Unterm Radar: Wie der Corpsgeist der Polizei funktioniert

Screenshot youtube.com

Nach dem Einsatz saßen acht Polizisten bedrückt im Fahrzeug. Einer von ihnen hatte einen Mann blutig geprügelt. Zwei Schläge mit dem Schlagstock auf den Kopf. Völlig grundlos. Ein unseliger Geist machte sich im Mannschaftswagen breit. „Es wurde untereinander gesagt, dass ich ausgerutscht bin“, gab Enrico Z. am Freitag vor einem Amtsgericht zu. Dass es eine Körperverletzung im Amt war, sollte unter der Decke gehalten, „systematisch verschleiert“ werden, sagte der Staatsanwalt. Doch der Corpsgeist bröckelte. Der Täter zeigte sich zwei Jahre später überraschend geständig.“ Solche Eingeständnisse sind rar gesät, in den meisten Fällen obsiegt Corpsgeist.

>>Tarnkappe.info<<

„Demnach gab es 2016 insgesamt 2383 Ermittlungsverfahren gegen Polizeibeamte wegen Anfangsverdachts auf rechtswidrige Gewalt, davon wären 2132 dieser Verfahren eingestellt worden. In nur drei Prozent der Verfahren gegen Beamte wird tatsächlich Anklage erhoben. In seinem Bericht nennt Singelnstein als Grund für die zahlreichen, eingestellten Verfahren die „besondere institutionelle Nähe der ermittelnden Behörden, also Polizei und Staatsanwaltschaft, zu den beschuldigten Polizeibeamten.“ Er ist überzeugt davon, dass es besser wäre, „das Ganze auf eine Art und Weise zu lösen, wie das auch andere Länder tun, das heißt eine eigenständige Institution zu schaffen, die auch für solche Vorfälle zuständig ist.“

>>Deutschland habe fertig: Reflexionen eines Polizeihauptkommissars über die Innere Sicherheit von Nikolas Weegert (Buch) <<

„Wenn Sie, lieber Leser, sich in einer ruhigen Minute einmal auf „Ýoutube“ oder auch allgemein im Internet mit den Schlagworten „Polizeigewalt“ oder auch „Gewalt durch Polizei, gewalttätige Polizei“ informieren möchten, dann finden Sie ein Sammelsurium von Videos und Berichten vor, bei denen die vermeintlichen Opfer dieser Polizeigewalt ihre eigene Sicht der Geschehnisse schildern. Als besonders empörend befinden viele, dass die allermeisten Ermittlungen gegen die „gewalttätigen Polizeibeamten“ von der Staatsanwaltschaft im Nachgang eingestellt werden. Es folgen wahre Entrüstungstiraden und sofort ist die Rede von Kumpanei und Vetterleswirtschaft, gefolgt von Rufen nach unabhängigen Instanzen, sogenannten Bürgerbeauftragten, welche die Ereignisse neutral aufarbeiten sollen.“

 

>>Neues Deutschland<<

„Ein Schubser oder eine Beleidigung durch eingesetzte Beamte kommen nicht selten vor. Menschen, die den Polizisten in solchen Situationen gegenüberstehen, haben in solchen Fällen oft das Nachsehen. Sie können die Polizisten nicht erkennen. Bei solchen Einsätzen werden in der Regel Bereitschaftspolizisten eingesetzt. Sie tragen Einsatzanzüge und unter ihrem Helm oft genug Sturmhauben. Wer sich also im Nachhinein beschweren oder eine Anzeige gegen Polizisten stellen möchte, der kann nicht einmal eine grobe Beschreibung liefern. Ein wenig Abhilfe in solchen Situationen schafft die Kennzeichnungspflicht, die es in acht Bundesländern gibt. Dort, wo es sie gibt, bedeutet das in der Regel, dass Polizisten auf dem Rücken ihrer Uniform eine mehrstellige Nummer haben, die sie individuell identifizierbar macht. … « Durch die Kennzeichnung stehe die Polizei unter »Generalverdacht«. Die Union befürchtet außerdem, dass es zu Übergriffen auf Polizisten in ihrem Privatleben kommen könnte. Auch die vorgebliche Bürgerrechtspartei FDP schließt sich in der Frage der Kennzeichnungspflicht der Argumentation der Christdemokraten an.“

Angesichts des real existierenden Überwachungsstaates für die übrige Bevölkerung, ist die Aussage, dass die Polizei damit unter „Generalverdacht“ stehen soll, doch sehr zynisch. Der wahre Impetus dürfte vielmehr der sogenannte Corpsgeist sein. Ein großer Teil der Politiker stammt aus Kreisen der Behörden. Hinzu kommt, zwischen den einzelnen Polizisten und Staatsanwälten gibt es ebenso innige Beziehungen. Corpsgeist: Es bedarf dazu keine geheimen Absprachen, die allgemeine Geisteshaltung zu den Thema ist also in dieser Hinsicht völlig stimmig. So kommt es auch zu entlarvenden Aussagen, eines vermeintlichen „Generalverdachtes“ . Nach dieser Denkweise wären Identifizierungskennungen für Fahrzeuge und Flugzeuge ebenfalls vollkommen unzulässig.

 

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