizierten sorbisch – deutschen Zweisprachigkeit.“

Selbst die Lehrpläne werden nicht in der Lausitz gemacht

Weder gibt es eine Sorbische Universität, noch eine Sorbische Hochschule in der Lausitz. Sogar die Lehrerausbildung für Sorben findet ganz woanders statt. Ohnehin werden die Lehrpläne im fernen Dresden oder Potsdam gemacht. Selbst die Domowina muss sich intern mit Fragen der Bildungsautonomie befassen.

„Nicht genug Nachwuchs für unser Kultur- und Sprachsystem produziert“

>>Minderheitensekretariat der vier autochthonen nationalen Minderheiten und Volksgruppen<<

„Aber „der größte Missstand im Moment ist der, dass das Bildungssystem, salopp gesagt, nicht genug Nachwuchs für unser Kultur- und Sprachsystem produziert.” Deshalb müsse nach dem Vorbild der sorbischen Kulturautonomie auch über eine Bildungsautonomie nachgedacht werden, aber im Einvernehmen mit allen Betroffenen.“

„Müsse nach dem Vorbild der sorbischen Kulturautonomie auch über eine Bildungsautonomie nachgedacht werden“

Schon der oberflächliche Blick in die hiesigen Lehrpläne verrät: Es wird wenig Rücksicht auf die Kultur der Lausitzer Sorben genommen. Deshalb sehen manche Sorben ihre Lausitzer Heimat als eine Art der Diaspora an.

„Viele Sorben und Wenden fühlen sich in ihrer Lausitzer Heimat wie in einer Diaspora“

>>Lausitzer Rundschau<<

„Viele Sorben und Wenden fühlen sich in ihrer Lausitzer Heimat wie in einer Diaspora. … Die Sorben und Wenden in der Lausitz fordern konkrete Schritte zum Erhalt ihrer Sprache und Kultur. … Eine andere Forderung betrifft die Gründung einer Universität der Sorben und Wenden in Bautzen und Görlitz. … Zugleich pochen die Initiatoren des Parlamentes auf Autonomie bei Bildung und Kultur mit eigener Budgetverwaltung, über die ein demokratisch legitimiertes Parlament verfügen soll. Konkret geht es um Kompetenz und Mitspracherecht bei der Schulnetzplanung, Einsatz von Lehrern und Lehrplaninhalten, die der Geschichte und Lage der Sorben und Wenden Rechnung tragen.“

„Gründung einer Universität der Sorben und Wenden in Bautzen und Görlitz“

Eine Sorbische Universität würde nicht nur Forschung und Bildung voran treiben, sondern eine ganz andere Perspektive vermitteln. Die allermeisten Studien von Universitäten sehen von außen auf die Sorben herab und können sich weder mit der Kultur, noch der Sprache wirklich identifizieren.