Sorbische Kultur: „Loslösen von ausschließlich folkloristischen Traditionen“

Screenshot twitter.com Screenshot twitter.com

Wir versuchen, ein zeitgenössisches Bild von Identität zu schaffen, um gerade junge Menschen dazu zu bringen, sich wieder mit den eigenen sorbischen Wurzeln auseinanderzusetzen“ – Worum geht es? – Die öffentliche Außenwahrnehmung der Sorbischen Kultur wirkt sich auch direkt auf die Sorben aus und das kann mitunter negative Folgen haben.

„Kommt der Bundespräsident in die Lausitz, erinnert man sich plötzlich an die Sorben“

>>taz<<

Sorben sind oft: bemalte Eier, Folklore, alte Damen in Trachten. Gibt es eine sorbische Moderne?

Dass diese Frage gestellt wird ist schon ein Problem, weil sie zeigt, wie wenig in der deutschen Mehrheitsgesellschaft über Sorben bekannt ist. Man greift auf uns immer als Klischee zurück. Sorben sind gut, um mit Brot und Salz und in Trachten zu begrüßen. Kommt der Bundespräsident in die Lausitz, erinnert man sich plötzlich an die Sorben. Dabei gibt es bei uns Rockmusik, es gibt Literatur aller Genres, moderne Thea­ter­stücke. Es gibt alles, was unsere deutschen Nachbarn auch haben.

„Sorben sind oft: bemalte Eier, Folklore, alte Damen in Trachten“

Nur jene Tatsachen kommen nur selten an. Die Berichterstattung ist immer noch häufig durch die klischeehaften „bemalte Eier, Folklore, alte Damen in Trachten“ geprägt. Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk hat sich in diesem Zusammenhang noch niemals in seiner Geschichte wirklich mit Ruhm bekleckert. Aber dieser setzt mit der fiktiven ARD-Internetserie „Straight Outta Compton“ noch mal ein unrühmliches Sahnehäubchen oben drauf.

Klischees und Vorurteile: „Sorben sind oft: bemalte Eier, Folklore, alte Damen in Trachten“

>>Stern<<

„Straight Outta Compton“ heißt ein Film über die berühmte Hip-Hop-Crew N.W.A aus Los Angeles. In der ARD-Webserie „Straight Outta Crostwitz“ spielt diese Musikrichtung ebenfalls eine Rolle, doch die Geschichte trägt sich unter den Sorben zu, einer vor allem in der Niederlausitz beheimateten Minderheit. Die junge Sorbin Hanka (Jasna Fritzi Bauer) muss regelmäßig als Schlagersängerin zusammen mit ihrem traditionell lebenden Vater (Volker Zack) auftreten, doch ihr Herz schlägt eigentlich für den Hip-Hop. Sie nimmt heimlich und inkognito an einem Rap Battle teil – was nicht lange unerkannt bleibt und die konservative sorbische Gemeinde aufrüttelt.“

„Straight Outta Crostwitz“ – Zerrbild von schlechten Klischees und Vorurteilen

Der gesamte Handlungsstrang dieser fiktiven ARD-Internetserie baut beinahe auf allen klassischen Klischees über Sorben auf. Hinzu kommt: Die Hauptdarstellerin Jasna Fritzi Bauer ist nicht mal eine Sorbin: Im Prinzip ist dieser Punkt egal, aber gerade der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk tut sich bei der Debatte um „kulturelle Aneignung“ durch Dauerempörung auffallend hervor. Nur bei der eignen ARD-Internetserie ist plötzlich Schweigen im Walde angesagt. Über die Kosten dieses Medienprojektes sind keine seriösen Zahlen zu finden. Vermutlich dürfte es aber nicht billig gewesen sein. Auf der anderen Seite muss Sorbischer Musik mit kleinen Budget auskommen.

„Alles auf Sorbisch“ – „Formen vom Rap über Pop, Rock, Liedermacher-Songs, Folk, Blues“

>>Berliner Zeitung<<

„Sorbische Musik ist nach Expertenansicht längst mehr als Folklore. Es gebe viele Formen vom Rap über Pop, Rock, Liedermacher-Songs, Folk, Blues: „Alles auf Sorbisch“, sagte Jan Budar, Direktor der Stiftung für das sorbische Volk. Ihr Zweck ist die Pflege und Förderung sorbischer Sprache und Kultur, mit einem kleinen Budget werden zum Beispiel auch Musikproduktionen ganz unterschiedlicher Art unterstützt.“

„Mit einem kleinen Budget werden zum Beispiel auch Musikproduktionen ganz unterschiedlicher Art unterstützt“

Das Drehbuch von „Straight Outta Compton“ muss logischerweise die Existenz von Sorbischen Rap negieren, ansonsten würde der Handlungsstrang nicht funktionieren. Es ist ein sehr eigenwilliges Verständnis jenen öffentlichen Bildungsauftrag umzusetzen. Mit der fiktiven ARD-Internetserie „Straight Outta Compton“ wird für vermutlich sehr viel Geld das öffentliche Folklore-Bild über die Sorben verfestigt, während moderne Formen von Sorbischer Kultur mit Minibudget auskommen müssen. Auch an anderen Stellen wird der Sorbischen Folklore viel Raum geboten und genau diese Praxis wirkt sich negativ auf die Sorbische Identität aus.

„Wir versuchen, ein zeitgenössisches Bild von Identität zu schaffen, um gerade junge Menschen dazu zu bringen, sich wieder mit den eigenen sorbischen Wurzeln auseinanderzusetzen“

>>Neues Deutschland<<

»Wir versuchen, ein zeitgenössisches Bild von Identität zu schaffen, um gerade junge Menschen dazu zu bringen, sich wieder mit den eigenen sorbischen Wurzeln auseinanderzusetzen«, erklärt sie. So hat das Kollektiv mit der Punkband Pisse aus Hoyerswerda zusammen ein Musikvideo produziert, es werden sorbische Bücher übersetzt, Konzerte und Ausstellungen organisiert. »Das macht mir Mut«, … . Das »Loslösen von ausschließlich folkloristischen Traditionen« und die Rückbesinnung auf die Sprache wären der »Hauptgewinn« für die sorbische Kultur.“

„Loslösen von ausschließlich folkloristischen Traditionen“

Zweifellos hat Sorbische Folklore ihre Berechtigung: Dennoch wird sehr viel öffentliches Geld für folkloristische Traditionen ausgegeben und besonders für junge Menschen ist diese Praxis wenig förderlich.