Steigende Strompreise & Arbeitsplatzverlust: Was in der Endphase des Strukturwandels übrig bleibt?

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Immer mehr Menschen haben mit steigenden Stromkosten zu kämpfen. Durch die angedachte Abschaltung von Kraftwerken im Lausitzer Revier wird sich die Lage nochmal verschärfen. Gerade die sozial Schwachen müssen im Zuge der Energiekrise einem hohen Preis bezahlen und davon sind nicht nur Hartz-IV-Empfänger betroffen.

„Energiearmut Position zu Stromsperren und zugehörigen sozialen Fragen“

>>Deutscher Bundestag (PDF-Datei) <<

„Energiearmut Position zu Stromsperren und zugehörigen sozialen Fragen – Hartz IV- und Sozialhilfebezieher können die Abschläge an das Energieversorgungsunternehmen direkt von den staatlichen Ämtern überweisen lassen. Problematisch ist der häufig zu niedrig angesetzte Bedarf für Strom in den Mindestsicherungsleistungen. Dieser ist insgesamt zu wenig variabel und hält zudem nicht Schritt mit den steigenden Stromnebenkosten. Der Regelsatz müsste entsprechend erhöht werden. Zudem sollte der Stromkostenanteil jährlich angepasst und entsprechend der tatsächlichen Verbrauchszahlen ermittelt werden. Außerdem wäre eine stärkere Berücksichtigung der Wohnsituation durch die sozialen Sicherungssysteme notwendig. Beispielsweise sollte bei der Definition von „angemessenen Heizkosten“ die Gebäudeeffizienz miteinbezogen werden.“

„Zu niedrig angesetzte Bedarf für Strom in den Mindestsicherungsleistungen“

Schon bei der Einführung von Hartz IV waren die Kosten für Strom zu niedrig angesetzt. Zugleich sollen mit der Pauschale nicht nur die Energie, sondern auch die Wohnungsinstandhaltung bezahlt werden, obwohl der Posten nicht mal die Stromkosten abdeckt. Mit vergleichbaren Problemen haben ebenso Geringverdiener zu kämpfen. Allgemein hat sich der Staat aus seiner sozialen Verantwortung immer weiter zurückgezogen. Die Energiearmut trifft vorwiegend auf sozial Schwächere zu. Die politisch-gewollte Energiewende hat die ohnehin schon angespannte Situation auf verschiedenen Ebenen noch mal zusätzlich verschärft. Mittlerweile können offenbar noch nicht mal Stromanbieter die erheblich gestiegenen Energiekosten weitergeben.

„Stromanbieter kündigt plötzlich Verträge“

>>Chip<<

„Stromanbieter kündigt plötzlich Verträge – Unerwarteterweise wurden vielen plötzlich sämtliche Verträge gekündigt. … Warum nun die Lieferverträge für Endkunden so kurzfristig gekündigt werden, verrät man in dem Schreiben nicht. … Experten gehen laut Handelsblatt davon aus, dass die Stromanbieter sich so ein Stück weit vor den rasant gestiegenen Marktpreisen schützen wollen.“

„Stromanbieter sich so ein Stück weit vor den rasant gestiegenen Marktpreisen schützen wollen“

Manchmal binnen Minuten stellt sich am Strommarkt eine völlig neue Situation ein, während die staatliche Verwaltung mit teilweise jahrealten Zahlen der Stromkosten operiert. Die Lebenswirklichkeit vieler Menschen wird einfach nicht mehr abgebildet. Davon ist besonders die Lausitz betroffen. Schließlich kommt zur sowieso schwierigen Lage häufig noch Existenznot hinzu. Viele gut bezahlte Arbeitsplätze werden per behördlichen Federstrich einfach abgewickelt.

Lausitzer Revier: „18 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt“ 

>>Deutsche Handwerks Zeitung<<

„In Boxberg stand einst das größte Kraftwerk der DDR. Heute werden von der Leag, die die Kohleverstromung in der Region zwischen Sachsen und Brandenburg übernommen hat, noch 18 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugt. Den Brennstoff dafür fördert das Bergbau- und Energieunternehmen mit tschechischen Eigentümern in den Tagebauen Reichwalde und Nochten, beide auf dem Gemeindegebiet von Boxberg gelegen.“

Steigende Strompreise und der Wegfall von Kraftwerkskapazität

Diese „Fehlstrommenge“ wird die Energiepreise nochmal steigen lassen: Die einfache Regel nach Angebot und Nachfrage lässt sich nicht einfach per Kabinettsbeschluss abschaffen. Zumal eine echte Perspektive für Lausitz bis in die Gegenwart nicht aufgezeigt werden konnte. Alleine 3.300 Unternehmen sind nur als Zulieferer für die Leag tätig und der damit verbundene Kaufkraftverlust kommt noch mal oben drauf.

Steigende Strompreise & Arbeitsplatzverlust: Was in der Endphase des Strukturwandels übrig bleibt?

>>Niederlausitz Aktuell<<

„Lausitzer Handwerker fordern Perspektiven für die Zeit nach der Kohle – Mehrfach haben sich die Handwerkskammern Cottbus und Dresden gegen einen voreiligen Ausstieg aus der Braunkohle ausgesprochen. Im Grunde geht es um eine Wertschöpfung von jährlich rund 1,4 Milliarden Euro, die ersetzt werden muss. Damit die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaftsregion Lausitz langfristig gesichert wird, kommt es maßgeblich darauf an, den Strukturwandel mit einem ausgewogenen Branchenmix aus Industrie, Dienstleistungen und Handwerk aktiv zu gestalten und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit des Mittelstandes zu fördern.“

Lausitzer Revier: „Im Grunde geht es um eine Wertschöpfung von jährlich rund 1,4 Milliarden Euro“

Bis heute liegen keine überzeugende Konzepte zum Ausgleich von jährlich rund 1,4 Milliarden Euro an Wertschöpfung für die Lausitz vor. Vergleichbare Industriearbeitsplätze dürften alleine schon wegen der hohen Stromkosten als äußerst unwahrscheinlich gelten.